Borowski und der freie Fall – Tatort Kiel – Folge 846

by on 14. Oktober 2012

Vor genau 25 Jahren ist der damalige Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, Uwe Barschel, tod in einem Hotelzimmer in Genf aufgefunden worden. Sein mysteriöser Tod ist bis heute nicht vollständig aufgeklärt und es gibt etliche Verschwörungstheorien rund um den Tod des CDU-Politikers. Nun versucht sich Regisseur Eoin Moore im Tatort “Borowski und der freie Fall” an der Affäre Barschel.

Borowski und der freie Fall - Tatort Kiel

Borowski und der freie Fall – Tatort Kiel / Bild: NDR/Marion von der Mehden

Der bekannte Romanautor Dirk Sauerland wird tot auf seinem Boot aufgefunden. Er arbeitete anscheinend an einer brisanten Enthüllungsgeschichte, was die beiden Kommissaren schnell dazu veranlasst von Mord zu sprechen. Klaus Borowski (Axel Milberg) und seine Kollgin und Assistentin Sarah Brandt (Sibel Kekilli) erfahren bald von Sauerlands Ex-Frau Ulla Jahn (Marie-Lou Sellem), dass der Tote schwul war und ein Doppelleben führte. Seine Beziehung zum Landespolitiker Karl Martin von Treunau (Thomas Heinze) sollte unter keinen Umständen ans Licht kommen. Doch welche Gründe gibt es dafür? Als Kriminalkommissar Borowski alte Fotos aus den 1980er Jahren entdeckt gibt es plötzlich eine Spur, die die Ermittler in die Zeitgeschichte katapultiert, denn vor 25 Jahren starb Uwe Barschel in Genf. Dirk Sauerland scheint damals ebenfalls vor Ort gewesen zu sein. Nun stellt sich für die Kieler Ermittler die Frage, ob der Fall von damals mit Sauerlands Tod zu tun hat. Borowski selbst war damals ein junger Polizist, der sich im Fall Barschel einige Karrierepunkte erwarben konnte und nun eher skeptisch reagiert. Brandt dagegen war ein kleines Mädchen, kann sich kaum an die politische Affäre erinnern und arbeitet nun umso fleißiger an Recherchen und Aufklärungsarbeiten. Auf einmal taucht auch noch ein Zeuge in Genf auf und der Fall wendet sich…

Sebastian konnte den Kieler Tatort “Borowski und der freie Fall” bereits vor zwei Wochen im Rahmen des Filmfest Hamburg sehen und berichtete sozusagen hautnah von der Premiere.

Sebastians Bewertung: ★★★★★★★★☆☆
Im neuen Kieler „Borowski und der freie Fall“ führt der Mord an einem Unternehmer die Kommissare Klaus Borowski (Axel Milberg) und Sarah Brandt (Sibel Kekilli) nach 25 Jahren erneut zu dem noch immer nicht ganz aufgeklärten “Fall Barschel“. Schauspielerisch können in dieser Folge auch die starken Nebenrollen auf sich aufmerksam machen: Thomas Heinze vermittelt in der Rolle des Karl Martin v. Treunau glaubwürdig die Unsicherheiten eines homosexuellen Landespolitikers und Marie-Lou Sellem wickelt als selbstbewusstes Anne-Will-Double eine Menge Staub auf.

Die Handlung kommt nicht gerade mit einem sensationell zügigem Erzähltempo daher, kann aber die Spannung fast durchgehend aufrecht erhalten. Die Geschichte wird sehr gut und realitätsnah vorgebracht, selbstverständlich ohne in den echten „Fall Barschel“ nachhaltig einzugreifen. Auch der norddeutsche (irische) Humor kommt nicht zu kurz, Regisseur und Autor Eoin Moore hat dafür persönlich Sorge getragen. Mit einer gehörigen Portion Akribie wurden die real existenten Handlungsorte der Vergangenheit nachgestellt und wunderbar in Szene gesetzt. Die Kamera hat durchaus Kinoformat, wobei in der Bildsprache kalte Farben stets dominieren. Die Dialoge werden mit schnellen Schnitten künstlich verkürzt.

