Gestern war kein Tag – Tatort München – Folge 803

by on 5. Juni 2011

Die Münchner Kriminalhauptkommissare Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) und Ivo Batic (Miroslav Nemec) werden zu einem scheinbar normalen Einsatz am Stadtrand gerufen. Dort wartet in einer Glaserei der Inhaber Max Lasinger, der direkt gesteht, dass er einen Einbrecher gesehen habe und diesen stellen wollte. Als der Mann jedoch auf ihn losging, habe er sich gewehrt und um sich geschlagen. Die erste Schlussfolgerung der Ermittler ist Notwehr. Doch so einfach scheint der Fall nicht zu sein, denn der Tote ist Lasingers Sohn Bernd.

Gestern war kein Tag Tatort München

Gestern war kein Tag - Tatort München / Bild: BR/Barbara Bauriedl

In der Familie und Bernds Ehe gibt es etliche Probleme. Während er in der elterlichen Wohnung geblieben ist, zog seine Frau Karin und der gemeinsame Sohn Tobias zu Schwiegervater Max Lasinger. Die Glaserei ist hoch verschuldet, denn Max leidet an Demenz und lebt mehr und mehr in seiner eigenen Welt. Außerdem muss er dringend betreut werden, was sich die Familie wiederum nicht leisten kann. Deshalb haben sie die hübsche Bulgarin Dana engagiert, die Bernd aus einem Urlaub mit nach Deutschland brachte. Kurz vor dem Bernds Tod gab es einen heftigen Streit zwischen ihm und Dana. Sohn Tobias erlebte diesen Streit hautnah mit, allerdings ist er hin- und hergerissen, denn er mag die hilfsbereite und sympathische Dana und hat zu seinem Vater ein eher gestörtes Verhältnis.

Da sich sowohl die Familienangelegenheiten und als auch die Probleme in der Glaserei schon lange nicht mehr regeln lassen, wurde der Rechtsanwalt Stefan Roggendorf mit dem Fall beauftragt und wird von seiner Frau, der Ärztin Dr. Christine Seifert unterstützt. Der Fall nimmt schließlich eine dramatische Wendung, denn Franz Leitmayr und Ivo Batic stoßen auf ein sehr bedenkliches Vermittlersystem, bei dem illegale, aber doch menschenwürde häusliche Pflege aufeinander treffen.

Sebastians Bewertung: ★★★☆☆☆☆☆☆☆

Nach einem interessanten und spannenden Beginn bewegt sich der Tatort “Gestern war kein Tag” hin zu einem, um Demenz kreisenden und äußerst schwerfälligen Trauerspiel. Die Kommissare Ivo Batic (Miroslav Nemec) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) lassen sich von der Lethargie des Plots anstecken und können auch nichts zum Spannungsbogen und Dramaturgie beitragen. Besonders die seltsame und dilettantisch anmutende Ermittlungsreihenfolge erzeugt beim Fernsehzuschauer einiges Runzeln auf der Stirn. Darstellerischer Lichtblick ist Günther Maria Halmer, der als demenzkranker Großvater zur Höchstform aufläuft. Kamera und Bild wirken passend. Auffällig ist die häufige, helle Farbgebung mit wenigen bunten Aspekten. Die Ausstattung ist passend, aber ebenfalls nicht besonders einfallsreich. Das Requisitenhighlight stellen die farbigen Kirchenglasfenster dar.

Insgesamt ist „Gestern war kein Tag“ ein mehr als enttäuschender Fall aus München, von den Ermittlern und Autoren wir normalerweise Spitzenunterhaltung gewohnt sind. Wieder einmal hat ein Tatort, der ein gesellschaftliches Problem aufzeugen soll, nicht als Krimi funktioniert. Es ist die eine Sache, für ein wichtiges Thema wie Altersdemenz ein Bewusstsein zu schaffen, aber eine andere, dies in spannende Unterhaltung zu verpacken. Bedauerlicherweise werden zu oft Einzelschicksale herangezogen, ohne die ganze, dramatische Brisanz des Themas auf den Punkt zu bringen. Schade, um einen doch sonst so guten Münchner Tatort.

Majas Bewertung: ★★★★☆☆☆☆☆☆

“Gestern war kein Tag” beginnt zwar relativ vielversprechend, allerdings steigt der Spannungsbogen dann nur sehr langsam an. Die beiden Kommissare tappen lange auf der Stelle und die Handlung kommt nicht wirklich voran. Franz Leitmayr und Ivo Batic arbeiten professionell und sachlich. Insgesamt ein gutes Team, auch wenn die beiden oft unterschiedliche Meinungen haben aber trotzdem immer an einem Strang ziehen. Die Geschichte um den demenzkranken alten Mann hat keine besonderen Höhepunkte und die Familie des Toten wirkt extrem gelassen. Bild und Ton sind in dieser Tatort-Folge eher unauffällig.

Fazit: Wieder ein gesellschaftskritisches Thema, welches an der Umsetzung viele Defizite aufweist und den Zuschauer nicht die gesamte Sendezeit über mitreißen kann.

Sendeinformationen

Sendelänge – ca. 90 Minuten
Drehbuch – Pim Richter, Daniela Mohr
Regie – Christian Görlitz
Erstsendung – 05.06.2011
Produktionssender – BR
Produktionsfirma – TV60 Filmproduktion Bernd Burgemeister
Drehort – München
Bildformat – 16:9
Redaktion – Claudia Simionescu

Besetzung

Kriminalhauptkommissar Franz Leitmayr – Udo Wachtveitl
Kriminalhauptkommissar Ivo Batic – Miroslav Nemec
Karin Lasinger – Johanna Gastdorf
Max Lasinger – Günther Maria Halmer
Tobias Lasinger – Kai Malina
Dana – Vesela Kazakova
Stefan Roggendorf – Jürgen Tarrach
Dr. Christine Seifert – Sarah Masuch
Georg Weingärtner – Michael Grimm
Gerichtsmediziner – Oliver Mallison
Dr. Neuhaus – Anian Zollner
u.a.

Stab

Musik: Stephan Massimo
Kamera: Andreas Höfer
Buch: Pim Richter und Daniela Mohr
Regie: Christian Görlitz

Weitere Meinungen und Rezensionen

Evangelisch.de: “Christian Görlitz inszeniert die Geschichte, die ja durchaus tragisches Potenzial hat, nie als Tragödie, im Gegenteil; manche Szene gerade mit Halmer ist sogar komisch, zumal man sich gemeinsam mit den Kommissaren in der Tat nie sicher sein kann, ob Lasinger, der alte Spitzbube, sie nicht doch bloß alle an der Nase rumführt.”

Eco2001: “Besonders weil die Geschichte mit gleich mehreren originellen Einfällen aufwartet, zudem glaubhaft realistisch erzählt wird und mit Johanna Gastdorf und Günther Maria Halmer zwei herausragende Akteure mitwirken.”

DerWesten.de: “Man ahnt schon früh, dass man durch die Aufklärung des Falls kaum zufriedengestellt wird. Was bleibt sind Trostlosigkeit und Resignation. Es ist halt so wie es ist. Passt scho!”

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Bewertung: 6.3 von 10 (3 Bewertungen insgesamt.)
Gestern war kein Tag - Tatort München - Folge 803, 6.3 out of 10 based on 3 ratings

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nadja Juni 6, 2011 um 08:59

mich hat das ganze an brecht erinnert, da dank der anfangsszene mit den frauen von offensichtlich ausländischer herkunft irgendwie schon alles klar war….dann auch noch diese seltsame ermittlungsstrategie…es war der seltene fall, dass ich den tatort wirklich als sehr langatmig empfand, weil es einfach nicht spannend war….schade eigentlich, denn der alte lasinger war wirklich grandios…

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Glaserei München Dezember 19, 2012 um 15:07

Ich finde beim Tatort immer ein bisschen Schade dass wenn man auch nur die ersten 5 Minuten verpasst man nicht mehr reinkommt. Ich bin aber leider selten Punkt 20:15 Uhr zu Hause. LG Rita

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Redaktion Dezember 26, 2012 um 21:49

Hallo Rita, die Erstausstrahlungen findest du auch alle in der Mediathek bei DasErste bzw. der ARD, die dann für 7 Tage online verfügbar sind. Viel Spaß beim Tatort.

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