Falsch verpackt – Tatort Wien – Folge 832

by on 26. März 2012

Im Wiener Hafen werden beim Verladen von Kühlkontainern drei tote Chinesen gefunden. Zeitgleich randaliert ein betrunkener Chinese in einem Chinarestaurant, woraufhin er verhaftet wird. Sonderermittler Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und seine Assistentin Bibi Fellner (Adele Neuhauser) nehmen sich dem Fall an. Am nächsten Morgen wird zudem eine abgeschnittene Hand gefunden, die dem zuvor festgenommenen Chinesen gehört.

Falsch verpackt Tatort Wien

Falsch verpackt – Tatort Wien / Bild: rbb/ORF/Petro Domenigg

Dieser wurde auf Anordnung von Dr. Oskar Welt (Erwin Steinhauer), Chef der Fremdenpolizei, nach kurzer Zeit bereits wieder freigelassen. Daraufhin werden weitere Leichenteile in den Mülltonnen in der Nachbarschaft von Tsao Kangs Wohnung gefunden. Die Ermittlungen ergeben, dass der Chinese in seiner eigenen Wohnung ermordet wurde.

Moritz Eisner und Bibi Fellner gehen den Spuren der insgesamt vier toten Chinesen nach, die eindeutig zu einem Fleischgroßhändler in Wien führen. Unternehmer Klaus Müller (Martin Brambach) gibt sich ahnungslos, was ihn nach Bibis Meinung sehr verdächtig macht. Im Mordfall an Tsao Kang finden sich Fingerabdrücke an der Mordwaffe, die einem Freund von Bibi Fellner gehören, Inkasso Heinzi (Simon Schwarz). Die beiden Ermittler können nicht so recht glauben, dass er der Mörder sein soll und die Leiche zerstückelt hat. Allerdings finden sie heraus, dass er mit dem ermordeten Chinesen in Verbindung stand und Geschäfte mit ihm abgewickelt hat. Seine spontane Flucht erhärtet den Verdacht gegen ihn.

Eisner und Fellner müssen sich in “Falsch verpackt” mit den Machenschaften der chinesischen Mafia auseinandersetzen und deren illegalen Geschäfte aufdecken. Zudem finden sie heraus, dass sowohl der Fleischgroßhändler Klaus Müller als auch der Chef der Fremdenpolizei Dr. Oskar in den Fall verwickelt sind und schließlich scheinen alle Fäden bei Frau Gu, der Chefin des chinessichen Lokals zusammenzulaufen…

Sebastians Bewertung: ★★★★★★☆☆☆☆
Im neuen Wiener Tatort “Falsch verpackt” müssen sich Sonderermittler Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Major Bibi Fellner (Adele Neuhauser) mit einem recht unappetitlichen Fall auseinandersetzen. Die schauspielerische Leistung aller Akteure ist dabei nur durchschnittlich, zu selten bekommen sie die Möglichkeit zur freien Entfaltung. Die Dialoge beschränken sich zumeist auf das Wesentliche, allerdings gespickt mit einer ordentlichen Priese Wiener Humor. Der Plot ist an und für sich gut angelegt und in sich schlüssig. Dennoch vermag keine echte Spannung aufkommen, zu schleppend ziehen sich die Ermittlungen hin. Die Kameraführung kommt sehr geradlinig daher, in der Bildsprache wird auf starke Kontraste aus wechselnden Tag- und Nachtszenen gesetzt. Besonders hängen bleibt die gute Filmmusik, die jederzeit passend und nicht störend eingesetzt wird.

Insgesamt ist dem ORF mit „Falsch verpackt“ ein durchschnittlicher Tatort gelungen, der zumindest solide Sonntagabendunterhaltung für die Zuschauer bereithält. Etwas mehr Fokus auf die eigentlich Kernhandlung und Drive im Spielgeschehen hätten der Folge allerdings gut zu Gesicht gestanden. Denn so bleibt bei all den lobenden Worten doch nur wieder ein Fall, bei dem bis zum Ende nicht jeder Zuschauer die Augen offen halten konnte. Nach der sehr guten letzten Folge „Kein Entkommen“ und der Miesere bis dorthin, stimmt aber weiterhin die Tendenz: Auch Wien und der ORF kann Tatort.

