Borowski und der brennende Mann – Tatort Kiel – Folge 873

by on 12. Mai 2013

Es ist Weihnachtszeit in Schleswig-Holstein. Kommissar Klaus Borowski (Axel Milberg) und Kollegin Sarah Brandt (Sibel Kekilli) feiern gerade Julklapp – die norddeutsche Variante des Wichtelns – im Polizeikommissariat. Zeitgleich wird im nicht weit entfernten Schleswig ein grausamer Mord vorbereitet und ausgeführt: Beim Lucia-Umzug an einer dänischen Schule steht plötzlich ein Mann lichterloh in Flammen. Zufälligerweise ist auch Kriminalrat Schladitz (Thomas Kügel) anwesend und wird Zeuge dieses Verbrechens an dem Ort, an dem der gewissenhafte Schladitz seine Kindheit verbrachte.

Borowski und der brennende Mann - Tatort Kiel

Borowski und der brennende Mann – Tatort Kiel / Bild: NDR/Marion von der Mehden

Das Opfer ist schnell ermittelt. Bei dem Toten handelt es sich um Schulleiter Michael Eckart. Er war zudem Mitglied der dänischen Minderheit in Schleswig-Holstein. Für die Ermittler deuten die Spuren auf einen Mord aus dem direkten Umfeld des Schulleiters hin. Doch dann ist es letztendlich Kommissar Borowski, der auf ein Geheimnis stößt, dass bis in die Nachkriegszeit zurückreicht. Zudem werden die Kieler Ermittler von der hochmotivierten Südschleswiger Kommissarin Einigsen (Lisa Werlinder) unterstützt, die mit vollem Eifer ihren allerersten Mordfall aufklären möchte.

Gerade als die Ermittlungen in geordneten Bahnen verlaufen, überschlagen sich die Ereignisse. Schladitz wird zusammen mit Brandt in einen Autounfall verwickelt und wusste offenbar Details über den Toten, den er den Ermittlern vorenthielt. Und Borowski stellt fest, dass auch Kollegin Brandt nicht mit allen Informationen über den Ermittlungsstand herausgerückt ist. Der Kommissar ist unsicher, wem er in dieser Geschichte überhaupt noch zu vertrauen kann. Es entwickelt sich ein Fall, bei dem Vertraute und Vertrauen zu einem elementaren Bestandteil werden…

Sebastians Bewertung: ★★★★★★★★★☆
Im neuen Kieler Tatort „Borowski und der brennende Mann“ ermittelt neben Hauptkommissar Klaus Borowski (Axel Milberg) und Kollegin Sarah Brandt (Sibel Kekilli) die Schleswiger Kollegin Einigsen (Lisa Werlinder). Der Fall führt die Ermittler weit zurück in Ereignisse der 60iger Jahre. Die Handlung wirkt insgesamt sehr schlüssig und hält nach einigen etwas langatmigeren Passagen ein packendes Finale für den Zuschauer bereit.

Schauspielerisch haben die Darsteller eine solide Leistung abgeliefert, in so manchen Dialogen zwischen Borowski und Brandt wäre allerdings noch Potenzial gewesen. Technisch kommen vor allem hohe Kontraste mit hellen Farben zum Einsatz, die so die kalte Atmosphäre zwischen den Darstellern und in der Handlung unterstreichen. Musik kommt nicht zum Einsatz. Stattdessen unterlegen Soundeffekte die Szenen und sorgen so für eine noch spannendere Atmosphäre.

Insgesamt ist dem NDR mit „Borowski und der brennende Mann“ ein starker, kalter, eben einfach skandinavischer Tatort gelungen. Den jüngeren Kieler Produktionen ist immer deutlicher die Verbundenheit von Milberg mit dem Genre des Schwedenkrimis anzumerken. Eine Eigenart in der Tatort-Landschaft, die der Reihe insgesamt nur gut tut und sich so wirklich vom Einheitsbrei abhebt. Noch dazu wird der Kieler Tatort von erstklassigen Darstellern und fortwährend soliden Büchern geprägt. Wenn doch nur jeder Tatort so spannend wäre…

Majas Bewertung: ★★★★★★★★★☆
Die Kieler schaffen es doch immer wieder einen auf ganzer Linie gelungenen Tatort abzuliefern und da können sich andere Teams – sowohl Schauspieler als auch Produzenten und Mitwirkende – eine große Scheibe abschneiden. Ein brennender Mann, eine Brandstiftung die Jahrzehnte zurückliegt, ein Stück Lokalpolitik in Schleswig-Holstein und Vertrauen bzw. Vertrauensbrüche kommen im Tatort “Borowski und der brennende Mann” vor. Hauptkommissar Klaus Borowski (Axel Milberg) tritt auch in dieser Folge professionell auf und kann mit seiner gelassenen Art die Zuschauer überzeugen. Er lässt sich so schnell nicht aus der Ruhe bringen und bleibt in jederlei Hinsicht auf dem Teppich. Ganz im Gegenteil zu seiner Professionalität ist seine junge Kollegin Sarah Brandt (Sibel Kekilli) nicht immer ganz ehrlich. Doch im Grunde gibt Brandt alles um die Aufklärungsarbeiten voranzutreiben und ihre Kollegen zu unterstützen. Deshalb kann man ihr wohl verzeihen. Einige grausame Bilder brennender bzw. verbrannter Menschen gehören wohl zu einem gelungenen Krimi dazu.

