Eine Handvoll Paradies – Tatort Saarbrücken – Folge 869

by on 7. April 2013

Hauptkommissar Jens Stellbrink (Devid Striesow) wird zu einer Landstraße gerufen, an der ein Mitglied der Rockergang „Dark Dogs“ tot aufgefunden wurde. Schnell wird klar, dass Rüdiger „Rüde“ Sutor nicht mit seiner Harley Davidson verunglückte, sondern gezielt ermordet wurde. Zugleich geraten die anderen Mitglieder der „Dark Dogs“ ins Zentrum der Ermittlungen, doch auch eine verfeindete Rockergang könnte den Mord verübt haben, denn in der Mordnacht wurde die Zentrale der Gang mit einer Maschinenpistole beschossen.

Eine Handvoll Paradies - Tatort Saarbrücken

Eine Handvoll Paradies – Tatort Saarbrücken / Bild: SR/Manuela Meyer

Die Ermittler haben große Schwierigkeiten überhaupt an Informationen zu kommen, da sich die Mitglieder der „Dark Dogs“ gegenüber der Polizei grundsätzlich ausschweigen und nie zur Kooperation bereit sind. Probleme regeln die Gangs immer unter sich. Stellbrinks Kollegin Lisa Marx (Elisabeth Brück) kann zwar mit einigen Insiderkenntnissen aufwarten, bringt den Kommissar aber auch nicht näher an die Lösung heran. Als sich dann auch Staatsanwältin Dubois (Sandra Steinbach) in den Fall einmischt, da die Gang seit Jahren wegen Drogendelikten und anderen kriminellen Machenschaften im Fokus der Ermittlungen steht, muss der Kommissar wieder ganz von vorne anfangen.

Sebastians Bewertung: ★★★★☆☆☆☆☆☆
In „Eine Handvoll Paradies“ bekommen es Hauptkommissar Jens Stellbrink (Devid Striesow) und Kollegin Lisa Marx (Elisabeth Brück) mit einer Motorradgang zu tun. Die schauspielerische Leistung der Darsteller ist sehr ansprechend, kann aber nicht über die eklatanten Schwächen des Buches und der Regie hinwegtäuschen. Die Story ist hanebüchen, die Motoradgang nur eine bemitleidenswerte Kopie der „Sons of Anarchy“, der subtile Humor trifft nie den richtigen Ton. Vollständig brennen Regisseur Hannu Salonen die Sicherungen durch, als er eine vollständig absurde Traumsequenz inszeniert, die beim Zuschauer nichts als den dringenden Wunsch auslöst, endlich umschalten zu dürfen. Die Bildsprache setzt vor allem auf warme Farben, manchmal scheint es, als würde ein Vintage-Filter über dem Bild liegen. Musik und Soundeffekte kommen nur selten zum Einsatz, werden dann aber sehr passend verwendet.

Insgesamt ist dem SR mit „Eine Handvoll Paradies“ leider kein wirklich guter Tatort gelungen. Striesow verkörpert in Stellbrink eigentlich einen verrückten, aber dennoch sympathischen und cleveren Kommissar in dem viel komisches Potenzial steckt. Leider sind Bücher und Regie noch nicht richtig justiert. Positiv bleibt allein die schauspielerische Leistung, bei der diesmal auch Staatsanwältin Nicole Dubois (Sandra Steinbach) nicht durch laienhaftes Overacting auffällt. Unter dem Strich bleibt also immer noch die Idee, zu einem interessanten ganz außergewöhnlichen Tatort, der einmal ein paar gute Drehbücher braucht.

Majas Bewertung: ★★☆☆☆☆☆☆☆☆
Nachdem ich die erste Folge mit Stellbrink extrem schlecht bewertet habe, konnte die heutige Folge “Eine Handvoll Paradies” ja eigentlich nur besser werden. Dachte ich. Naja. Konstruierter geht es wohl kaum. Hauptkommissar Jens Stellbrink (Devid Striesow) macht was er will und macht sich durch seine gespielte Lockerheit eher lächerlich. Kaum jemand scheint den Kommissar wirklich ernst zu nehmen, denn er wirkt einfach nur total verpeilt und hektisch. Auch seine Kollegin Lisa Marx (Elisabeth Strück) kann sich nicht mit wirklicher schauspielerischer Leistung hervorheben, wohl aber mit ihrer bodenständischen Art – im Gegensatz zu Stellbrink. Von Staastsanwältin Nicole Dubois (Sandra Steinbach) wollen wir erst gar nicht reden… Das Gesamtkonstrukt rund um Kriminalität der Rockerbanden ist aufgesetzt, schlecht gespielt und absolut unglaubwürdig. Einzig und allein die Hindergrundmusik in dieser Folge kann überzeugen. Doch Musik alleine macht auch keinen Krimi.

