Hochzeitsnacht – Tatort Bremen – Folge 843

by on 16. September 2012

Im Tatort “Hochzeitsnacht” sind die beiden Bremer Ermittler Inga Lürsen (Sabine Postel) und Nils Stedefreund (Oliver Mommsen) auf einer Hochzeitsfeier eingeladen und werden, wie die anderen Gäste auch, Opfer eines Verbrechens. Kommissar Stedefreund vertritt sich draußen die Füße, währenddessen die Feier von zwei maskierten Männern gestürmt wird.

Hochzeitsnacht Tatort Bremen

Hochzeitsnacht – Tatort Bremen / Bild: Radio Bremen/Jörg Landsberg

Hauptkommissarin Lürsen versucht Herr über die außergewöhnliche Situation zu werden, doch die beiden maskierten Männer machen es ihr nicht einfach. Stedefreund versucht seine Polizei-Kollegen zu alarmieren, als er zum Gasthaus zurückkehrt und beginnt, die Lage zu verstehen. Der Hochzeitsgesellschaft und Inga Lürsen wird schnell klar, dass es sich wohl kaum um einen harmlosen Raubüberfall handelt. Einer der beiden Männer versucht Informationen über eine seit mehreren Jahren tote Frau zu bekommen und die Umstände geraten immer mehr außer Kontrolle.

Dann ist plötzlich ist auch noch der Vater der Braut ermordet und die Kommissarin stellt fest, dass die Geiselnehmer diesen Mord kaum begangen haben können…

Mit dem Fall “Hochzeitsnacht” feiert der Tatort Bremen sein 15jähriges Jubiläum. Sabine Postel ermittelte am 28. Dezember 1997 das erste Mal als Hauptkommissarin Inga Lürsen in “Inflagranti” und konnte bis heute insgesamt 25 Fälle lösen. Vor elf Jahren erhielt sie dann von Oliver Mommsen als Kommissar Stedefreund Unterstützung. Ihre erste gemeinsame Tatort-Folge war “Eine unscheinbare Frau”. Sabine Postel freut sich immer wieder auf neue Herausforderungen und gerade im aktuellen Tatort ist die Situation sehr brisant, denn sie selbst ist unter den Opfern.

Einer der beiden Verbrecher ist übrigens der Rapper Ferris MC (bürgerlicher Name Sascha Reimann), bekannt auch als Mitglied der Band Deichkind – wir haben bereits über den Gastschauspieler berichtet.

Sebastians Bewertung: ★★★★☆☆☆☆☆☆
Im neuen Bremer Tatort „Hochzeitsnacht“ geraten Inga Lürsen (Sabine Postel) und Nils Stedefreund (Oliver Mommsen) plötzlich in den Überfall auf eine Hochzeitsgesellschaft. Vor wenigen Momenten wurde noch ausgelassen gefeiert, nun aber regiert Panik und Entsetzen das Geschehen. Die beiden schwer bewaffneten Täter Wolf (Denis Moschitto) und Simon (Sascha Reimann aka „Ferris MC“) gehen mit großer Härte gegen die Gäste vor und plötzlich ist ein Gast tot. Doch Inga Lürsen ist sofort klar, dass es die beiden Gangster nicht gewesen sein können. Da niemand hinaus und hinein kann, entwickelt sich eine klassische Detektivgeschichte: Der Mörder ist im Kreis der Feiernden, doch Motiv und Täter sind unklar.

Die schauspielerische Leistung der Darsteller ist gut, an einigen Stellen wirkt es etwas überspielt, an anderen hätte man sich mehr Emotionen gewünscht. Die Handlung hat leider so ihre Schwächen und kommt sehr konstruiert daher. Stedefreund muss erst seine Hose verlieren und der Partyort in einem Empfangsloch liegen, damit das Konzept aufgeht. Auch das Agieren der vor der Tür postierten Polizei kommt wieder einmal sehr dilettantisch daher. Einziger Spannungshebel ist der fragliche Täter und das Interesse an der Vergangenheit und den Verstrickungen innerhalb der Dorfgemeinschaft. Kamera und Ton sind solides Fernsehhandwerk. Zu beginnt wird sehr mit Filtern und schnellen Schnitten agiert, um die Partystimmung einzufangen. Leider vermag diese Sequenz nicht zum Rest der Geschichte passen.

