Die Wahrheit stirbt zuerst – Tatort Leipzig – Folge 877

by on 16. Juni 2013

Die Leipziger Hauptkommissare Eva Saalfeld (Simone Thomalla) und Andreas Keppler (Martin Wuttke) werden schon am frühen Morgen zu einem Waldsee gerufen. Vor Ort erfahren sie, dass in einem Boot das siebenjährige Mädchen Amelie Albrecht tot aufgefunden worden ist. Ihre Mutter Paula Albrecht (Anne Ratte-Polle) wurde bereits informiert und ist verzweifelt zum Tatort geeilt. Sofort beschuldigt sie ihren Mann Peter (Pasquale Aleardi) – von dem sie seit einiger Zeit getrennt lebt – für den Tod des Kindes verantwortlich zu sein. Amelie war die letzten Tage in seiner Obhut. Paula befürchtet, dass er die gemeinsame Tochter ermordet hat, weil er es nicht ertragen konnte, dass sie mit Amelie und ihrem neuen Lebensgefährten Johannes Bittner (Bernhard Schir), in Kürze nach Kairo ziehen will.

Die Wahrheit stirbt zuerst - Tatort Leipzig

Die Wahrheit stirbt zuerst – Tatort Leipzig / Bild: MDR/Saxonia Media/Junghans

Schon kurz darauf wird auch Amelies Vater Peter ganz in der Nähe des Tatorts gefunden. Er hat sich die Pulsadern aufgeschnitten, den Suizidversuch aber bis zum Auffinden überlebt. Für die Ermittler deutet alles sofort darauf hin, dass Peter Albrecht erst seine Tochter getötet hat und danach sich selbst umbringen wollte. Bei der Obduktion wird festgestellt, dass Amelie unter Asthma litt und ihr Tod durch Ersticken eingetreten ist. Als Keppler ein volles Asthmaspray im Handschuhfach von Albrechts Auto findet, stellt sich die Frage, ob Peter Albrecht seinem Kind die dringend benötigte Medizin absichtlich vorenthalten hat. Doch so einfach soll sich der Fall dann doch nicht lösen lassen!

Überraschend meldet sich eine Kollegin vom BKA bei Keppler und fordert Amtshilfe. Linda Groner (Katja Riemann) ist eine Ex-Freundin Kepplers. Sie will in die Ermittlungen eingebunden werden, denn Johannes Bittner wird seit längerer Zeit vom BKA wegen illegaler Auslandsgeschäfte überwacht. Die Muschelkette, die bei der ermordeten Amelie lag, trägt seine Fingerabdrücke. Die Vermutung liegt nahe, dass ihm das Kind bei seinen Zukunftsplänen mit Paula in Ägypten im Weg stand. Die hartnäckige Suche nach der Wahrheit, bei der sie immer wieder von Linda Groner gestört werden, führt die Kommissare schließlich zum Täter.

Sebastians Bewertung: ★★★★★★☆☆☆☆
Der neue Leipziger Tatort “Die Wahrheit stirbt zuerst” führt die Ermittler Eva Saalfeld (Simone Thomalla) und Andreas Keppler (Martin Wuttke) an Orte der gemeinsamen Erinnerung, die zum Schauplatz eines grausamen Kindsmordes geworden sind. Zudem mischt sich das BKA um Kepplers Ex-Liebschaft Linda (Katja Riemann) in die Ermittlungen ein. Der Plot ist im Grunde spannend angelegt, kann aber den Bogen nicht wirklich spannen und verfängt sich in zu vielen, kleinteiligen Episoden und kann deshalb nicht überzeugen.

Schauspielerisch passen sich Haupt- und Nebenrollen gleichermaßen des eiskalten Themas an. Selbst in emotionalen Dialogen bleibt es merklich unterkühlt. Erst gegen Ende taut die Szenerie auf, hier trägt Katja Riemann maßgeblich dazu bei. Die Kamera setzt auf Nahaufnahmen und mittellange Sequenzen, die ein taktvolles Erzähltempo ermöglichen. Auch technisch wird auf helle Farben und mit bläulichem Schimmer gesetzt, um die Atmosphäre zu unterstützen. Musikalisch kommen symphonische Effekte, Klavier- und Tangothemen zum Einsatz.

Insgesamt ist dem MDR mit “Die Wahrheit stirbt zuerst” ein solider Tatort gelungen, der sich leider zu oft in der Lebensmelancholie der Ermittler verfängt. So helfen auch keine schneebedeckten Landschaften des Leipziger Umlands und keine Klaviersonaten, um aus dieser Folge noch etwas wahrhaftiges herauszuholen. Das eiskalte Dilemma um die Familie und den Kindsmord schwingt am Ende in die allumfassende Weltenrettung um, die für diesen Tatort eigentlich gar nicht nötig gewesen wäre. Für die nächste Folge wünsche ich mir wieder mehr Tatort und weniger Saalfeld-Keppler-Romantik.