Der Tatort “Eine Handvoll Paradies” ist von Beginn an langweilig und von Spannung kann keine Rede sein. Man kann es den TV-Zuschauern, die nicht eingeschaltet haben oder vorzeitig das Programm wechselten, nicht übel nehmen. Das neue Konzept aus dem Saarland ist gründlich aus dem Ruder gelaufen. Ob es wirklich der schlechteste Tatort ist, darüber lässt sich selbstverständlich streiten…

Sendeinformationen
Sendelänge – 88:30
Drehbuch – Felice Götze
Bearbeitung – Hannu Salonen
Regie – Hannu Salonen
Erstsendung – 7.4.2013
Produktionssender – SR / ARD-DEGETO
Arbeitstitel – Ende der Straße
Produktionsfirma – ProSaar Medienproduktion
Drehort – Saarbrücken und Umgebung
Bildformat – 16:9
Redaktion – Christian Bauer

Besetzung
Hauptkommissar Jens Stellbrink – Devid Striesow
Hauptkommissarin Lisa Marx – Elisabeth Brück
Horst Jordan (Leiter der Spurensicherung) – Hartmut Volle
Staastsanwältin Nicole Dubois – Sandra Steinbach
Frank van Lieshaut (Mutti) – Thomas Kautenburger
Taya – Young-Shin Kim
Tim Rowert – Tim Olrik Stöneberg
Rüdiger Sutor (Rüde) – Claude-Oliver Rudolph
Winne – Heiner Take
Ingo Rogner – Thom Nowotny
Sabine Weber – Saskia Petzold
Paul Weber – Markus Kloster
Anwalt Johannson – Rainer Furch
Klaus Cepulla – Michael Bornhütter
Miriam Cepulla – Christina Beyerhaus
Ärztin – Nina Schopka
N.N – Gerhard Einmahl
N.N – Frank Einmahl
N.N – Dietmar Thater
N.N – Jürgen Fischer

Stab
2nd Unit Kamera – Florian Lücke
Außenrequisite – Stephanie May
Beleuchter/Beleuchtungstechnik – Kay Kirchhoff
Best Boy – Peter Jagemann
Bühnenmaler – Felix Maurice Manchon
Continuity – Julia Schwarz
Digital Colorist – Marcus Badow
Digital Colorist – Tobias Wiedmer
Erster Aufnahmeleiter – Margot Hahn
Garderobe – Anja Lafin
Garderobe – Ines Krüger
Garderobe – Uta Schwarz
Garderobe – Sibylle Adolph
Geräusche – Peter Deininger
Herstellungsleitung – Andreas Wolfgang Berndt
Innenrequisite – Sarah Schindler
Kamera – Wolf Siegelmann
Kameraassistenz – Olaf Klein
Kameraassistenz – Jonas Schatz
Kameraassistenz – Nadine Lang
Kamerabühne – Daniel Krause
Kostüme/Kostümbild – Daniela Thomas
Maske/Maskenbildner – Kathrin Droschinsky
Maske/Maskenbildner – Sandra Meyer
Maske/Maskenbildner – Aniko Kamchen
Mischung – Clemens Grulich
Musik/Filmkompositionen – Frank Nimsgern
Oberbeleuchter – Dirk Steiner-Sennheiser
Produktionsfahrer – Karsten Christoph
Produktionsleitung – Andreas Thürnagel
Produzent – Martin Hofmann
Regieassistenz – Robert Obermair
Schnitt – Simone Sugg-Hofmann
Set Runner – Franziska Schnorr
Set-Aufnahmeleitung – Patrick Simmer
Sounddesign – Stephan Liepe
Standfotografie – Manuela Meyer
Stunt Koordination – Claude-Oliver Rudolph
Stunts – Dori Horvath
Stunts – Jürgen Klein
Stunts – Michael Mohr
Szenenbild – Andreas C. Schmid
Ton/Filmtonassistenz – Ron Klober
Ton/Filmtonmeister – Boris Wolfrum

Weitere Meinungen und Rezensionen

TAZ.de: Fast scheint es, als hätte das Fremdenverkehrsamt dem Saarländischen Rundfunk ein paar Scheine in die klamme Kasse geschoben. Anders sind die pittoresken Landschaftsaufnahmen nicht zu erklären. Schroff wird man aber immer wieder aus der Idylle zurück in die staubtrockene Handlung gezogen. Zwischendurch, so viel sei verraten, klingt mal kurz eine sanfte Liebes-Geschichte an. Wäre die restliche Story nicht so furchtbar, wäre sie sogar ein wenig romantisch.

Sueddeutsche.de: Die Rocker in diesem schlechten Tatort: Karikaturen. So lächerlich grimmig wie die Bösen aus dem Kinderprogramm. Sie werden zum Beispiel “Mutti” genannt und sprechen vom Pullermann, wenn sie übers Gemächt reden. Die Staatsanwältin: eine Karikatur, die Sätze sagt wie die Juristen im Billig-TV: “Wollen sie mein Urteilsvermögen in Frage stellen?” Zu sehen ist auch noch eine quälend peinliche Traumsequenz mit Striesow als tuntigem Rocker.

NOZ.de: Kein Wunder, dass Rocker „Mutti“ meint: „Der Sherlock Holmes mit dem Roller hat nicht alle Kekse in der Dose.“ Als Zuschauer möchte man sofort unterschreiben. Dennoch: „Eine Handvoll Paradies“ ist deutlich besser als das Striesow-Debüt, Regisseur Hannu Salonen bewegt mitunter gekonnt den Kippschalter zwischen Krimi, Klamauk und Klischee.

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