Insgesamt ist dem NDR mit „Hochzeitsnacht“ ein Tatort der Mittelklasse gelungen. Buch und Konzept sind nicht sonderlich innovativ, haben jedoch ihren eigenen Charme. Die Spannung wird zwar aufrecht erhalten, aber so richtig vom Hocker haut die Geschichte den Zuschauer dann doch nicht. Die Wendungen am Ende sind vorhersehbar, die vielen Konstruktionen nerven einfach nur. Es wird langsam einfach Zeit, dass Bremen mal wieder mit einem richtig guten Tatort um die Ecke kommt. Mit Mittelklasse wird das auf Dauer nichts.

Majas Bewertung: ★★★★★★☆☆☆☆
Der Tatort beginnt mit einer kitschig-ausgelassenen Hochzeitsfeier. Stedefreund (Oliver Mommsen) ist eingeladen ist und nimmt seine Kollegin Inga Lürsen (Sabine Postel) als “Anstandswauwau” mit. Den Ermittlern steht das Feiern ganz gut, denn die beiden sind sonst eher zurückhaltend und gehen kaum so freundschaftlich miteinander um. Nils Stedefreund kommt allerdings schnell an seine Grenze und verlässt die Feier um mit dem Hund nach draußen zu gehen. Spätestens als er seine Hose verliert, muss man laut loslachen, denn die ganze Situation ist schon ziemlich absurd. Zeitgleich stürmen zwei Geiselnehmer die Feier. Sie gehen extrem brutal vor. Simon (Sascha Reimann) schreit nur so vor sich hin und schnell wird klar, dass Ferris MC, der im Tatort “Hochzeitsnacht” eine Gastrolle angenommen hat, seiner Rolle absolut gerecht wird. Er spielt sehr glaubwürdig, was ihn schon fast wieder symphatisch wirken lässt. Ein Bösewicht durch und durch, so wie er es wollte. Die Rolle scheint ihm also auf den Leib geschneidert zu sein.

Interessant an diesem Tatort ist die gesamte Handlung, denn die Kommissarin ist selbst Opfer. Während Stedefreund die meiste Zeit in der Dunkelheit umherirrt und erst sehr spät seine Kollegen zu alamieren, muss sich Inga Lürsen mit den Gängstern auseinandersetzen. Sie versucht den eigentlichen Mord aufzuklären, der bereits neun Jahre zuvor geschehen ist. Eine verzwickte Dorfgeschichte, jeder kennt jeden, aber doch ist die Wahrheit bisher nicht ans Licht gekommen. Lürsen spielt die verständnisvolle Mutti Kommissarin – und hat damit Erfolg. Doch es dreht sich alles im Kreis. Die Spannung flacht immer wieder ab, denn die Handlung will sich nicht so recht weiterentwickeln. Und auch das provisorische Kommissariat inmitten des laubbedeckten Wäldchens, in dem Stedefreund und sein Vorgesetzter über Kompetenzen streiten will sich nicht so recht in die eigentliche Handlung eingliedern.

Nachdem der Kieler Tatort letzte Woche eher gruselig gewesen ist, kann der Tatort “Hochzeitsnacht” aus Bremen durchaus als brutales Kammerspiel bezeichnet werden. Positiv ist die Schauspielerei der beiden Kommissare zu bewerten, Lürsen als Ermittlerin und Stedefreund als Statist. Insbesondere Ferris MC macht als Geiselnehmer Simon eine wirklich gute Figur.

