Dinge, die noch zu tun sind – Tatort Berlin – Folge 850

by on 18. November 2012

Im neuen Berliner Tatort “Dinge, die noch zu tun sind” geht es um die Party- und Drogenszene in der Hauptstadt, in der die Designerdroge “Heaven” gerade schwer im Kommen ist. Plötzlich wird Christoph Gerhard (Stefan Kreißig), der Hersteller dieser Droge, ermordet und die beiden Kriminalhauptkommissare Till Ritter (Dominic Raacke) und Felix Stark (Boris Aljinovic) beginnen die Ermittlungen. In diesem Fall werden sie von der Drogenfahnderin Melissa Mainhard (Ina Weisse) unterstützt, die sich im Party- und Drogenmilieu gut auskennt.

Dinge die noch zu tun sind Tatort Berlin

Dinge, die noch zu tun sind – Tatort Berlin / Bild: rbb/Volker Roloff

Viele offene Fragen müssen geklärt werden, denn es stellt sich schnell heraus, dass der Computer von Christoph Gerhard nicht mehr aufzufinden ist. Auf der Festplatte war auch die Anleitung zur Herstellung der Droge gespeichert und es ist möglich, dass der Mörder bereits die Designerdroge herstellt und die Geschäfte fortführt. Auffällig ist, dass der Partner des Toten, Dirk Regler (Barnaby Metschurat), bereits hohe Beträge vom Geschäftskonto auf die Kanalinseln überführt. Doch auch Ivo Kaminski (Gerdy Zint) gerät ins Visier der Berliner Ermittler, denn er ist als Zwischenhändler und Kurier auffällig geworden. Und dann gibt es noch den jungen Tom Hartmann (Leonard Carow), der jede Menge Geld zu haben scheint mit dem er umsich werfen kann. Die Kommissare Till Ritter und Felix Stark ermitteln weiter und finden heraus, dass ihre Kollegin Melissa, von der sie so tatkräftig unterstützt werden, schwerkrank ist. Melissa Mainhard hat zwei Kinder und ihre älteste Tochter steckt mitten in der Pupertät. Sie bereitet ihr große Sorgen. Anny (Johanna Ingelfinger) ist durch ihren Freund Tom mit Drogen in Kontakt gekommen und gerät immer tiefer ins Milieu, was ihre Mutter jedoch noch nicht weiß. Dann wird ein Phantombild von Tom herausgegeben, denn er wurde in der Mordnacht bei Gerhard gesehen. Daraufhin flieht Tom Hals über Kopf…

Der Tatort “Dinge, die noch zu tun sind” wird im Rahmen der ARD-Themenwoche “Leben mit dem Tod” vom 17. bis 23. November 2012 erstausgestrahlt.

Sebastians Bewertung: ★★★★★★☆☆☆☆
Im neuen Berliner Tatort „Dinge, die noch zu tun sind“ ermitteln die beiden Hauptkommissare nach dem Mörder eines Drogenchemikers. Der Fall führt Till Ritter (Dominic Raacke) und Felix Stark (Boris Aljinovic) in die Welt der Partydrogen. Ganz nebenbei wird mit Drogenfahnderin Melissa Mainhard (Ina Weisse) auch noch das Credo der ARD-Themenwoche („Sie werden sterben!“) platziert. Dabei ist es vor allem Ina Weisse, die schauspielerisch auftrumpfen kann und als todgeweihte Mutter, die krampfhaft versucht die Normalität zu wahren, dem Drogen-Tatort eine emotionale Seite gibt. Für die Handlung ist dies leider nicht förderlich, denn so leidet der Krimi sehr unter der Leidensgeschichte der Drogenfahnderin. In der Bildsprache dominieren dunkle Einstellungen. Die Kamera setzt häufig auf CloseUps und fängt damit das ganze Leid um Tod und Drogen ein. Tendenziell wird eher auf lange Sequenzen und wenige Schnitte gesetzt.