Majas Bewertung: ★★★★★★☆☆☆☆
Der Tatort “Falsch verpackt” aus Wien handelt von einem Fall mit der chinesischen Mafia gepaart mit österreichischer Wirtschaftskriminalität. Was ganz spannend klingt, ist doch eher eine durchschnittliche Krimi-Unterhaltung des ORF. Die fast durchweg schlechte Laune der beiden Kommissare ist selbstverständlich vorprogrammiert. Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) möchte ein paar Kilo weniger auf den Rippen haben und ist dadurch noch grimmiger als sonst. Doch auch seine Kollegin und Assistentin Bibi Fellner (Adele Neuhauser) steht seiner Gereiztheit in nichts nach, denn sie schwört dem Alkohol nun endgültig ab. Beide auf Entzug, beide miserabel gelaunt.

Drei halbgefrorene chinesische Leichen werden in einem mit Hühnerbeinen gefüllten Kontainer im Wiener Hafen gefunden. Später gibt es weitere zerstückelte Leichen. In Österreich scheint man mittlerweile auf Nummer sicher zu gehen, denn wie bereits in den letzten Folgen aus Wien reicht eine Leiche nicht mehr aus. Nein, es müssen mehrere sein. Der gesamte Tatort “Falsch verpackt” ist sehr theatralisch und bei den Kommissaren fließen sogar die Tränen. Die Story hat so einige Ecken und Kanten, ist nicht durchweg plausibel, hat aber trotzdem unterhalten. Das eine oder andere Mal will man doch lieber wegschauen als die reichlich blutverschmierten Szenen mit abgetrennten Körperteilen zu sehen. Und immer mal wieder verbirgen sich lustige Dialoge, die auch auf Twitter unzählige Tweets und Retweets nach sich ziehen. Als Eisners Tochter den heimischen Kühlschrank öffnet, erschrickt sie zuerst: “Papa, da ist ein Kopf in unserem Kühlschrank” Er antwortet in gewohnter Manier trocken: “Ja sorry, ist meiner.” In einer anderen Szene lacht Sonderermittler Eisner übrigens selbst herzhaft – und es steht ihm gut.

Fazit: Ein doch ungewöhnlicher Tatort mit etlichen Höhen und Tiefen, der für jeden etwas zu bieten hat. Die kurze Gesangseinlage (“Drei Chinesen mit dem Kontrabaß”) der beiden Kommissare am Schluss hätten sich die Macher allerdings wirklich schenken können. Sechs Punkte.

Sendeinformationen
Sendelänge – 88:30
Drehbuch – Martin Ambrosch
Regie – Sabine Derflinger
Erstsendung – 25.03.2012
Produktionssender – ORF
Drehort – Wien
Bildformat – 16:9
Redaktion – Alexander Vedernjak

Besetzung
Sonderermittler Moritz Eisner – Harald Krassnitzer
Bibi Fellner – Adele Neuhauser
Claudia Eisner – Tanja Raunig
Inkasso Heinzi – Simon Schwarz
Julia Wiesner – Stefanie Dvorak
Dr. Oskar Welt – Erwin Steinhauer
Klaus Müller – Martin Brambach
Tsao Kang – Johannes Ahn
Frau Gú Bao – Nahoko Fort-Nishigami
Gerhard Braun – Thomas Freudensprung
Polizist Schimpf – Thomas Stipsits
N.N – Stefan Puntigam

Stab
Weitere Meinungen und Rezensionen
Musik – Gerhard Schuller
Kamera – Christine A. Maier
Buch – Martin Ambrosch
Regie – Sabine Derflinger

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Bernhard April 2, 2012 um 01:29

Das ist jetzt der zweite Tatort, den ich dieses Jahr erwischt habe. Wieder der Österreich-Tatort. Was nicht schlecht ist. Ich denke, ich bleibe jetzt am Österreich-Tatort dran.

Der Österreich-Tatort füllt bei mir eine Lücke, von der ich gar nicht mehr wusste, dass die noch da ist. Die Lücke, die Kommissar Stockinger bzw. Kommissar Rex hinterlassen haben.

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