Ein neues Leben – Tatort München – Folge 848

by on 28. Oktober 2012

Isabella (Nina Proll) und Sandra (Mina Tander) leiten eine Drückerkolonne, die angeblich Robbenbabys in Kanada vor dem Abschlachten rettet. Durch die hohe Arbeitslosigkeit haben sich auch Handwerker und Akademiker der Gemeinschaft angeschlossen, die mit hohen Provisionen schnelles Geld verdienen wollen. Die selbsternannten Tierschützer sind auf Erfolg getrimmt und so bestimmt auch Gier ihr tägliches Leben.

Ein neues Leben Tatort München

Ein neues Leben – Tatort München / Bild: BR/Bernd Schuller

In einem Münchner Waldstück wird in einem fast völlig ausgebrannten Auto eine männliche Leiche gefunden. Die beiden Hauptkommissare Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) und Ivo Batic (Miroslav Nemec) werden von Polizeianwärter Fechner (Maximilian Schafroth) bei den Ermittlungen unterstützt. Fechner erweist sich bei den Ermittlungen zwar als unentbehrlich, doch wird schnell klar, dass er zwei Gesichter hat.

Ivo Batic lässt der Fall nicht zur Ruhe kommen, denn er muss ständig an das grausam ermordete Opfer denken. Spontan bewirbt er sich bei der Dückerkolonne, um dort weitere Informationen zu kommen. Wenn auch nicht ganz legal, arbeitet Batic dann als verdeckter Ermittler und ist auch für seinen Kollegen Leitmayr nicht mehr erreichbar. Hinzu kommt, dass die Drücker und selbsternannten Tierschützer lieber unter sich sind und auch ihren Mitgliedern den Kontakt nach außen maßgeblich erschweren…

Die Idee zum Tatort “Ein neues Leben” hatte Drehbuchschreiber Fred Breinersdorfer bereits 1999. Allerdings sollte der Tatort damals in Ludwigshafen mit Kriminalhauptkommissarin Lena Odenthal alias Ulrike Folkerts gedreht werden und nicht in München. Doch auch das Team um Horst Schimanski arbeitete damals an einer Folge mit mit einem ähnlichen Thema rund um eine Drückerkolonne, weshalb die Dreharbeiten zu “Ein neues Leben” bzw. “Machtrausch” – so sollte der Tatort ursprünglich heißen – nie begannen. Vor zwei Jahren fiel Breinersdorfer sein “verlorener Fall” wieder ein, er schrieb ihn um und inszenzierte gemeinsam mit seiner Tochter den Münchner Tatort “Ein neues Leben”.

Sebastians Bewertung: ★★★★★★☆☆☆☆
Im neuen Münchner Tatort „Ein neues Leben“ dringen die beiden Münchner Kommissare Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) und Ivo Batic (Miroslav Nemec) tief in die Strukturen einer kriminellen Drückerkolonne ein. Die schauspielerische Leistung der Hauptdarsteller ist ausgesprochen gut. Die Rollen werden authentisch und mit viel Detailtreue dargestellt. Die Handlung ist leider sehr verworren und nicht einfach zu durchblicken, so dass der Zuschauer dem Geschehen mit einiger Konzentration folgen muss. Generell lebt „Ein neues Leben“ von der Spannung, ein klares Bild zeichnet sich aber selbst gegen Ende nicht. Kamera und Bild sind hohes TV-Niveau. Es dominieren metallische, kalte Farben. Die Ausstattung ist gut, auch wenn die Drückerkolonne etwas einfallslos in graue Anzüge gesteckt wird.

Insgesamt ist dem Bayrischen Rundfunk mit „Ein neues Leben“ ein durchschnittlicher Tatort nach solidem Handwerk gelungen. Abzüge gibt es für die sehr verworrene Handlung und die Vielzahl von Charakteren, die sich in der Kürze der Zeit gar nicht richtig entfalten können. Nach den letzten Enttäuschungen geht es mit dem Münchner Tatort nun zum Glück wieder langsam bergauf. Hoffen wir, dass sich der Trend fortsetzt.

Majas Bewertung: ★★☆☆☆☆☆☆☆☆
Die erste Szene im Münchner Tatort “Ein neues Leben” ist wahrlich grausam, denn ein Mann wird mit einem Strick um den Hals an einem fahrenden Auto mitgeschleift. Ein paar Tage später wird eine verkohlte Leiche in einem völlig ausgebrannten Auto aufgefunden. Dann beginnen die Ermittlungen von Ivo Batic und Franz Leitmayr, die schnell einer Drückerkolonne auf den Fersen sind. Von da an scheint der Fall in zweierlei Hinsicht aus dem Ruder zu laufen. Erstens schleust sich Batic auf eigene Faust bei den Drückern ein und bringt damit auch seine Kollegen bei der Kripo in Erklärungsnot. Zweitens wird die Story um diese Drückerkolonne unnötig in die Länge gezogen und lenkt vom eigentlichen Fall ab.

Fechner der Polizeianwärter ist ein Unsympath durch und durch und ein wenig tollpatschig noch dazu. Frisurtechnisch passt er jedoch perfekt in die Truppe der Lockenköpfe. Schauspielerin Nina Proll verkörpert eine unmögliche Rolle als Isabella und spielt sie noch nicht einmal gut. Wenigstens auf die beiden ermittelnden Kommissare Leitmayr und Batic ist Verlass, denn sie bringen ihre Leistung. Nicht hervorragend, aber glaubhaft. Die Folgen aus München sind gewöhnlich eher ruhig, was nicht zwangsläufig gegen einen guten Tatort spricht. Doch was das Münchner Tatort-Team heute abgeliefert haben, ging leider gar nicht. Eine aufgetrumpfte Geschichte, deren Szenen bzw. Handlungsstränge kaum zu einander passen geschweige denn nachvollziehbar sind.

Sendeinformationen
Sendelänge – 88:30
Drehbuch – Fred Breinersdorfer, Léonie-Claire Breinersdorfer
Regie – Elmar Fischer
Erstsendung – 28.10.2012
Produktionssender – BR/Telepool
Arbeitstitel – Ich geh’ über Leichen
Drehorte – München und Umgebung
Bildformat – 16:9
Redaktion – Claudia Simionescu

Besetzung
Hauptkommissar Ivo Batic – Miroslav Nemec
Hauptkommissar Franz Leitmayr – Udo Wachtveitl
Fechner – Maximilian Schafroth
Isabella – Nina Proll
Sandra – Mina Tander
Rupert Hoferer – Florian Karlheim
Vera – Anna Böger
Arman – Navid Akhavan
Anna Vollmer – Katharina Schubert
Frau Röper – Heide Ackermann
Matteo – Michael Morgenstern
Friedhelm Wader – Olaf Rauschenbach
Direktor Fellerer – Karl Knaup
Frau Madlinger – Cleo Maria Kretschmer
Jens – Jochen Stodthoff
Penner – Marius Borghoff

Stab
Aufnahmeleitung – Heike Schweiger
Außenrequisite – Sonja Möginger
Beleuchter/Beleuchtungstechnik – Benedikt Haas
Besetzung/Casting – Daniela Tolkien
Best Boy – Volker Langholz
Continuity – Dagmar Zeisberg
Dramaturgie – Gisela Weilemann
Filmgeschäftsführung – Susanne Weißenbach
Garderobe – Stefanie Katharina Müller
Herstellungsleitung – Stefanie von Lerchenfeld
Innenrequisite – Daniela Schwartz
Kamera – Frank Sthamer
Kameraassistenz – Robert Will
Kamerabühne – Reinhard Sprunck
Kamerabühne – Tino Heidenreich
Kostüme/Kostümbild – Katharina Ost
Licht – Christof Loeckle
Lichtassistenz – Ralph Keller
Maske/Maskenbildner – Mechthild Schmitt
Maske/Maskenbildner – Martine Flener
Mischung – Anton Vetter
Motivaufnahmeleitung – Matthias Schrauff
Musik/Filmkompositionen – Matthias Beine
Produktionsassistenz – Nora Vogel
Produktionsfahrer – Josef Reisner
Produktionskoordination – Nora Vogel
Produktionsleitung – Ulrike Hauff
Produzent – Harald Kügler
Produzent – Molly von Fürstenberg
Regieassistenz – Jörg Slotty
Requisitenfahrer – Axel Recht
Schnitt – Susanne Hartmann
Set Dresser – Julia Panholzer
Set-Aufnahmeleitung – Martin Hildebrand
Sounddesign – Friedrich M. Dosch
Standfotografie – Bernd Schuller
Stunt Koordination – Moritz Fischer
Stunt Koordination – Mac Steinmeier
Stunts – Robert Schenker
Szenenbild – Anette Ingerl
Ton/Filmtonmeister – Frank Hoyer

Weitere Meinungen und Rezensionen

Tagesspiegel.de: “Es fehlt diesem „Tatort“ schlichtweg eine glaubwürdige Haltung. Keine Figur wird mit einer Biografie versehen, so dass sie lebensnah und greifbar wirken könnte, auch und nachgerade Isabella und Sandra nicht, deren Motive für ihr eiskaltes, an die Grenzen des Sadismus stoßendes Verhalten ebenso im Dunkel bleiben, wie verschiedene Nebenstränge in der Handlung nicht auserzählt werden.”

DerWesten.de: “Der aktuelle Fall “Ein neues Leben” ist zwar etwas an den Haaren herbeigezogen und leider auch relativ durchschaubar, dem Charme der beiden Protagonisten tut das aber keinen Abbruch.”

Quotenmeter.de: “Spektakulär ist der neue Münchener «Tatort» wahrlich nicht. Eher solides Krimihandwerk mit einigen Defiziten und ohne die markanten Figuren oder individuellen Stimmungsfärbungen der Wiener, Dortmunder oder Münsteraner Kollegen. In diesen Tagen kann der «Tatort» deutlich mehr.”

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