Leider muss man insgesamt konstatieren, dass die ARD-Themenwoche einen guten Krimi erfolgreich verhindert hat. Nicht, weil Ina Weisse eine großartige schauspielerische Leistung abgeliefert hat, sondern weil die Handlung einfach in den Krimi hereingedrückt wirkt und den Blick auf das Wesentliche versperrt. Die Berliner Partydrogenszene und eine sehr persönliche Sterbegeschichte sind einfach zu viel für 90 Minuten. Und eine Sache noch, liebes Berliner Tatort-Team: Es ist ja schön, dass ihr Berlin als weltoffene, kreative Stadt präsentieren wollt. Aber wenn ihr mit der Ausstattung eine fast 100%ige Hipster-Quote unter den Nebenrollen und Statisten hinlegt, werden die Zuschauer Berlin bald nur noch für eine Stadt voller Narren halten. Ganz ohne Karneval.

Majas Bewertung: ★★★★★☆☆☆☆☆
Im Berliner Tatort “Dinge, die noch zu tun sind” geht es um die Designerdroge “Heaven”, deren Hersteller tot aufgefunden wird. Um den Mord herum spannt sich ein Netz aus drogensüchtigen pubertierenden Jugendlichen, die immer weiter ins Milieu abrutschen. Die Hauptkommissare Till Ritter (Dominik Raacke) und Felix Stark (Boris Aljinovic) sind den halbstarken Jugendlichen kaum gewachsen. Ermitteln so wirklich Hauptstadtkommissare? Doch sowohl den beiden Kommissaren als auch der Drogenfahnderin Melissa Meinhard (Ina Weisse) kann man eine solide Arbeit attestieren. Trotz etlicher Höhen und Tiefen sind die Schauspieler ihren Rollen gewachsen und spielen – dem Fall entsprechend – überzeugend. Positiv anzumerken ist außerdem, dass Ritter und Stark keine ständigen privaten Techtelmechtel oder sonstigen Problemchen haben. Die beiden wirken eher wie ein altes Ehepaar, dass sich auf ganzer Linie ergänzt. Lediglich Melissa Meinhard ist mit Problemen gesegnet, denn sie selbst klebt sich Morphiumpflaster gegen ihre Schmerzen auf die Haut und leidet an Krebs. Ihre älteste Tochter steht auf der Kippe in den Drogensumpf.

Insgesamt scheint die Handlung doch sehr an den Haaren herbeigezogen, denn sie wirkt künstlich und die Szenen aneinandergereiht. Thematisch wird zwischen der Drogenszene und der totkranken Mutter hin- und hergependelt. Das Thema rund um den Tod bzw. den Umgang mit dem Tod kann nur angekratzt werden, was in einem Krimi wohl auch kaum anders möglich ist. Auch wenn der Tatort “Dinge, die noch zu tun sind” an der einen oder anderen Stelle mit Dramatik und Schnelligkeit punkten kann, können die wenigen Szenen den Fall kaum retten. Mittelmäßige 5 Punkte.

Sendeinformationen
Sendelänge – 88:30
Drehbuch – Jörg Tensing
Regie – Claudia Garde
Erstsendung – 18.11.2012
Produktionssender - RBB / ARD-DEGETO
Produktionsfirma - Wiedemann & Berg Television GmbH & Co. KG
Drehort – Berlin
Bildformat – 16:9
Redaktion - Josephine Schröder-Zebralla
Idee – Natja Brunckhorst

Besetzung
Hauptkommissar Till Ritter – Dominik Raacke
Hauptkommissar Felix Stark – Boris Aljinovic
Lutz Weber – Ernst-Georg Schwill
Melissa Mainhard (Drogenfahnderin) – Ina Weisse
Anny Mainhard – Johanna Ingelfinger
Noe Mainhard – Anna Wilecke
Dirk Regler – Barnaby Metschurat
Heiner Schädlich – Stephan Grossmann
Ivo Kaminski – Gerdy Zint
Tom Hartmann – Leonard Carow
Christoph Gerhard – Stefan Kreißig
Beamter Holger – Achim Langer
N.N – Rosa Enskat
N.N – Enno Trebs

