Geburtstagskind – Tatort Luzern – Folge 879

by on 18. August 2013

Die Leiche eines jungen Mädchens wird in einem Wald im Luzerner Land gefunden. Die Kommissare Reto Flückiger (Stefan Gubser) und Liz Ritschard (Delia Mayer) bekommen schnell heraus, dass es sich um die 14-jährige Amina Halter handelt. Das Mädchen stammt aus schwierigen Familienverhältnissen. Auf der einen Seite steht Aminas Stiefvater Beat Halter (Oliver Bürgin), der der Vorsitzende einer umstrittenen christlichen Glaubensgemeinschaft namens „Kreis der Gnade“ ist. Auf der anderen Seite steht Kaspar Vogt (Marcus Signer), der leibliche Vater Aminas, der bereits eine Drogenkarriere hinter sich hat und allgemein als Querulant bekannt ist. Mittendrin steht Mutter Ursula, die von Halter damals zusammen mit den Kindern aufgenommen wurde, um dem Milieu zu entfliehen.

Geburtsagskind-Tatort-Luzern

Geburtsagskind-Tatort-Luzern / Bild: SWR/Daniel Winkler

Die Ermittler bringen in Erfahrung, dass Kaspa Vogt nur einen Tag vor dem Verschwinden des Mädchens bei den Halters aufgetaucht ist und einiges Aufsehen erzeugt hat. Zudem hatte er damit gegen Auflagen verstoßen, denn der leibliche Vater hat ein striktes Verbot sich seiner Tochter zu nähern. Die Ermittlungen führen die Kommissare auch in ihre eigene Vergangenheit, bevor eine Neuigkeit die Ermittlungen auf den Kopf stellt: Das 14-jährige Mordopfer war im dritten Monat schwanger und wurde offenbar missbraucht. Ein DNA-Test kann zuerst keinen Täter ermitteln. Der Fokus der Kommissare fällt auf die Glaubensgemeinschaft. Sie vermuten, dass die Mitglieder im „Kreis der Gnade“ doch nicht so christlich sind wie angenommen.

Sebastians Bewertung: ★★★★☆☆☆☆☆☆
Zum Ende der Sommerpause 2013 präsentiert uns die ARD den Fall „Geburtstagskind“ aus Luzern. Die Kommissare Reto Flückiger (Stefan Gubser) und Liz Ritschard (Celia Mayer) geraten zwischen die Fronten eines Männerkriegs, der bereits das erste Opfer gefordert haben soll. Die 14-jährige Amina – Tochter und Stieftochter der beiden Männer – war im 3. Monat schwanger und wurde ermordet. Es entwickelt sich ein Fall, der den Fokus der Zuschauer ganz bewusst auf die beiden Hauptcharaktere zieht.

Die Handlung schafft es zu keinem Zeitpunkt Geschwindigkeit aufzunehmen. Die Dialoge klingen so hölzern, als entstammen sie dem selben Sägewerk, welches auch den Plot mehrfach kreuzt. Dass der dramaturgische Höhepunkt von einer spontanen Undercover-Knutscherei der beiden Hilfspolizisten ummantelt wird, sagt eigentlich alles. Die schauspielerische Leistung der Darsteller ist dagegen stark, vor allem die Nebenrollen zeigen eine ansprechende Leistung und ein facettenreiches Spiel. Technisch ist die Folge solides Handwerk, die Regie setzt auf vorwiegend dunkle Einstellungen und wenig Kontraste.

Insgesamt bildet die Produktion von Schweizer Fernsehen und SWR ein langsames Erwachen aus der Tatort-Sommerpause. „Geburtstagskind“ ist ein im Grunde spannender Fall, der unzureichend dramaturgisch umgesetzt wurde und erst kurz vor Schluss wirklich interessant wird. Da hilf auch die ansprechende Leistung der Darsteller wenig. Schade, so hätte man die Sommerpause auch noch 2 Wochen verlängern können. Immerhin bleibt die Hoffnung, dass uns Ritter und Stark am 08.09. wirklich aus der Sommerpause holen.

Majas Bewertung: ★★★★★★★☆☆☆
Mit den Schweizer Tatort-Fällen ist das ja immer so eine Sache, wirklich überzeugen können sie leider nie. Nun ist die Sommerpause vorbei und das Schweizer Fernsehen präsentiert uns den Tatort “Geburstagskind”. Kommissar Reto Flückiger (Stefan Gubser) und seine Kollegin Liz Ritschard (Delia Mayer) müssen sich mit Glaubensfragen einer Sekte beschäftigen und ermitteln in einen düsteren Fall.

Die Aufklärung der ermordeten 14-jährigen Amina konfrontiert die beiden Kommissare mit einer zerrütetten Familie, die auf den ersten Blick in einer heilen Welt lebt. Doch sehr schnell wird klar, dass insbesondere der Familienvater, der allerdings nicht der leibliche Vater der beiden Mädchen ist, nicht mit offenen Karten spielt und um sich herum eine Fassade des Glaubens aufgebaut hat. Welche Rolle seine Frau spielt, ist lange nicht ganz klar. Vorhersehbar für den Zuschauer ist der Täter, allerdings nicht die Umstände, denn die Ermittler stoßen auf etliche Hindernisse bei ihrer Arbeit.

Reto Flückiger ist launisch, doch der Einzelgänger gibt sich so langsam mit der Sitation eine Kollegin zu haben zufrieden. Liz Ritschard lässt sich nicht alles gefallen und gibt ihm Kontra, was teilweise für Spannungen zwischen den beiden führt. Doch Ritschard ist für den Tatort eine wirkliche Bereicherung. Die schauspielerische Leistung aller Mitwirkender ist passabel, wenn auch nicht herausragend. Genauso düster wie der Fall selbst ist auch das Wetter in der Schweiz.

Alles in allem hat mir der Tatort “Geburtstagskind” gut gefallen. Die Schweizer haben bewiesen, dass sie auch einen spannenden Fall mit Tiefgang machen können. Daumen hoch dafür.

Sendeinformationen
Sendelänge: 86:59
Drehbuch – Moritz Gerber
Regie – Tobias Ineichen
Erstsendung – 18.8.2013
Produktionssender – SF
Arbeitstitel – Vaterpflichten
Drehort – Luzern und Umgebung
Bildformat – 16:9
Redaktion – Lilian Räber

Besetzung
Kommissar Reto Flückiger – Stefan Gubser
Liz Ritschard – Delia Mayer
Yvonne Veitli (Kriminaltechnikerin) – Sabina Schneebeli
Marcel Küng – Martin Klaus
Birgit Bürki – Anna Schinz
Regierungsrat Eugen Mattmann – Jean-Pierre Cornu
Kaspar Vogt – Marcus Signer
Ursula Halter – Sarah Spale-Bühlmann
Beat Halter – Oliver Bürgin
Julia Halter – Anouk Petri
Amina Halter – Carla Chiara Bär
Fabian Gross – Sherwin Amini
Susi Agamben – Wanda Wylowa
Lehrer Thommen – Stefan Kollmuss
Punk – Urs Humbel
Jörg Stamm – Peter Rohrer
Lisa – Elina Baumann
Naomi – Elsa Langnäse
Hausbesetzer – Dimitri Stapfer
Peter Burkhardt – Manfred Liechti
Förster – Edward Scheuzger

Stab
2nd Unit Kamera – Urs Schmid
Außenrequisite – Ursi Buchmann
Außenrequisite – Johanna von Arx
Baubühne – Beat Zobrist
Beleuchter/Beleuchtungstechnik – Sandro Hofstetter
Beleuchter/Beleuchtungstechnik – Silvia Fafa Fierz
Besetzung/Casting – Corinna Glaus
Continuity – Fabienne Helfer
Erster Aufnahmeleiter – Florian Widmeier
Garderobe – Tanya Sonderegger
Herstellungsleitung – Esther Ruschmann
Innenrequisite – Peggy Dix
Innenrequisite – Sophie Stalder
Kamera – Michael Saxer
Kamerabühne – Urs Schmid
Kameraassistenz – Micky Schärer
Kameraassistenz – Björn Detre
Komparserie – Christian Casper
Kostüme/Kostümbild – Catherine Schneider
Maske/Maskenbildner – Marc Hollenstein
Maske/Maskenbildner – Marina Aebi
Mischung – Holger Lehmann
Musik/Filmkompositionen – Fabian Römer
Oberbeleuchter – Ernst Brunner
Postproduktion – Andrea Blaser
Produktionsassistenz – Andrea Blaser
Produktionsleitung – Christos Dervenis
Produzent – Anita Wasser
Produzent – Michael Steiger
Regieassistenz – Roger Schweizer
Regieassistenz – Bea Minger
Schnitt – Isabel Meier
Schnittassistenz – Ruth Schönegge
Set-Aufnahmeleitung – Thomas Kamer
Sounddesign – Thomas Neumann
Steadicam – Lukas Franz
Stunt Koordination – Marcel Stucki
Stunts – Alister Mazzotti
Stunts – Gino Haegler
Stunts – Urs Inauen
Szenenbild – Gerald Damovsky
Ton/Filmtonassistenz – Andreas Otto
Ton/Filmtonmeister – Raoul Grass

Weitere Meinungen und Rezensionen

Sueddeutsche.de: Der Tatort will modern sein, auf einmal läuft alles in Zeitlupe wie in amerikanischen Serien. Aber dann taucht die altmodische Figur des Regierungsrats Mattmann auf, dessen Autoritätsgehabe erinnert an die Zeit der Hesselbachs oder der Unverbesserlichen.

Spiegel online: Der Nebel hängt hier zwar zuweilen allzu unheilvoll über den Bergen um Luzern, und gelegentlich gibt es in der Handlung einen gewissen Leerlauf, aber die Dialoge sind gut. Und je knapper sie gehalten werden, desto besser sind sie. Manchmal wird gleich vielsagend geschwiegen.

BZ-Berlin: Sarah Spale Bühlmann sieht nicht nur aus wie Charlotte Gainsbourg, sie spielt auch genauso intensiv wie die Französin in Lars von Triers Düster-Drama “Antichrist”. Oliver Bürgin gibt einen souveränen Sekten-Anführer mit Hang zu cholerischen Anfällen, Marcus Signer bleibt als verzweifelter Ex-Junkie zwischen Wahn, Wut und Widerborstigkeit in Erinnerung, und Carla Chiara Bär guckt als Amina ausdauernd verzweifelt. Starke Leistungen von allen Beteiligten.

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