Fette Hunde – Tatort Köln – Folge 841

by on 2. September 2012

Der Tatort ist letzte Woche mit den Schweizern aus der dreimonatigen Sommerpause zurückgekehrt. Allerdings konnte diese Folge beim Publikum kaum punkten. Deshalb ist alle Hoffnung auf den heutigen Tatort aus Köln gesetzt.

In “Fette Hunde” geht es um das Thema Bundeswehreinsatz in Afghanistan, denn gerade landet ein Flugzeug der Bundeswehr aus Kabul. Unter den Rückkehrern ist auch Sebastian Brandt (Roeland Wiesnekker). Dessen Frau Lissy Brandt (Anna Loos) war früher die Assistentin von Ballauf und Schenk im Präsidium und um ihr einen Gefallen zu tun, begleitet Schenk seine ehemalige Kollegin zum Flughafen um deren Mann abzuholen.

Fette Hunde Tatort

Fette Hunde – Tatort Köln / Bild: WDR/Erik Lee Steingroever

Dabei entgeht Freddy selbstverständlich nicht, dass sich Brandt gegenüber seiner Frau eher zurückhaltend verhält. Und zudem scheint er sich bei seinen beiden Kammeraden Thomas Klages (Godehard Giese) und Matthias Jahn (Wanja Mues) wesentlich wohler und sicherer zu fühlen als bei seiner Familie. Doch was verbindet die drei? Am Abend wird noch eine Willkommensparty für Brandt geschmissen, doch kann er sich nicht auf seine Freunde und Familie freuen sondern reagiert eher gestresst und abwesend.

Zeitgleich zur Landung des Bundeswehrflugzeuges befindet sich der 28-jährige Milad (Reza Brojerdi) in einem Regionalzug und kämpft sich mit letzter Kraft auf die Toilette. Seine jüngere Schwester Amina (Maryam Zaree) sieht sehr besorgt aus, doch die anderen Fahrgäste und das Zugpersonal zeigen deutlich ihre Abneigung, denn sie denken, dass der junge Mann betrunken ist.

Am nächsten Morgen werden die beiden Kölner Kriminalhauptkommissare Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) zu genau diesem ehemaligen Truppenübungsplatz gerufen. Die Ermittler finden dort die sehr übel zugerichtette Leiche von Milad vor. Die Flughafenaufsicht in Frankfurt teilt ihnen zudem mit, dass er und Amina erst zwei Tage zuvor nach Deutschland zurückkehrten. Zwar wurde Aminas Flug von einer Stiftung “Pro Afganistan” bezahlt doch scheinen die beiden als Bodypacker unterwegs gewesen zu sein, denn es befinden sich Drogen im Körper des toten Milad. Und aus diesem Grund befindet sich auch seine Schwester in Lebensgefahr und bei den Ermittlungen ist Eile gefragt. Bald finden die Ballauf und Schenk heraus, dass Milad kurz vor seinem Tod noch bei Thomas Klages angerufen hat…

Sebastians Bewertung: ★★★★★★★☆☆☆
Im neuen Tatort „Fette Hunde“ wird die Heimkehr von Bundeswehrsoldaten aus Afghanistan thematisiert. Unter diesen ist auch Sebastian (Roeland Wiesnekker). Er ist der Mann von Lissy (Anna Loos), die früher selbst einmal Kölner Tatort-Kommissarin war und demnach auch gut mir den Ermittlern Freddy Schenk (Dietmar Bär) und Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) befreundet ist. Neben dem nicht immer einfachen Schicksal der Wiederkehrer wird der Drogenschmuggel von Bodypackern thematisiert.

Die schauspielerische Leistung der Akteure ist ansprechend, auch wenn an der einen oder anderen Stelle etwas mehr Format und Emotionalität wünschenswert gewesen wäre. Regisseur Andreas Kleinert hat das Buch gut umgesetzt, auch wenn der Fall insgesamt etwas zu durchsichtig gestaltet ist, so dass der Mörder schon nach einer guten Viertelstunde erkannt werden kann. In der Bildsprache wird vor allem auf dunkle Szenen gesetzt, sodass man fast das Gefühl hat ein Nachtspiel zu sehen. Auf Musik und Soundeffekte wird weitestgehend verzichtet.

Insgesamt ist dem WDR mit „Fette Hunde“ ein guter Tatort gelungen, auch wenn die Story durch fehlende Überraschungsmomente und Vorhersehbarkeit ihre Schwächen hat. Hervorzuheben ist die Leistung von Anna Loos, die bei ihrer Rückkehr in den Kölner Tatort besonders in der zweite Hälfte der Films viele gute Momente hat. Auf Andreas Kleinert ist einfach verlass, wenn es darum geht einen unterhaltsamen Tatort zu arrangieren ohne dabei über permanent über posttraumatische Belastungsstörungen zu schwadronieren. Wenn es jetzt noch mit der Spannung klappen würde.

Majas Bewertung: ★★★★★★★☆☆☆
“Fette Hunde” beginnt mit zwei parallelen Handlungssträngen und – sehr ungewöhnlich für einen Tatort – es gibt nach den ersten fünf Minuten noch keine Leiche. Handlungsstrang Nummer Eins zeigt die Heimkehr eines Dolmetschers bei der Bundeswehr namens Sebastian Brand aus Afghanistan, der sich anschließend kaum wieder in die Gesellschaft eingliedern kann. Handlungsstrang Nummer Zwei zeigt das Geschwisterpaar Milan und Amina die als Drogenkuriere, so genannte Bodypacker, ebenfalls aus Afghanistan zurückkehrten. Gerade durch diese parallelen Geschichten baut sich Spannung auf, die schließlich durch Musik und Lichteinstellungen dramatisch verstärkt wird. Erst nach einer knappen halben Stunde gibt es (endlich) eine Leiche. Milan.

Die Stimmung zwischen den beiden Kommissaren Ballauf und Schenk ist freundschaftlich. Sie sind verkatert und wachen nach der durchzechten Nacht nebeneinander auf. Erst jetzt kann dem Zuschauer ein leichtes Schmunzeln übers Gesicht fliegen, denn ansonsten gibt es in diesem Tatort nicht viel zu lachen. Die Ermittler spielen ihre Rolle gut und glaubhaft. Lobend muss vermerkt werden, dass in dieser Folge keinerlei private Streitigkeiten zwischen den ihnen ausgetragen werden, sie sich auch nicht von einer Affäre in die andere hangeln oder Familienauseinandersetzungen austragen. Sie beschränken sich völlig auf ihre Rolle als Kommissare – ausgenommen der Willkommensparty. Assistentin Franziska Lüttgenjohann bringt wie immer etwas Charme in den Kölner Krimi, denn sie umsorgt ihre beiden Vorgestetzen. Ok, einige unrealistische Szenen gibt es immer so auch im Tatort “Fette Hunde”. Aber man kann ja auch nicht an alles denken.

Insgesamt ist es ein guter und solider Tatort, der sich mit den Themen rund um Drogenschmuggel, Korruption bei Hilfsorganisationen und traumatisierten Kriegsrückkehrern befasst und diese doch auf einen Punkt bringt. 7 Sterne!

Sendeinformationen
Sendelänge – 88:30
Drehbuch – André Georgi
Regie – Andreas Kleinert
Arbeitstitel – Die fetten Hunde
Erstsendung – 02.9.2012
Produktionssender – WDR
Drehort – Köln und Umgebung, Verkehrsflughafen Niederrhein in Weeze, Rösrath-Hoffnungsthal
Bildformat – 16:9
Redaktion – Frank Tönsmann

Besetzung
Hauptkommissar Max Ballauf – Klaus J. Behrendt
Hauptkommissar Freddy Schenk – Dietmar Bär
Franziska Lüttgenjohann – Tessa Mittelstaedt
Dr. Joseph Roth – Joe Bausch
Lissy Brandt – Anna Loos
Sebastian Brandt – Roeland Wiesnekker
Konstantin Brandt – Theo Trebs
Amina Rahimi – Maryam Zaree
Matthias Jahn – Wanja Mues
Christoph Wieland – Oli Bigalke
Thomas Klages – Godehard Giese
Milad Rahimi – Reza Brojerdi
Rüther – Max Hopp
Schaffner – Rainer Galke
Hotelier – Thomas Kautenburger
Maria – Nathalie Lucia Hahnen
Mutter von Matthias Jahn – Karin Pfammatter
Arlinghaus – Richard Gonlag
N.N – Daniel Graf

Stab
Assistent der Set-AL – Manuel Faber
Aufnahmeleitung – Charlie Gurath
Außenrequisite – Dagmar Wiggenhauser
Besetzung/Casting – Anja Dihrberg
Continuity – Caroline Krebsfänger
Digital Colorist – Rainer Bültert
Garderobe – Julia Weyer
Garderobe – Vera Volkstorf
Herstellungsleitung – Liane Retzlaff
Kamera – Johann Feindt
Kameraassistenz – Annika Eysel
Kameraassistenz – Matthias Fuchs
Kamerabühne – Boban Milosevic
Kamerabühne – Sascha Ossendorf
Kamerabühne – Stefan Kloubert
Kostüme/Kostümbild – Elisabeth Kraus
Licht – Erik Lee Steingroever
Location Scout – Frank Meter
Maske/Maskenbildner – Delia Mündelein
Maske/Maskenbildner – Caoline Toschew
Mischtonmeister – Gerald Cronauer
Montage – Gisela Zick
Motivaufnahmeleitung – Paula Lichte
Musik/Filmkompositionen – Daniel Dickmeis
Postproduktion – Carla Schild-Kreindl
Produktionsassistenz – Nicole Schaffrath
Produktionsleitung – Marion Sand
Produzent – Sonja Goslicki
Regieassistenz – Claudia Beewen
Requisite – Roman Halassy
Requisitenfahrer – Nicolai Schah
Schnittassistenz – Nico Schlegel
Set Runner – Dominik Fischer
Set Runner – Florian Littke
Set-Aufnahmeleitung – Marcel Kommissin
Sounddesign – Klaus Waßen-Floren
Stunts – Erst Reimann
Szenenbild – Myrna Drews
Tiertraining – Dirk Lenzen
Ton/Filmtonmeister – Miachel Felber
Ton/Filmtonmeister – Bennet Switala
Videooperator – Fabian Teichert

Weitere Meinungen und Rezensionen

Spiegel.de: Der Krieg bleibt im Kopf, die Erkenntnis ist nicht neu. Für “Fette Hunde” holen Regisseur Kleinert und sein Drehbuchautor André Georgi (schrieb zuvor den kontrovers diskutierten Sterbehilfe-”Tatort” “Der glückliche Tod” mit Susanne Lothar) diesen Krieg nun in die Realität zurück: In einer Parallelhandlung folgen wir zwei afghanischen Bodypackern, also Heroin-Kurieren, die ihre Fracht in Kondomen in ihrem Magen schmuggeln. So holt man den Verteilungskampf am Hindukusch in die bundesdeutsche Wirklichkeit.

NEWS.de: So rasant der Tatort auch beginnt, die Spannung ist schnell wieder raus. Das Ende ist zu vorhersehbar, der Überraschungseffekt fehlt. Den Mörder erkennt man schon an seiner Kleidung. So wichtig das Thema auch ist, vielleicht kommt es ein wenig spät. Seit mehr als zehn Jahren tobt der Afghanistan-Krieg. Die Geschichte vom afghanischen Drogenanbau und -schmuggel und von allein gelassenen Soldaten ist nicht mehr neu.

NOZ.de: Kleinert verleiht seinem Film eine verwirrende Anfangssequenz, verzichtet darauf, klar in Gut und Böse aufzuteilen. Und er vergisst nicht, dass ein Krimi eines ganz besonders braucht: Spannung.

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Fette Hunde - Tatort Köln - Folge 841, 7.4 out of 10 based on 8 ratings

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Petra September 2, 2012 um 20:58

Wer war der Moerder? Der mit der Armprothese? Warum hat man den, der dann später verhört wurde sich übergeben sehen und warum flirtet die Franziska mit ihm??

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swanro September 2, 2012 um 21:27

Ich weiß nicht. Gab es das Thema schon zu oft? Mir war der Tatort zu wabbelig. Wabbelig? Ja, irreal ist vielleicht ein besserer Ausdruck.
Wenn man sich die Frage stellt:”Könnte das so sein” und man möchte antworten: “Nein”, dann ist es wabbelig. Ich kann es so schwer ausdrücken, es war aber IMHO nicht einer der besseren Kölner. Anna Loos fand ich auch nicht so berühmt. Immer ein Lichtblick ist aber Tessa Mittelstaedt. Die erinnert so ein wenig an Seniora Eletra bei Brunneti. Aber nach den schwachen Schweizern doch wieder mal ein Tatort.

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