Insgesamt ist dem NDR mit „Borowski und der freie Fall“ ein guter, aber zugegeben schwieriger Tatort gelungen. Der etwas fehlende Drive wird durch Atmosphäre wettgemacht, die Darsteller überzeugen auf ganzer Linie. Es bleibt letztendlich eine Frage des Geschmacks, ob die Verquickung von Realität und Fiktion für einen Tatort – und nicht zuletzt dem Zuschauer – angemessen ist. Vor allem, da viele andere Projekte an dieser Hürde grandios scheiterten, ist die Leistung gar nicht hoch genug anzuerkennen. Für mich sind das in Summe 8 starke Punkte für einen sehr gewagten Tatort.

Majas Bewertung: ★★★★★★★★☆☆
Borowski ermittelt im Fall Barschel und dringt mit dem Tatort “Borowski und der freie Fall” in eine bisher ungelöste politische Affäre ein, die bereits 25 Jahre zurückliegt. Respekt. Kriminalhauptkommissar Klaus Borowski (Axel Milberg) ist der alte Hase unter den Ermittlern, er ist meistens ruhig und gelassen und ihn bringt so schnell nichts auf die Palme. So auch in diesem Fall. Gänzlich anders gestrickt ist seine junge Kollegin Sarah Brandt (Sibel Kekilli). Leider wirken ihre Schauspielkünste oft laienhaft, vielleicht aber passend zur Rolle als Kommissarsanwärterin, der etwas Naivität ins Gesicht geschrieben steht. Trotzdem passen die beiden wirklich gut zueinander und geben nach wie vor ein interessantes Ermittler-Duo ab. Streitigkeiten bleiben nicht aus und bringen Schwung in die Ermittlungen, die an einigen Stellen zu stocken drohen.

Mit mehr oder weniger Phantasie kann man wohl einige Parallelen zu aktuellen Politikern ziehen, doch will ich auf diesen Punkt gar nicht eingehen. Neben dem Barschel-Tod geht es um Macht und Homosexualität in der Politik. Es geht um Privatspäre, die schnell keine mehr ist, wenn man im politischen Blitzlichtgewitter steht. Positiv erwähnt werden muss auf jeden Fall Marie-Lou Sellem, die ihre Rolle als Fernsehmoderatorin Ulla Jahn sehr authentisch spielt. Übrigens spielte Sellem seit 1998 in fast zehn Tatort-Folgen unterschiedlicher Regionen mit.

Insgesamt war es ein schwieriges Unterfangen sich an den Fall Barschel heranzuwagen und in die Zeitgeschichte einzudringen. Doch hat der NDR mit Regisseur Eoin Moore den Tatort “Borowski und der freie Fall” wirklich gut gemeistert. Der Fall selbst ist weitesgehend plausibel aufgebaut und umgesetzt und verdient aus diesem Grund 8 Sterne.

Sendeinformationen
Sendelänge – 88:30
Drehbuch – Fred Breinersdorfer, Eoin Moore
Regie – Eoin Moore
Idee – Eoin Moore
Erstsendung – 14.10.2012
Produktionssender – NDR
Produktionsfirma - Nordfilm GmbH
Arbeitstitel – Borowski und der blinde Passagier
Drehort – Kiel, Rellingen, Genf
Bildformat – 16:9
Redaktion – Sabine Holtgreve

Besetzung
Hauptkommissar Klaus Borowski – Axel Milberg
Kommissarsanwärterin Sarah Brandt – Sibel Kekilli
Roland Schladitz – Thomas Kügel
Kriminaltechniker Ernst Klee – Jan Peter Heyne
Karl Martin v. Treunau (Landespolitiker) – Thomas Heinze
Ulla Jahn – Marie-Lou Sellem
Redaktionsleiter – Herbert Trattnigg
Frau von Treunau – Christina Große
Malev – Armando Dotto
Fotograf Graf – Marc Hetterle
N.N – Joachim Lautenbach
N.N – Finn Honold
Fabian von Treunau – Adrian Moore
N.N – Hans-Jörg Frey
N.N – Badasar Calbiyik
Sekretärin – Ingrit Dohse
Pförtner – Harald Burmeister
N.N – Paul Maaß
als Gast – Tom Buhrow

Stab
2nd Unit Kamera – Ines Thomsen
Assistent der Set-AL – Tim Viakofsky
Assistent der Set-AL – Eric Overheu
Außenrequisite – Kim Porr
Beleuchter/Beleuchtungstechnik – Kay Möller
Besetzung/Casting – Marion Haack
Best Boy – Martin Lieckfeld
Erster Aufnahmeleiter – Christoph Heilmann
Fachberatung – Winfried Tabarelli
Garderobe – Sarah Beckmann
Garderobe – Frederike Wyrwol
Herstellungsleitung – Jan Michael Kremer
Kamera – Jana Marsik
Kameraassistenz – Thomas Stührk
Kameraassistenz – Timmi Davis
Kamerabühne – Claus Gerling
Kamerabühne – Marina Riemer
Kostümbildassistenz – Silke Schäfer
Kostüme/Kostümbild – Karin Lohr
Lichtassistenz – Karim Bardi
Location Scout – Hagen Diercksen
Montage – Antje Zynga
Motivaufnahmeleitung – Philipp Pemöller
Musik/Filmkompositionen – Wolfgang Glum
Musik/Filmkompositionen – Werner Poland
Musik/Filmkompositionen – Kai Uwe Kohlschmidt
Oberbeleuchter – Benjamin Dreythaller
Producer – Holger Ellermann
Produktionsassistenz – Sonja Meyer
Produktionsfahrer – Daniel König
Produktionsleitung – Patrick Brandt
Produktionsleitung – Daniel Buresch
Produzent – Kerstin Ramcke
Regieassistenz – Madgar Hische
Standfotografie – Marion von der Mehden
Steadicam – Florian Klos
Stunt Koordination – Thomas Bloem
Szenenbild – Annette Lofy
Ton/Filmtonmeister – Torsten Többen
Ton/Filmtonmeister – Thomas Vosseler
Videooperator – Tjark Lienke

Weitere Meinungen und Rezensionen

Abendblatt.de: “Jede neue Spur im Fall Barschel hat bislang nur weitere Fragen aufgeworfen und eine Klärung des Falls nur noch unwahrscheinlicher gemacht. Daran ändert auch dieser ungewöhnliche, faszinierende und dicht erzählte “Tatort” nichts, der sich bei aller dichterischen Freiheit an die juristisch wasserdichten Fakten hält und selbstredend im Fall des toten Romanschreibers pünktlich zum Abspann einen Mörder präsentieren kann, nicht aber in der Barschel-Affäre.”

Spiegel.de: “Tohuwabohu um Uwe Barschel, Tom Buhrow und Kommissar Borowski: Im Kieler “Tatort” geht es um den mysteriösen Politikertod vor 25 Jahren. Versatzstücke aus der Medien-Realität sollen den Verschwörungsthriller so aussehen lassen, als würde der Fall wahrhaftig neu aufgerollt.”

Quotenmeter.de: “Am Schluss sind erwartungsgemäß mehr Fragen offen als zuvor, während man auf eine realistische Darstellung verglichen mit anderen Folgen jedoch einen relativ großen Wert legt. Die Auflösung, auch wenn sie von Beginn an ziemlich vorhersehbar ist, ist dagegen nicht unklug, da sie einen Großteil der erzählerischen Bögen logisch schließen kann, wenn auch verständlicherweise ohne im Fall Barschel zu einer Conclusio kommen zu können.”

Freitag.de: “Lustig ist die Geschichte, wo sie Ähnlichkeiten herstellt, die sie nicht sucht: Also nicht Barschel und Genf vor 25 Jahren, sondern Gegenwart.”

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