Stab
2nd Unit Kamera – Alexander von Wasielewski
Assistent der Set-AL – Valerie Klapproth
Beleuchter/Beleuchtungstechnik – Ronald Deter
Continuity – Michael Reinhardt
Digital Colorist – Roland Murrer
Erster Aufnahmeleiter – Theo Leipert
Filmgeschäftsführung – Wolfgang Rhaden
Garderobe – Nadine Wäldchen
Grafik – Peter Wolf
Herstellungsleitung – David Vogt
Herstellungsleitung – Maren Bouwer
Innenrequisite – Wolfgang Wilmes
Kamera – Philip Peschlow
Kameraassistenz – Timothy Sedgwick
Kameraassistenz – Sebastian Hahn
Kameraassistenz – Oliver Leutnecker
Komparserie – Claudia Ferse
Kostümbildassistenz – Tina Eckhoff
Kostüme/Kostümbild – Petra Kray
Maske/Maskenbildner – Andrea Allroggen
Motivaufnahmeleitung – Bastian Rabe
Musik/Filmkompositionen – Colin Towns
Oberbeleuchter – Stephan Novotny
Postproduktion – Daniel Rohm
Producer – Nanni Erben
Produktionsassistenz – Sue Hetzinger
Produktionsfahrer – Andreas Bartel
Produktionskoordination – Daniel Rohm
Produktionsleitung – Richard Wennemann
Produktionsleitung – Jürgen Radach
Produzent – Quirin Berg
Produzent – Max Wiedemann
Regieassistenz – Barbara Schubert
Regieassistenz – Katja Ginnow
Requisite – Frank Jauß
Requisitenfahrer – Mirko Reichwald
Schnitt – Claudia Wolscht
Schnittassistenz – Maria Frycz
Set Runner – David Scheler
Standfotografie – Volker Roloff
Szenenbild – Martina Brünner
Ton/Filmtonmeister – Angelo D´Angelico
Videooperator – Vicky Heienbrok

Weitere Meinungen und Rezensionen

Focus.de: “Wer Sitzfleisch hat, wird kurz überrascht sein, welche Dinge noch zu tun sind. Alle anderen nutzen den Abend, um sich die Haare zu färben. Es ergeht damit folgendes Urteil im Namen des Volkes: Der Fernseher bleibt aus. Der Angeklagte wird dazu verurteilt, bis zur Revision die Klappe zu halten….

DerWesten.de: “Plötzlich stehen größere Fragen im Raum und dieser zunächst so gewöhnlich anmutende “Tatort” wird dann doch noch sehr sehenswert und unkonventionell. Und am Ende, wenn der Abspann bereits gelaufen ist und es endlich nichts mehr “zu tun” gibt, müssen die Zuschauer sogar noch ein bisschen nachdenken. Ende gut, alles gut.”

Stadtneurotiker.org: “Ein Film muss nicht die Frage beantworten, ob man für Schmerzpatienten hilfreiche Morphine legalisiert. Er muss auch kein Ende präsentieren, bei dem man mit Tränen in den Augen allem zustimmt, sofern es den Anschein erweckt, das Gewissen zu beruhigen. Stattdessen empfiehlt es sich, den Handlungsstrang zu konzentrieren. Alles abzudecken und zu erklären, funktioniert nicht in 90 Minuten.”

VN:F [1.9.22_1171]
Jetzt diesen Tatort bewerten!
Bewertung: 6.0 von 10 (7 Bewertungen insgesamt.)
Dinge, die noch zu tun sind - Tatort Berlin - Folge 850, 6.0 out of 10 based on 7 ratings

{ 0 comments… add one now }

Leave a Comment

{ 1 trackback }

Previous post:

Next post: