Eine andere Welt – Tatort Dortmund – Folge 886

by on 17. November 2013

Die 16jährige Nadine Petzokat ist im Phoenix-See im Dortmunder Stadtteil Hörde ertrunken. Als ihre Leiche geborgen wird, steht schnell fest, dass die Jugendliche zuvor auch Opfer einer Gewalttat und vergewaltigt wurde. Außerdem ist sie auffällig teuer gekleidet, was allerdings nicht zu ihrem sozialen Hintergrund passt.

Eine andere Welt Tatort

Eine andere Welt – Tatort Dortmund / Bild: WDR/Thomas Kost

Nadine stammt aus eher einfachen Verhältnissen und in ihrer Familie gibt es viele Spannungen. Hauptkommissarin Martina Böhnisch (Anna Schudt) spricht mit Nadines Mutter, die ihr erzählt, dass ihre Tochter versucht ihr eigenes Leben auf die Beine zu stellen und dabei die Herkunft zu ihrer Familie verbergen will. Ihre beste Freundin Julia erzählt den Kommissaren, dass sie und Nadine am Abend vor dem Tod in einem Club Geburtstag gefeiert haben, doch sie vor ihrer Freundin die Location verlassen hat. Bei der Opduktion der Jugendlichen wird festgestellt, dass rund zwei Stunden zwiscen der Vergewaltigung und dem Tod liegen.

Als die Kommissare Nadines Handy näher untersuchen und sich die zahlreichen Videos anschauen, erhalten sie ein genaueres Bild und erhalten viele Informationen der beiden Mädchen, ihrer Freundschaft sowie ihrem Umfeld. Bei den fortlaufenden Ermittlungen stoßen Peter Faber, Martina Böhnisch und ihr Team zudem auch auf Nadines Exfreund Tarek Abboubi. Ob der vorbestrafte Tarek vielleicht aus Rache einen Mord begangen haben? Auch an dem Abend von Nadines Verschwinden gab es wohl Streit mit Tarek wie der Clubbesitzer Konstantin Prinz den Kommissaren schließlich berichtet. Und dann mischt sich auch noch Nadines Vater in die Ermittlungen ein, denn in der besagten Nacht wurde ihm ein Foto seiner Tochter aufs Handy geschickt. Er konnte sie daraufhin nicht erreichen und machte sich Sorgen. Auf dem Überwachungsband des Clubs ist zu sehen, dass Heinz Petzokat lange Zeit im Auto vor dem Club auf seine Tochter wartete, sie allerdings nicht antreffen konnte. Die Situation eskaliert, als schließlich Petzokat Tarek verprügelt und dieser verletzt im Krankenhaus landet. Oberkommissarin Nora Dalay (Aylin Tezel) ist daraufhin verdeckt unterwegs und befragt Nadines Freunde im Club…

Sebastians Bewertung: ★★★★★★★☆☆☆
Im Dortmunder Tatort „Eine andere Welt“ werden die Ermittler mit dem Tod eines jungen Mädchens konfrontiert, das sich aufgrund ihrer gesellschaftlichen Stellung in ein Paralleluniversum in der Dortmunder High-Society geflüchtet hat. Leider endete der Ausflug nicht nur in einer Vergewaltigung, sondern auch mit dem Tod des Mädchens. Die Geschichte wird authentisch erzählt und ergibt ein nahezu rundes Bild, wenn auch mit Klischees nicht gespart wird. Wenn der Plot einmal langatmig zu werden droht, kann die Langzeithandlung um Hauptkommissar Peter Faber aushelfen. So schafft es die Handlung tatsächlich, den Zuschauer bei der Stange zu halten.

Die Ensemble-Leistung der Schauspieler ist sehr solide, vor allem die junge Darstellerin Aylin Tezel bekommt in ihrer Rolle als Nora Dalay mehr Spielzeit, die sie gut zu nutzen weiß. Vor allem in der ersten Filmhälfte fällt der häufige Einsatz von Handkameras auf, der das gesamte Geschehen in ein verwackeltes Bild verpackt und für den Zuschauer sehr anstrengend macht. Mit Musik wird nicht gespart, dagegen aber mit Dialogen, die ausgiebigen Stimmungssequenzen weichen müssen.

Insgesamt ist aber zu festzuhalten, dass „Eine andere Welt“ der bisher stärkste Tatort der noch jungen Dortmunder Reihe ist. Vieles passt besser zusammen und wirkt abgestimmter, als das bei den ersten Folgen noch der Fall war. Es scheint als habe man sich den Kritiken der ersten Folgen angenommen. In dieser Form hat auch der Tatort Dortmund seinen Platz am Sonntagabend verdient.

Majas Bewertung: ★★★★★☆☆☆☆☆
Der Dortmunder Tatort “Eine andere Welt” ist mal wieder speziell – sagen wir, dass insbesondere Hauptkommissar Peter Faber sehr speziell ist. Die Handlung selbst ist trotz einiger Ecken und Kanten stimmig, hätte allerdings auch in nur 45 Minuten erzählt werden können. Viele Szenen sind unnötig in die Länge gezogen und versuchen den Zuschauer künstlich auf die Folter zu spannen. Klischees gibt es ebenfalls am laufenden Band. Fabers Ermittlungsmethoden sind nicht Jedermanns Sache, mich nervt er ungemein. Was ist Spiel, was ist Ernst? Er wirkt ständig geistesabwesend oder so vertieft in seine Ermittlungen, dass er trotzdem von der Umwelt abgeschnitten scheint. Hauptkommissarin Martina Böhnisch (Anna Schudt) wirkt neben Faber wie eine Puppe, die sich alles gefallen lässt und irgendwie versucht mit ihm klar zu kommen. Und dann sind da noch die beiden “Kinder” Oberkommissarin Nora Dalay (Aylin Tezel) und Daniel Kossik (Stefan Konarske), die scheinbar die Ermittlungsarbeiten leisten. Zudem gibt es jede Menge Streitigkeiten im Vierergespann. Was für ein Team!

Positiv erwähnt werden muss die über den gesamten Tatort passende Musik. Die Eigenkompositionen untermalen viele Szenen und lassen den Krimi lebendiger wirken. Die Kamera kann mit ihren ständigen Schwankungen heute weit weniger punkten. Fazit: Ein sehr durchwachsener Tatort aus Dortmund, der thematisch das Potenzial zu einem spannenden Fall gehabt hätte: Eine Jugendliche, die sich ihrer eigenen Identität scheut und ihre Vergangenheit verdrängt sucht sich eine neue Clique und somit Anerkennung. Doch durch Eifersucht und Freundschaft lassen sich oft nicht mehr ganz voneinander trennen.

Sendeinformationen
Sendelänge – 88:33
Drehbuch – Jürgen Werner
Regie – Andreas Herzog
Erstsendung – 17.11.2013
Produktionssender – WDR
Arbeitstitel – Grenzgänger
Produktionsfirma – Colonia Media
Drehort – Dortmund, Dortmund-Hörde am Phoenix-See, Köln
Bildformat – 16:9
Redaktion – Frank Tönsmann

Besetzung
Hauptkommissar Peter Faber – Jörg Hartmann
Hauptkommissarin Martina Böhnisch – Anna Schudt
Oberkommissarin Nora Dalay – Aylin Tezel
Oberkommissar Daniel Kossik – Stefan Konarske
Gerichtsmediziner Jonas Zander – Thomas Arnold
Hauptkommissar Krüger – Robert Schupp
Toni – Jo Weil
Julia Nowak – Matilda Merkel
Konstantin Prinz – Sergej Moya
Tarek Birol – Hassan Akkouch
Katrin Petzokat – Jule Böwe
Heinz Petzokat – Markus John
Nadine Pezokat – Antonia Lingemann
Marcel Petzokat – David Hürten
Shilo Petzokat – Milia Rütter
Monika Küppers – Bettina Lieder
Türsteherin – Katharina Gerhardt
Mitarbeiter KTU – Matthias Busse
Oliver Pösko – Joachim Foerster
Anwalt – Stephan Ullrich
Konstantins Anwälin – Dagmar Operskalski
Stefanie Katschek – Elena Berthold
Meike Götz – Nathalie Lucia Hahnen
N.N – Anton Rubtsov
Model – Anne B. Scott

Stab
Aufnahmeleitung – Alexander Rutkowski
Beleuchter/Beleuchtungstechnik – Rene Baum
Besetzung/Casting – Gitta Uhlig
Best Boy – Thorben Olbertz
Continuity – Jens Budde
Digital Colorist – Rainer Bültert
Digital Imaging Technician – Peter Chlistowski
Erster Aufnahmeleiter – Markus Hesseling
Garderobe – Jannike Dahmen
Herstellungsleitung – Andreas Berndt
Innenrequisite – Stephanie Moldrings
Kamera – Ralf Noack
Kamerabühne – Rossi Handsley
Kamerabühnenassistenz – Sascha Ossendorf
Kamerabühnenassistenz – Stefan Kloubert
Kameraassistenz – Jörg Viertel
Kameraassistenz – Lars Buge
Kostümbildassistenz – Stephanie Fürst
Kostüme/Kostümbild – Elisabeth Kraus
Lichtassistenz – Florian Littke
Location Scout – Frank Meter
Maske/Maskenbildner – Ulrike Bruns-Giffel
Maske/Maskenbildner – Simone Schlimm
Mischung – Eckart Göbel
Motivaufnahmeleitung – Franz Runge
Musik/Filmkompositionen – Martin Tingvall
Oberbeleuchter – Andreas Theiner
Postproduktion – Horst Jaquet
Produktionsassistenz – Maike Pecksen
Produktionsleitung – Marion Sand
Produzent – Sonja Goslicki
Regieassistenz – Felix Karolus
Regieassistenz – Franziska Hexel
Requisite – Sarah Samperi
Schnitt – Gerald Slovak
Set Runner – Christopher Hentschel
Sounddesign – Klaus Waßen-Floren
Standfotografie – Thomas Kost
Stunts – Ernst Reimann
Szenenbild – Naomi Schenck
Szenenbildassistenz – Christina Heidelmeier
Ton/Filmtonassistenz – Georg Müller
Ton/Filmtonassistenz – Bennet Switala
Ton/Filmtonmeister – Michael Felber

Weitere Meinungen und Rezensionen

Spiegel.de: Und was ist mit Faber, dem Ermittler mit dem irren Blick? Findet der denn endlich mal zurück in seine eigene Welt? Eher nicht. Statt mit seinem Leben Frieden zu schließen, denkt er sich weiter manisch in die Leben der anderen hinein. Professionalität und Aggressivität, Wahn und Wirklichkeit geraten bei ihm immer stärker durcheinander.

Faz.net: Einfallsloser jedenfalls geht es nicht: Die Bande von arroganten Schnöseln im Hochglanznachtklub ist einzig über die Drogen, welche selbstverständlich konsumiert werden, mit der anderen, unteren, also Normal-Dortmund-Welt verbunden. Von Entwicklung keine Spur, die Reichen sind am Ende so dummdreist wie zu Beginn.

Nzz.ch: Es geht um den Wechsel zwischen Leben und Tod, Vergangenheit und Gegenwart, nach aussen gezeigter Fassade und dem, was dahinter vorgeht.

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