Hanglage mit Aussicht – Tatort Luzern – Folge 840

by on 26. August 2012

Endlich ist die lange Sommerpause zu Ende und die ARD hat uns mit einem neuen Tatort aus der Schweiz beglückt. In “Hanglage mit Aussicht” müssen sich die Kommissare Reto Flückiger (Stefan Gubser) und Liz Ritschard (Delia Mayer) mit dem Tod des Luzerner Mäzen Benjamin Gross auseinandersetzen. Dieser war nach einer Party auf der Wissifluh aus der Seilbahn gefallen, so dass zunächst alles nach einem Unfall aussah. Doch schon die ersten Ergebnisse der Spurensicherung zeigen: Es muss beim Sturz aus der Seilbahn nachgeholfen worden sein.

Hanglage mit Aussicht Tatort Luzern

Hanglage mit Aussicht – Tatort Luzern / Bild: SWR/SRF/Daniel Winkler

Vor Ort angekommen vernehmen die Ermittler erst einmal den Bauern Rolf Arnold (Peter Freiburghaus), der gleichzeitig auch der Eigentümer der Wissifluh ist. So erfahren sie, dass dessen Tochter Claudia (Sarah Sophia Meyer) eine Affäre mit dem Opfer hatte und der Mäze starkes Interesse daran hatte in Wissifluh zu investieren. Beides gefiel dem alten Bauern gar nicht, sodass er mit Gross am Tag der Feier in einen heftigen Streit geriet. Unter den Zeugen des Disputs befand sich auch Regierungsrat Mattmann, der am liebsten schnelle Ergebnisse von den Beamten sehen will und Albrecht für den Täter hält. Auch die Schlagersängerin und Noch-Ehefrau des Toten Maria Imbach war auf der Party zugegegn.

Die Ermittler verfolgen unterdessen die Spur eines Drohbriefes, welcher Gross kürzlich zugegangen war. Als möglicher Absender stellt sich Heiko Sievers heraus. Der Ex-Freund von Claudia Arnolds bleibt allerding alle Antworten schuldig, als er vor der Polizei flieht und völlig untertaucht. Liz erfährt durch die Bank der Arnolds, dass die finanzielle Situation nicht gerade herausragend war. So hatte vor kurzem im Auftrag von Gross eine Stiftung ein großzügiges Darlehen gewährt und somit die Wissifluh vor der Insolvenz gerettet. Es entwickelt sich ein spannender Fall, zwischen Liebe, Geld, Immobilien und der Frage wie man es schafft, in eines der schönsten Berggebiete der Schweiz ein neues Hotel zu bauen.

Sebastians Bewertung: ★★☆☆☆☆☆☆☆☆
Im neuen Schweizer Tatort „Hanglage mit Aussicht“ dreht sich alles um Bauer Arnold, dessen Almhof mit Gasthaus „Wissifluh“ kurz vor der Insolvenz steht. Ausgerechnet Mäze Gross, der neben einer Affäre mit Albrechts Tochter dem Hof kürzlich einen erheblichen Kredit gewährte, wurde ermordet. Dem erfahrenen Zuschauer wird direkt klar: es geht um Gut gegen Böse, um den durchgeknallten Bauern und den Verlockungen der Immobilienhaie, die Politik und Landbesitzer ausspielen müssen, um überhaupt eine Möglichkeit auf attraktiven Baugrund zu haben.

Die schauspielerische Leistung ist kaum zu beurteilen, da die albernen Dialoge und die mühsame Handlung jegliche Form Dynamik und Spannung im Keim ersticken. Da muss schon einmal der Strom abgeschaltet und dramatische Musik hinterlegt werden, um den Zuschauer wenigstens noch etwas bei der Stange zu halten. Die Bildsprache ist zumeist sehr realistisch gestaltet, in besonders „spannungsgeladenen“ Szenen kommen Farbfilter zum Einsatz. Immerhin werden einige schöne Positionen für die Kamera gefunden, sodass es dann doch noch etwas Interessante so entdecken gibt.

Insgesamt ist dem Schweizer Fernsehen mit „Hanglage mit Aussicht“ leider ein unterdurchschnittlicher Tatort gelungen, dessen Schwächen vor allem im Drehbuch zu finden sind. Nach dem unterirdischen Debüt Wunschdenken und der Steigerung im letzten Tatort Skalpell hat man nun wieder einen Rückschritt in hölzerne Magerkostzeiten vollzogen, die den eigentlich sauber skizzierten Charakteren und dem Schweizer Charme gar nicht gerecht werden.

Majas Bewertung: ★★★☆☆☆☆☆☆☆
Die Tatort-Sommerpause wurde mit einer Luzerner Folge eingeläutet und endet nun auch wieder mit einem Tatort aus der Schweiz. Allerdings haben sich die Macher von “Hanglage mit Aussicht” gründlich vertan, denn der Tatort ist sehr langsam und kommt nicht richtig in Schwung. Auch die Musik kriecht nur so dahin und kann kaum Spannung vermitteln. Die Kommissare Reto Flückiger (Stefan Gubser) und Liz Ritschard (Delia Mayer) müssen sich mit den Machenschaften der Bankberater, Steueranwälte und Regierungsbeamte herumschlagen, denen sie teilweise kaum gewachsen sind. Dementsprechend schlecht ist die Stimmung. Kommissar Reto Flückiger und seine Kollegin Liz Ritschard hatten auch schon bessere Zeiten. Liz Ritschard sieht die gesamte Folge über eher verschlafen und lustlos aus. Reto Flückiger strotzt vor schlechter Laune, sodass sich die beiden einige Male anfahren. Ein gutes Team sieht anders aus.

Glaub man den vielen Tatort-Tweets auf Twitter, wurde auf die Synchronisierung kaum Wert gelegt und mal eben nebenher gemacht. Schade, dass in diesem Bereich niemand dazulernt, denn die Stimmen gegen die schlechte Synchronisierung werden von Mal zu Mal lauter. Ein paar wenige Panoramabilder machen den Tatort “Hanglage mit Aussicht” auch nicht wirklich sehenswert. Zu guter Letzt muss gesagt werden, dass leider die gesamte Handlung auf der Strecke bleibt. Auch wenn es im letzten Drittel etwas besser um die Stimmung der Kommissare steht und der Krimi an etwas Schnelligkeit gewinnt, ist es etwas zu spät. Schade, denn der erste Tatort nach der Sommerpause hätte so viel spannender sein können.

Sendeinformationen
Sendelänge – 88:30
Drehbuch – Felix Benesch
Regie – Sabine Boss
Erstsendung – 26.8.2012
Produktionssender – SF
Drehort – Luzern, Vitznau, Wissifluh
Bildformat – 16:9
Redaktion – Stefan Hoffmann, Lilian Räber

Besetzung
Kommissar Reto Flückiger – Stefan Gubser
Liz Ritschard – Delia Mayer
Ernst Schmidinger – Andrea Zogg
Eugen Mattmann – Jean-Pierre Cornu
Yvonne Veitli [Kriminaltechnikerin] – Sabina Schneebeli
Marcel Küng – Martin Klaus
Beat Odermatt – Matthias Fankhauser
Claudia Arnold – Sarah Sophia Meyer
Rolf Arnold – Peter Freiburghaus
Louis Kälin – Imanuel Humm
Jonas Bättig – Aaron Hitz
Heiko Sievers – Gabor Biedermann
Tontechniker – René Zingg
Lehrtochter Jessie – Patrizia Maio
Mitarbeiterin im Bauamt – Hanna Scheuring
Sekretärin von Mattmann – Gabi Gasser
Maria Imbach – Maja Brunner
Benjamin Gross – Edouard Stöckli

Stab
Assistent der Set-AL – Julian Underwood
Aufnahmeleitung – Petra Wild
Ausstattung – Su Erdt
Beleuchter/Beleuchtungstechnik – Simon Wyss
Besetzung/Casting – Ruth Hirschfeld
Besetzung/Casting – Roland Hüttner
Continuity – Sonja Zoe Simijonovic
Herstellungsleitung – Esther Rutschmann
Kamera – Roli Schmid
Kameraassistenz – Andreas Schneuwly
Kameraassistenz – Marie Zahir
Komparserie – Christian Casper
Kostüme/Kostümbild – Monika Schmid
Maske/Maskenbildner – Marc Hollenstein
Maske/Maskenbildner – Marina Aebi
Mischtonmeister – Markus Krohn
Mischung – Holger Lehmann
Montage – Stefan Kälin
Musik/Filmkompositionen – Fabian Sturzenegger
Oberbeleuchter – Christoph Eser
Produktionsassistenz – Andrea Blaser
Produktionsleitung – Christos Dervenis
Produktionsleitung – Claudia Sontheim
Produzent – Christian Davi
Produzent – Thomas Thümena
Regieassistenz – Roger Schweizer
Regieassistenz – Beatrice Minger
Requisite – Ursi Buchmann
Requisite – Nicole Hösli
Requisite – Chloé Pompon Levainville
Sounddesign – Thomas Neumann
Stunt Koordination – Marcel Stucki
Synchronregie – Ruedi Ruch
Ton/Filmtonassistenz – Bernd von Bassewitz
Ton/Filmtonmeister – Christian Lutz

Weitere Meinungen und Rezensionen

Faz.net: Zudem sorgen die Filmemacher für einen leicht zu übersehenden Clou: Den Jetset-Investor Gross, dem es hier so schnell an den Kragen geht, spielt Edouard Stöckli, der Jetset-König des Schweizer Schmuddelfilmgewerbes und besser bekannt als „Porno-Edi“, der jüngst in die Schlagzeilen geriet, weil er nach Meinung der Staatsanwaltschaft Kiel als Scheininvestor in den Finanzskandal um den abgestürzten Beate-Uhse-Konzern verwickelt sein soll.

Süddeutsche.de: Dialoge wie aus dem Fernsehmuseum, man kann sich alles in Schwarz-Weiß vorstellen. Zu den überraschenderen Momenten gehört immer der Augenblick, in dem Flückigers Kollegin sich irgendwo vorstellt und ihren Namen nennt. Liz Ritschard heißt die Frau, aber im Halbschlaf, in dem man sich als Zuschauer dieses Tatorts sehr schnell befindet, hört es sich an, als sage sie “Keith Richards”.

Spiegel.de: Hier nun gehen die Verantwortlichen mit einem rabiaten Skeptizismus gegenüber dem Schweizer Finanzsystem an die Arbeit: Der drohende Amoklauf von Alm-Öhi Arnold, der mit Landwirtschaftsgerät und entwendeten Polizeiwaffen antritt, um seinen Hof zu verteidigen, wird als plausibel und stolz dargestellt – riech’ an meiner Mistgabel, Investor!

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nadeshda August 27, 2012 um 11:18

ich hab den tatort mit freunden geschaut und meine lieblingskommentare zum film waren:
“wieso fragt der mann, ob das das gleiche schwarze auto ist?! ein mann würde doch sagen: ist das nicht der schwarze audi von gestern?!!”
“diese kommissarin braucht einfach ganz dringend einen mann… die schauspielerin wahrscheinlich auch, sonst könnte die das gar nicht so schlecht spielen…”

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