Gegen den Kopf – Tatort Berlin – Folge 880

by on 8. September 2013

Auf dem U-Bahnsteig Schönleinstraße in Berlin Kreuzberg wird Mark Haessler (Enno Kalisch) tot aufgefunden. Er wurde von zwei Jugendlichen bis zum Tode geprügelt. Zuvor kam es bereits zwischen den jungen Männern, die einen Gehbinderten bedrängten, und dem 38-jährigen in der U-Bahn zu Handgreiflichkeiten. Haessler stirbt einige Zeit später in einem Krankenhaus an seinen Verletzungen und hinterlässt Frau und Kind.

Tatort Gegen den Kopf

Gegen den Kopf – Tatort Berlin / Bild: rbb/Frédéric Batier

Die beiden Berliner Hauptkommissare Till Ritter (Dominic Raacke) und Felix Stark (Boris Aljinovic) nehmen sich dem Fall an und versuchen anhand von Zeugenaussagen und mehreren Überwachungssystemen zu verstehen, was in dieser Nacht am U-Bahnhof in Kreuzberg passierte. Zudem müssen sie sich auch dem Druck der Öffentlichkeit stellen, denn nachdem es vor einigen Wochen bereits schwerverletzte Opfer gab, wurde jetzt eben auch ein Mann getötet. Michaela Wilmes (Ruth Reineke), die Chefin der Mordkommission, hält ständigen Kontakt zu den beiden Ermittlern und zeigt ihre Präsenz.

Till Ritter und Felix Stark kommen mit ihren Aufklärungsarbeiten erst wirklich weiter, als sie einen Kameramitschnitt auf einem Smartphone sicherstellen können. Sie erkennen die beiden jungen Männer, die einem älteren Mann den Gehstock wegnehmen. Die Jungendlichen werden zur Fahndung ausgeschrieben und dann kommt es ganz anders als erwartet. Konstantin Auerbach (Jannik Schümann) stellt sich der Polizei und wird dabei auch von seinem Anwalt Dr. Thomas (Simon Licht) begleitet. Die Jungendlichen belasten sich gegenseitig und Achim Wozinak (Edin Hasanovic), der bereits vorbestraft ist, gibt zudem an, dass Haessler allein zugeschlagen hat.

Dann wir auch noch Hauptkommissar Ritter hellhörig und vermutet ein Leck innerhalb der Polizei. Die Presse hat seiner Meinung nach zu viele Informationen und diese auch noch sehr früh. Dann können die Ermittler das zerstörte Handy des Toten finden. Haessler hat während der Tat seiner Geliebten auf den Anrufbeantworter gesprochen und plötzlich riss die Verbindung ab…

Sebastians Bewertung: ★★★☆☆☆☆☆☆☆
Die Berliner Hauptkommissare Till Ritter (Dominic Raacke) und Felix Stark (Boris Aljinovic) müssen im Fall “Gegen den Kopf” einen typischen U-Bahn-Mord aufklären, wie er leider immer häufiger vorkommt. Wie in der Realität auch, wird eine Gruppe von Jugendlichen als mögliche Täter ermittelt. Doch Tatort-like ist der Fall dann doch nicht so einfach zu lösen. Leider ist der Plot nicht sonderlich spannend, da außergewöhnliche Wendungen im Vorhinein bereits ausgeschlossen sind. Zumeist sind die Ermittler auch eher damit beschäftigt, die innerpolizeilichen Probleme zu lösen. Schauspielerisch bietet der Fall auch nur wenig Potenzial, mehr als solides Handwerk bekommen die Zuschauer nicht zu sehen. Auch technische Überraschungen bleiben aus und auch auf Musik wird nahezu komplett verzichtet.

Insgesamt ist dem RBB mit “Gegen den Kopf” leider kein richtig starker Tatort gelungen. Zwar gibt es darstellerisch keine großen Kritikpunkte, allerdings lässt der Plot einfach keine Spannung aufkommen. Diese ist – trotz alle Bemühungen zu einem authentischen Fall – leider zwingend für einen guten Krimi. Zu häufig tritt der Fall in den Hintergrund und die Probleme innerhalb der Polizei müssen bewältigt werden. Zudem ist dem RBB auch bei den Pressebildern ein Fauxpas unterlaufen: In vielen Medien war bereits auf einem der Photos zu erkennen, welcher der beiden Jugendlichen der Haupttäter war.

Majas Bewertung: ★★★★★★★☆☆☆
Zivilcourage ist das Thema des heutigen Tatort “Gegen den Kopf” aus Berlin und trifft somit auch immer aktuelle Fälle, denn die meisten Menschen haben nicht den Mut sich für andere einzusetzen oder gar in eine Schlägerei einzugreifen. Da der Tatort an viele reale Fälle der letzten Jahre erinnert, wirkt er so grausam echt. Die ersten Minuten kann man als Zuschauer kaum hinsehen.

Nachdem in den ersten Minuten der Spannungsbogen kippt, wirkt der Tatort teilweise sehr langatmig, denn die Täter sind schnell gefasst, auch wenn die Vernehmungen und die Suche nach einem möglichen Motiv länger andauern. Während den endlosen Verhöhren baut sich leider auch die Spannung kaum noch auf. Trotzdem ist die gesamte Inszenierung gut gelungen und die Berliner Hauptkommissare können auf ganzer Linie punkten. Die Ermittler gehören nicht unbedingt zu meinen Lieblingskommissaren, doch konnten sie nun doch einmal mit schauspielerischer Leitung und einem brisanten Fall überzeugen.

Die Nebenrollen sind weit weniger spektakulär und bedürfen kaum einer Erwähnung. Alles in allem ist der Tatort “Gegen den Kopf” wirklich gelungen, auch wenn einige Tiefen nicht zu übersehen waren. Ein großes Lob nach Berlin.

Sendeinformationen
Sendelänge: 88:26
Drehbuch – Stephan Wagner
Regie – Stephan Wagner
Erstsendung – 8.9.2013
Produktionssender – RBB
Drehort – Berlin Kreuzberg, Berlin Spandau, Berlin Rudow
Bildformat – 16:9
Redaktion – Josephine Schröder-Zebralla

Besetzung
Hauptkommissar Till Ritter – Dominic Raacke
Hauptkommissar Felix Stark – Boris Aljinovic
Lutz Weber – Ernst-Georg Schwill
Michaela Wilmes (Chefin der Mordkommission) – Ruth Reinecke
Konstantin Auerbach – Jannik Schümann
Achim Wozniak – Edin Hasanovic
Jens Schott – Claudius von Stolzmann
Dr. Thomas (Anwalt) – Simon Licht
Mark Haessler – Enno Kalisch
Ines Haessler – Christina Hecke
Olaf Grüneke (Journalist) – Lutz Blochberger
Christoph Eichhorn – Werner Lustig
Hüseyin Keseroglu – Kailas Mahadevan
Protokollantin – Katharina Palm
Markus Stute – Raphael Rubino
Jonas Goede – Tristan Seith
Telefonistin – Désirée Angersbach
Zeugin – Linda Gegusch
Journalistin – Katharina Groth
N.N – Ilona Schulz
N.N – Hans-Heinrich Hardt
N.N – Andreas Leupold
Personalchef von Wozniak – Wolfgang S. Zechmeyer
Barfrau – Florence Kasumba
N.N – Marian Meder
Zivilpolizistin – Gitta Witzel

Stab
Beleuchter/Beleuchtungstechnik – Michael Stahl
Beleuchter/Beleuchtungstechnik – Marco Siefert
Besetzung/Casting – Marc Schötteldreier
Best Boy – Kay Möller
Continuity – Sandra Pöggel
Digitaleffekte – Daniel Kraus
Erster Aufnahmeleiter – Olaf Schwarck
Filmgeschäftsführung – Wolfgang Rhaden
Garderobe – Alexandra Stähle
Geräusche – Roman Rehausen
Herstellungsleitung – Torsten Klein
Innenrequisite – Silvia Sachseneder
Kamera – Thomas Benesch
Kamerabühne – Christian Weber
Kameraassistenz – Birgit Liermann
Kameraassistenz – Marcos Pieta-Jorge
Kameraassistenz – Joe Berger
Kostümbildassistenz – Julia Hillerich
Kostüme/Kostümbild – Jürgen Knoll
Maske/Maskenbildner – Andrea Allroggen
Maske/Maskenbildner – Katharina Spich
Maske/Maskenbildner – Dorit Jur
Mischung – Dominik Rätz
Motivaufnahmeleitung – Matteo Canalis Wandel
Oberbeleuchter – Linus Liermann
Produktionsassistenz – Ines Frommholz
Produktionsleitung – Andreas Born
Produktionsleitung – Jörgen Radach
Produzent – Andreas Born
Produzent – Gloria Burkert
Regieassistenz – Walter Bednarik
Regieassistenz – Paul Uhlig
Requisite – Patricia Heymer
Requisitenfahrer – Wolfgang Zuber
Schnitt – Gunnar Wanne-Eickel
Set-Aufnahmeleitung – Daniel Pfennigstorf
Sounddesign – Andreas Hintzsch
Standfotografie – Frederic Batier
Stunt Koordination – Rainer Werner
Szenenbild – Zazie Knepper
Szenenbildassistenz – Martina Dimitrova
Ton/Filmtonassistenz – Malte Schmidt
Ton/Filmtonmeister – Achim Strommenger-Reich
Videooperator – Sarah Vetter

Weitere Meinungen und Rezensionen

Tittelbach.tv: Stephan Wagner macht im „Tatort – Gegen den Kopf“ernst mit dem oft beschworenen, selten eingelösten Diktum vom Krimi als Spiegel der Gesellschaft. Der sinnlose Tötungsakt in einer Berliner U-Bahnstation ist eingebettet in ein interaktives Bündel aus sozialen, politischen und psychologischen Motiven…

Spiegel.de: Das Urteil aber bleibt: Ambition alleine reicht nicht, es braucht auch einen Filmemacher, der harte und zermürbende Polizeiarbeit zeigen kann, ohne dass es für den Zuschauer hart und zermürbend ist. Autor und Regisseur Stephan Wagner ist so einer.

Focus.de: Lohnt es sich, am Sonntag einzuschalten? Ja. Vor allem Dingen deshalb, weil der darin noch unbeleckte Zuschauer relativ viel erfährt über die Möglichkeiten, die die moderne Kommunikationstechnik Ermittlern zum Beispiel bietet. Ein Crash-Kurs quasi.

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