Die wunderschöne Winterlandschaft mag man – immernoch auf den Sommer wartend – so gar nicht sehen. Musiktechnisch gab es keine Besonderheiten und auch die Kamera konnte nicht mit außergewöhnlichen Einstellungen oder Perspektiven aufwarten. Muss auch nicht sein, denn wie uns der NDR heute beweist, lässt sich ein wirklich guter Tatort mit einer möglichst realistischen Handlung, mit der ganzen Portion Spannung und mit überzeugenden Schauspielern umsetzen.

Sendeinformationen
Sendelänge – 85:38
Drehbuch – Daniel Nocke
Regie – Lars Kraume
Erstsendung – 12.5.2013
Produktionssender – NDR
Arbeitstitel – Borowski und die Dänen
Produktionsfirma – Nordfilm GmbH
Drehort – Kiel, Schleswig und Umgebung, A. P. Møller-Skolen in Schleswig
Bildformat – 16:9
Redaktion – Sabine Holtgreve

Besetzung
Hauptkommissar Klaus Borowski – Axel Milberg
Sarah Brandt – Sibel Kekilli
Kriminalrat Roland Schladitz – Thomas Kügel
Kriminaltechniker Ernst Klee – Jan Peter Heyne
Kommissarin Einigsen – Lisa Werlinder
Anja Jürgensen – Johanna Gastdorf
Herr Kviesgaart – Peter Mygind
Brandermittler Luth – Hans Peter Hallwachs
Jan Melcher – Michael Schenk
Susanne (Schladitz´ Tochter) – Lisa Hagmeister
Schladitz´ Tochter – Corinne Blatter
Frau Simonsen – Lisa Karlström
Jochen Auer – Henry Schultze
N.N – Maike Bollow
N.N – Albrecht Ganskopf
N.N – Gert Schaefer
N.N – Bettina Andresen
N.N – Junis Marlon
N.N – Annette Uhlen
N.N – Thomas Mehlhorn

Stab
Assistent der Set-AL – Eric Overheu
Aufnahmeleitung – Muriel Amstalden
Außenrequisite – Henriette Dallemann
Baubühne – Gerald Gustav
Baubühne – Harry Bollhöfener
Besetzung/Casting – Heta Mantscheff
Best Boy – Olaf Maack
Bildtechnik – Henning Sanken
Continuity – Birgitt Dorny
Erster Aufnahmeleiter – Christoph Heitmann
Fachberatung – Winfred Tabarelli
Garderobe – Sarah Beckmann
Garderobe – Lydia Vetter
Garderobe – Annika Brose
Herstellungsleitung – Jan Michael Kremer
Innenrequisite – Meike Pauly
Kamera – Jens Harant
Kameraassistenz – Moritz Müller
Kameraassistenz – Philipp Schöttner
Kameraassistenz – Philipp Dönch
Kameraassistenz – Jaro Spana
Kamerabühne – Andreas Frey
Kostümbildassistenz – Silke Schäfer
Kostüme/Kostümbild – Karin Lohr
Lichtassistenz – Karim Bardi
Location Scout – Philipp Pemöller
Maske/Maskenbildner – Antje Bockeloh
Maske/Maskenbildner – Jens Holstein
Maske/Maskenbildner – Christine Rose
Mischtonmeister – Matthias Plischke
Motivaufnahmeleitung – Philipp Pemöller
Motivaufnahmeleitung – Hagen Diercksen
Musik/Filmkompositionen – Julian Maas
Musik/Filmkompositionen – Christoph M. Kaiser
Oberbeleuchter – Michael Herrmann
Producer – Holger Ellermann
Produktionsassistenz – Sonja Meyer
Produktionsfahrer – Daniel König
Produktionsfahrer – Claus Tyralla
Produktionsfahrer – Marc Lehmann
Produktionsleitung – Patrick Brandt
Produktionsleitung – Daniel Buresch
Produzent – Kerstin Ramcke
Regieassistenz – Christine Rogoll
Regieassistenz – Rick Ostermann
Requisite – Hannah Schlein
Schnitt – Benjamin Hembus
Standfotografie – Marion von der Mehden
Steadicam – Heinz Wehsling
Stunt Koordination – Rainer Werner
Stunts – Armin Sauer
Szenenbild – Isolde Rüter
Szenenbildassistenz – Maren Dostal
Ton/Filmtonassistenz – Henning Krutein
Ton/Filmtonmeister – Jörg Krieger
Videooperator – Fabio Spitzenberg

Weitere Meinungen und Rezensionen

Stern.de: Borowski hat in diesem sehenswerten “Tatort” endlich seine spröde Behäbigkeit abgelegt, er wirkt wacher und agiler, das Zusammenspiel mit seiner Partnerin Sarah Brandt in ihrem sechsten gemeinsamen Fall kommt besser in Gang. Es geht um Vertrauen zwischen zwei Beamten. Kann ich mich auf den anderen verlassen?

Sueddeutsche.de: Allerdings streift dieser sehenswerte Tatort (Buch Daniel Nocke, Regie Lars Kraume) die lokalpolitischen Besonderheiten des nördlichen Bundeslandes nur und schwingt sich dann auf zu einer Philosophie über Vertrauen und Vertrauensbrüche. Die Geschichte ist, was Stimmung, Licht und Tiefgründigkeit angeht, eher skandinavisch angelegt, es liegt Schnee, auch auf der Seele des Kommissars.

Spiegel.de: Schleswig-Holstein liegt in “Borowski und der brennende Mann” jedenfalls kalt da, und auch das Verhältnis zwischen Milberg und Kekilli wirkt wie eingefroren. Bewegung kommt nur ins Spiel, wenn die dänische Ermittlerin vor Ort (…) auf der Bildfläche erscheint. Ein Licht im Winter. Mit entwaffnender skandinavischer Offenheit treibt sie den alten Klemmi Borowski vor sich her.

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