Im Namen des Vaters – Tatort Frankfurt – Folge 855

by on 26. Dezember 2012

Es ist Neujahrsmorgen in Frankfurt am Main. Verkatert und dehydriert werden die Kommissare Frank Steier (Joachim Król) und Conny Mey (Nina Kunzendorf) auf des Gelände eines Schulhofs gerufen. Dort wurde von einem anonymen Anrufer die Leiche einer Frau gemeldet. Als die Kommissare den Fundort erreichen, hat die Spurensicherung bereits die Arbeit aufgenommen und auch die Identität der Toten ist schon geklärt: Es handelt sich um Agnes Brendel (Anna Böttcher), eine im Viertel sehr bekannte Frau mit Hang zum Alkohol und wechselnden Liebschaften.

Im Namen des Vaters - Tatort Frankfurt

Im Namen des Vaters – Tatort Frankfurt / Bild:HR/Johannes Krieg

Die Hauptkommissare Steier und Mey hören sich daraufhin im Viertel um. Eine so bekannte Person wird sicher aufgefallen sein. Die Rekonstruktion der letzten Stunden gestaltet sich wie erhofft relativ einfach. Der Wirt aus Brendels Stammkneipe kann sich gut an den Silvesterabend erinnern und hat das Opfer noch in Begleitung des örtlichen Paters gesehen, zu dem sie eine vertrauensvolle Freundschaft pflegte und auch oft zu den Messen des Paters in die Kirche ging. Doch die Aussagen aller Beteiligten lassen Zweifel aufkommen, was mit Agnes in der fraglichen Zeit passiert ist. Wurde sie ein gezieltes Opfer oder war sie nur zufällig zur falschen Zeit am falschen Ort? Auch die Aussagen des Paters und ihres Lebensgefährten Viktor widersprechen sich zum Teil. Die Kommissare tappen noch im Dunkeln, zu stark ist der Rausch der vergangenen Nacht.

Sebastians Bewertung: ★★★★★★★☆☆☆
Der neue Frankfurter Tatort “Im Namen des Vaters” thematisiert den alltäglichen Alkoholismus in Deutschlands Städten. Die Handlung ist schlüssig und wurde wieder einmal nach einer wahren Begebenheit inszeniert. Etwas enttäuschend ist da schon, dass sich die Auflösung relativ leicht vorhersehbar gestaltet. Die Spannung muss ein wenig hinter den Milieugeschichten zurücktreten und will nicht so richtig entfachen. Schauspielerisch kann vor allem Joachim Król aus dem Vollen schöpfen, während Nina Kundendorf – ausgestattet mit frischer Kurzhaarfrisur – kaum ihr Können zeigen kann. In Sachen Bildsprache wird auf dunkle, aber stark kontrastreiche Settings gesetzt. Außerdem wird auf Split-Screens zurückgegriffen, um die Handlung zu beschleunigen und parallele Erzählstrecken zu ermöglichen. Auf Musik wird fast komplett verzichtet, einzig die Silvestersequenz bekommt eine stimmungsvolle Untermalung.

Insgesamt ist dem Hessischen Rundfunk mit “Im Namen des Vaters” ein klassisch guter Tatort gelungen, auch wenn dieser vierte Fall des Duos Król / Kunzendorf vielleicht noch der Schwächste dieser Reihe ist, da die Auflösung des Falls für den Zuschauer sehr schnell zu durchschauen ist und es etwas an Spannung mangelt. Vor allem aber die vielen, sehr guten Nebendarsteller verleihen diesem Milieu-Tatort die richtige Stimmung und überzeugen mit gutem Schauspiel. So bekommen wir immer noch einen guten, aber dunklen Tatort zu sehen, der am zweiten Weihnachtsfeiertag den richtigen Kontrast zum Traumschiff auf dem ZDF bietet.

Majas Bewertung: ★★★★★★★★☆☆
Der Tatort “Im Namen des Vaters” beginnt in der Silvesternacht mit ausgelassenen Stimmung, die – auch im Polizeipräsidium – nicht zuletzt dem Alkohol zuzuschreiben ist. Um so schwerfälliger beginnen am Neujahrsmorgen die Ermittlungen, denn der Tod von Agnes Brendel (Anna Böttcher) muss aufgeklärt werde. Die Frau wurde morgens tot aufgefunden.

Die beiden Hauptkommissare Conny Mey (Nina Kunzendorf) und Frank Steier (Joachim Król) sind sich nicht mehr so ganz einig, ob sie sich seit der Silvesterfeier duzen oder immernoch siezen, außerdem kann sich Steier nicht mehr an seine guten Vorsätze erinnern. Während er seinen Kater mit Aspirin zu bekämpfen versucht, macht sich seine Kollegin Mey über ihn lustig. Steier ist wie gewohnt mürrisch, teilweise jedoch auch verwirrt und scheint nicht immer ganz bei der Sache zu sein. Schauspielerisch kann er in dieser Folge glänzen. Conny Mey dagegen zeigt sich übermotiviert, fröhlich und hat sichtlich Spaß an der Arbeit – auch nach einer durchzechten Silvesternacht. Der Pater des Frankfurter Viertels führt ein schillerndes Leben und treibt sich anscheinend gerne in den umliegenden Kneipen rum und bringt so etwas Leben in den Fall. Positiv hervorgehoben werden muss die Schauspielerin Anna Böttcher, die zwar nur eine vergleichsweise kleine Rolle spielt, diese jedoch ausgesprochen glaubwürdig. Durch zahlreiche Rückblenden bekommt der Zuschauer einen guten Einblick in das Leben der ermordeten Agnes und die gesamte Handlung wird vorangetrieben. Einige brutale Szenen, beispielsweise der Boxkampf und auch die Entführung des Paters, lassen den Zuschauer das eine oder andere Mal zurückschrecken, geben dem Tatort aber etwas Spannung.

Ein eher ungewöhnlicher Tatort, der mit einem doch relativ unspektakulären Thema – aber nicht minder bedeutend – gut gelungen ist und für Unterhaltung sorgt. Die Frankfurter Kommissare können den Fall ohne große Anstrengungen lösen, doch trotzdem langweilt die Folge kaum.

Sendeinformationen
Sendelänge – 88:30
Drehbuch – Lars Kraume
Drehbuchvorlage – Axel Petermann
Regie – Lars Kraume
Erstsendung – 26.12.2012
Produktionssender – HR
Drehort – Frankfurt/Main und Umgebung
Bildformat – 16:9
Redaktion – Liane Jessen

Besetzung
Hauptkommissar Frank Steier – Joachim Król
Hauptkommissarin Conny Mey – Nina Kunzendorf
Chef der Mordkommission – Gerd Wameling
Viktor – Paulus Manker
Krabonke – Rainer Bock
N.N – Florian Lukas
Chris – Vincent Redetzki
N.N – Anna Böttcher
Frantik – Robert Viktor Minich
Viktors Freundin – Dijana Grilc
Boltanski – Horst Krebs
Friseurin – Dana Cebulla
Barkeeperin – Bettina Kaminski
Polizist – Jürgen Rißmann
N.N – Thomas Kautenburger

Stab
Continuity – Béatrice M. Hoffmann
Kamera – Armin Alker
Kameraassistenz – Nadine Lang
Kameraassistenz – Mareike Gut
Kameraassistenz – Nicole Dickhaut
Kamerabühne – Stefan Hübscher
Kostüme/Kostümbild – Lucas Dehler
Oberbeleuchter – Wolfgang Darmstädter
Regieassistenz – Rick Ostermann
Standfotografie – Johannes Krieg
Stunt Koordination – Rainer Werner

Weitere Meinungen und Rezensionen

Spiegel.de: Das ist ja das Großartige am Frankfurter “Tatort” generell: Selbst wenn er ins Säufermilieu hinabsteigt, erhebt er sich nie über die Figuren. Wie hier, vielleicht nur für wenige Sekunden, die Trinker im Koma-Suff Solidarität üben, das zeugt von wahrer Zärtlichkeit. Vor dem Fernseher gesessen, geweint.

NOZ.de: „Im Namen des Vaters“ spielt im Trinkermilieu, in dem Vollrausch, Sex und Gewalt unheilvolle Verbindungen miteinander eingehen. Dass es Vorstufen auf dem Weg in diese Hölle gibt, soll der Kommissar wohl andeuten. Einmal mehr spielen sich die Frankfurter in die Spitzengruppe der „Tatort“-Bundesliga. Wirklich schade, dass Nina Kunzendorf 2013 zum letzten Mal zu sehen ist.

Tittelbach.tv: „Schade, dass Nina Kunzendorf bereits nach dem fünften Fall ihre Cowboystiefel auszieht. Auch „Im Namen des Vaters“ ist ein ausgezeichneter, weil genrebewusster, stilsicherer Krimi, aber er zeigt – trotz der Zurückhaltung der Ermittler – auch ein ziemlich perfektes Kripo-Doppel, das wunderbar beiläufig seine Duftmarken hinterlässt.

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