Majas Bewertung: ☆☆☆☆☆☆☆☆☆☆
Maja weilt leider im wohlverdienten Urlaub und rezensiert deshalb heute nicht.

Sendeinformationen
Sendelänge: 87:48
Drehbuch – Miguel Alexandre, Harald Göckeritz, André Georgi
Regie – Miguel Alexandre
Erstsendung – 16.6.2013
Produktionssender – MDR
Arbeitstitel – Der Omega-Virus
Produktionsfirma – Saxonia Media
Drehort – Leipzig und Umgebung
Bildformat – 16:9
Redaktion – Sven Döbler

Besetzung
Hauptkommissarin Eva Saalfeld – Simone Thomalla
Hauptkommissar Andreas Keppler – Martin Wuttke
Wolfgang Menzel (Kriminaltechniker) – Maxim Mehmet
Dr. Johannes Reichau (Gerichtsmediziner) – Kai Schumann
BKA-Beamtin Linda Groner – Katja Riemann
Paula Albrecht – Anne Ratte-Polle
Peter Albrecht – Pasquale Aleardi
Johannes Bittner – Bernhard Schir
David Roth – Marc Ben Puch
Reinhard Pelzer – Martin Reik
Staatsanwalt Diekmann – Peter Benedict
Schmitz – Dieter Jaßlauk

Stab
2nd Unit Kamera – Katharina Dießner
Assistent der Set-AL – Karsten Christoph
Aufnahmeleitung – Jörg Dowidat
Besetzung/Casting – Ines Rahn
Bühnenbild – Tina Lea Künnemann
Continuity – Nina Kötter
Digitaleffekte – Christian Kuß
Garderobe – Anja Lorenz
Garderobe – Gabriela Hans
Grafik – Janusz Sisik
Herstellungsleitung – Petra Mirus
Kamera – Miguel Alexandre
Kamerabühne – Tina Lea Künnemann
Kameraassistenz – Stephan Schöbel
Kameraassistenz – Martin Erbe
Kostümbildassistenz – Simone Steffin
Kostüme/Kostümbild – Aenne Plaumann
Maske/Maskenbildner – Wolfgang Lienig
Maske/Maskenbildner – Anke Saboundjian
Maske/Maskenbildner – Markus Scharping
Mischung – Hans Köllnig
Mischung – Bernd Göbel
Musik/Filmkompositionen – Dominic Roth
Oberbeleuchter – Ki Bun Wedemann
Postproduktion – Isabel Hildebrandt
Produktionsassistenz – Jenny Helch
Produktionsfahrer – Sebastian von Merveldt
Produktionsleitung – Ulrike Zirzow
Produzent – Jan Kruse
Regieassistenz – Jannis Skalieris
Requisite – Ingo Dathe
Requisite – Christoph Stehr
Schnitt – Tobias Forth
Set Runner – Richard Lamprecht
Set-Aufnahmeleitung – Fritzie Schmidt
SFX – Frank Noack
Szenenbild – Matthias Friedrich
Szenenbildassistenz – Konstanze Siegemund
Ton/Filmtonmeister – Ralf Herrmann
Ton/Filmtonmeister – Jens Müller

Weitere Meinungen und Rezensionen
DerWahlberliner: “Die Warhheit stirbt zuerst” ist bereits der 16. Tatort der beiden, die 2007 / 08 gestartet waren und wird uns im langsam warmlaufenden Sommer ein Kontrastprogramm bieten, denn er wurde bei eisigen Temperaturen gedreht und wir werden sehen, ob es uns kalt überläuft, angesichts des Dramas, auf das wir uns einstellen dürfen.

Berliner-Zeitung.de: Doch leider hält der MDR-Krimi seinen klaren visuellen Stil nur im ersten Viertel des Films durch. Sobald die Kommissare und Kriminaltechniker wieder in Leipzig sind, beginnt das übliche „Tatort“-Allerlei. Drei Drehbuchautoren haben sich diesmal eingebracht – ohne zu einem schlüssigen Ganzen zu kommen.

Sueddeutsche.de: Nichts spricht dagegen, das Privatleben der Kommissare behutsam mit dem Fall zu verweben, in Bremen hat das gerade sehr gut funktioniert. In Leipzig wirkt alles konstruiert. Natürlich ist Keppler einer dieser Womanizer, die so hinreißend sind, weil ihnen die Wirkung ihres Womanizertums nicht mal bewusst ist – aber dass er mit sämtlichen Ermittlerinnen was laufen hatte, ist nur mit sehr gutem Willen zu glauben.

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