Sendeinformationen
Sendelänge – 88:30
Drehbuch – Jochen Greve
Regie – Florian Baxmeyer
Erstsendung – 16.9.2012
Produktionssender – RB/WDR
Produktionsfirma – Bremedia
Drehort – Bremen, Weyhe – Melchiorshausen
Bildformat – 16:9
Redaktion – Annette Strelow (RB), Götz Schmedes (WDR)

Besetzung
Hauptkommissarin Inga Lürsen – Sabine Postel
Hauptkommissar Nils Stedefreund – Oliver Mommsen
Wolf Koschwitz – Denis Moschitto
Simon – Reimann Sascha “Ferris”
Andreas Biebermann – Arved Birnbaum
Rieke – Julie Engelbrecht
Oma Koschwitz – Barbara Nüsse
Oswald – Michael Witte
Rainer – Timo Jacobs
Nico – Henning Nöhren
Hans Strache – Tobias Langhoff
Petra Strache – Pamela Knaack
Frau Brinkmann – Marion Breckwoldt
Herr Brinkmann – Oliver Breite
Schröder – Ulrich Bähnk
N.N – Christoph Jacobi
N.N – Wolfgang Lintl
Paul – Paul

Stab
Assistent der Set-AL – Johanna Paulke
Aufnahmeleitung – Michael von Wolfframsdorff
Außenrequisite – Anja Badeck
Beleuchter/Beleuchtungstechnik – Tim Bantien
Besetzung/Casting – Gitta Uhlig
Bühnenbild – Ralf Wahl
Continuity – Anna Slaba
Garderobe – Erika Haertel
Garderobe – Kristina Russbach
Herstellungsleitung – Kirsten Lukaczik
Innenrequisite – Anna Alaeddine
Kamera – Marcus Kanter
Kameraassistenz – Philipp Schöttner
Kameraassistenz – Hagen Schöne
Kostüme/Kostümbild – Astrid Karras
Lichttechnik – Jochen Kratzheller
Maske/Maskenbildner – Elisabeth Harlan
Maske/Maskenbildner – Samira Ghassabeh
Mischung – Stefan Korte
Mischung – Malte Bieler
Musik/Filmkompositionen – Stefan Hansen
Producer – Seth Hollinderbäumer
Produktionsassistenz – Julia Sliwa
Produktionsbüro – Erik Kokoski
Produktionsleitung – Frank Berszuck
Produzent – Bernd Bielefeld
Regieassistenz – Michel Vrinten
Schnitt – Elke Schloo
Schnittassistenz – Oliver Bronner
Set-Aufnahmeleitung – Manuela Rusch
Steadicam – Martin Lippert
Szenenbild – Heike Lauer-Schnurr
Ton/Filmtonassistenz – Tina Schulte
Ton/Filmtonassistenz – Bianca Ihnken
Ton/Filmtonmeister – Frank Buermann

Weitere Meinungen und Rezensionen

Focus.de: Der Bremer „Tatort“ begeht eines der Kapitalverbrechen der Krimi-Unterhaltung: erzählerische Schlampigkeit. Er will Whodunit-Mördersuche (fest umrissener Kreis von Verdächtigen auf engstem Raum), Provinz-Psychogramm (ein Dorf und sein Geheimnis) und Geisel-Thriller zugleich sein. … Weil so viel nicht in 90 Minuten passt, der Plot deshalb konstruiert wirkt, die Charaktere oberflächlich bleiben und die Geschichte damit durchweg unglaubwürdig gerät.

Tittelbach.tvEs sieht so aus, als ob kein Schauspieler bei seinen Einsätzen so richtig wusste, in welchem Teil des Films sich diese Szene eigentlich befindet. Ein solches Thriller-Drama-Kammerspiel braucht ein klares Phasenmodell der Gefühle. Und die Hauptfiguren müssen sich ein solches Phasenmodell für ihren Charakter zurechtlegen, um ihm Tiefe und der Geschichte einen emotional glaubwürdigen Flow zu geben.

Quotenmeter.de: Fazit: Der Bremer «Tatort» hat dramaturgisch und inszenatorisch experimentiert – und damit eine der besten Folgen seiner Geschichte geliefert.

VN:F [1.9.22_1171]
Jetzt diesen Tatort bewerten!
Bewertung: 5.0 von 10 (12 Bewertungen insgesamt.)
Hochzeitsnacht - Tatort Bremen - Folge 843, 5.0 out of 10 based on 12 ratings

Ihren XING-Kontakten zeigen

{ 0 comments… add one now }

Leave a Comment

{ 1 trackback }

Previous post:

Next post: