Kalter Engel – Tatort Erfurt – Folge 885

by on 3. November 2013

In der Premiere des Erfurter Tatorts muss sich das jüngster Ermittler-Team Deutschlands mit dem Mord an drei Frauen beschäftigen. Schon zu Beginn wird nach einer Verfolgungsjagd mit Schießerei der mutmaßliche Täter Roman Darschner gefasst. Die Kommissare Henry Funck (Friedrich Mücke) und Maik Schaffert (Benjamin Kramme) haben den Fall aber doch noch nicht gelöst. Denn das letzte Opfer, die schöne Studentin Anna Siebert, will nicht so recht in die vorherigen Taten passen. Die 24-jährige wurde erschlagen an der Gera aufgefunden und die ersten Indizien lassen auf einen Nachahmungstäter schließen.

Kalter Engel - Tatort Erfurt

Kalter Engel – Tatort Erfurt/ Bild: MDR

Gemeinsam mit der unerfahrenen Polizei-Praktikantin und angehenden Staatsanwältin Johanna Grewel (Alina Levshin) , die ihnen von ihrer Chefin, Kriminaldirektorin Petra Fritzenberger (Kirsten Block), sprichwörtlich vor die Nase gesetzt wurde, starten die Kommissare ihre Ermittlungen erneut. Die Durchsuchung von Annas kleinem Studentenzimmer zeichnet ein ungewöhnliches Bild der Toten: Anna Siebert hatte nicht nur teure Klamotten, auch bereitete sie offenbar einen Umzug in eine große, neue Mietwohnung vor. Lisa Kranz und Valerie Bultmann, zwei Bekannte aus Annas Umfeld, beschreiben die Tote zudem als einen Menschen, der andere für seine Zwecke benutzte.

Woher hatte eine Studentin so viel Geld? Ein reicher Freund, ein “Sugar Daddy”? Oder war Anna wirklich die letzte getötete Frau des Roman Darschner? Oder wurde sie Opfer eines anderen Gewaltverbrechens? Dies sind nur einige der Fragen, die die jungen Kommissare und ihre Praktikantin bei ihren Ermittlungen immer tiefer in das studentische Milieu der heutigen Zeit führen. Am Ende entsteht ein spannendes Puzzle aus verletzter Liebe, Drogen, Gewalt – und die Frage, ob ein weiteres fragiles Leben noch rechtzeitig gerettet werden kann?

Sebastians Bewertung: ★★★★★☆☆☆☆☆
Die Premiere des Tatort Erfurt “Kalter Engel” spielt im Umfeld der Uni Erfurt und beleuchtet das Dasein der modernen, studentischen Leistungsgesellschaft. Zum Geldverdienen arbeiten junge Studentinnen beim Escort-Service, WGs dienen nur noch einem materiellem Zweck und Prüfungsstress wird mit Psychopharmaka bekämpft. In diesem Durcheinander ermitteln die Kommissare drei Frauenmorde, von denen sich bereits zwei direkt zu Beginn aufgeklärt haben. Dramaturgisch gibt der Fall leider wenig her, das Spiel ist leicht durchschaubar und kann den Zuschauer weder überraschen noch bannen. Die Dialoge sind erfrischend kurz und präzise gehalten und fast wäre es dem MDR auch gelungen, die Aufmerksamkeit über 90 Minuten beim Fall zu belassen, wenn nicht die eine oder andere private Episode dazwischen gekommen wäre.

Schauspielerisch haben die jungen Darsteller eine klasse Arbeit abgeliefert. Authentisch, erfrischen und nicht komplett humorbefreit wird der Fall abgehandelt. Dass Alina Levshin in ihrer Rolle als Polizei-Praktikantin das eigentlich Hirn hinter den Ermittlungen ist, wird brachial inszeniert und von ihr süffisant herausgearbeitet. Technisch hält sich Regisseur Thomas Bohm angenehm zurück, nur selten kommen Time-Laps und Überblenden zum Einsatz. Auch die Kamera agiert angenehm statisch. Musik wird dosiert eingesetzt und auf spannungstragende Sound-Effekte gänzlich verzichtet.

Insgesamt ist dem Erfurter Team ein ordentlicher Tatort gelungen, der aber leider auf dramaturgischer Seite noch viel Luft nach oben hat, da der Fall leider viel zu einfach gestrickt war. Positiv sticht heraus, dass endlich einmal ein normales Team ermittelt, dass auf außergewöhnliche Spleens und Ticks verzichtet und ein eher realistisches Bild der Polizeiarbeit abgibt. Handwerklich ist “Kalter Engel” keine Offenbarung, aber ein angenehm zu schauender Krimi. Wenn für den nächsten Fall in ein cleveres Buch investiert wird, steht diesem Format nichts im Wege.

Majas Bewertung: ☆☆☆☆☆☆☆☆☆☆
Maja ist leider im Urlaub und kann deshalb leider keine Rezension beisteuern.

Sendeinformationen
Sendelänge – 87:19
Drehbuch – Thomas Bohn
Regie – Thomas Bohn
Erstsendung – 3.11.2013
Produktionssender – MDR
Arbeitstitel – Speed
Drehort – Erfurt und Umgebung
Bildformat – 16:9
Redaktion – Meike Götz

Besetzung
Hauptkommissar Henry Funck – Friedrich Mücke
Oberkommissar Maik Schaffert – Benjamin Kramme
Polizeipraktikantin Johanna Grewel – Alina Levshin
Petra Fritzenberger – Kirsten Block
Roman Darschner – Godehard Giese
Lisa Kranz – Henriette Confurius
Michael Danckert – Florian Bartholomäi
Valerie Bultmann – Karoline Schuch
Prof. Dr. Rolf Petkus – Karl Kranzkowski
Marcel Steinke – Tim Morten Uhlenbrock
Anna Siebert – Julia Ritter
Caroline Siebert – Therese Hämer
Nachbarin – Eva Meckbach
Conny (Spurensicherung) – Nadine Wrietz
Gerichtsmediziner – Marco Pickart Alvaro
Claire – Maja Meinhardt
N.N – Stefan Tetzlaff
N.N – Andrea Höhn

Stab
2nd Unit Kamera – Lukas Schuler
Assistent der Set-AL – Marcus Goldhahn
Außenrequisite – Ralf Hübner
Baubühne – Max Schindler
Beleuchter/Beleuchtungstechnik – Christian Scheibe
Best Boy – Christian Wunderlich
Clapper-Loader – Julius Wirsching
Continuity – Nadja Beinert
Digitaleffekte – Simon Sturzenegger
Erster Aufnahmeleiter – Matthias Schudde
Filmgeschäftsführung – Melanie Heise
Garderobe – Angelique Kranholdt
Garderobe – Claudia Blumenauer
Garderobe – Josef Weitenbörner
Innenrequisite – Frank Jankowski
Kamera – Martin Schlecht
Kameraassistenz – Max Brinkschulle
Kamerabühne – Simon Arevalo Saint-Jean
Kindercoaching – Anett Grobe
Lichtassistenz – Oliver Joest
Location Scout – Steffen Knabe
Location Scout – Sören von der Heyde
Location Scout – Holger Möbes
Motivaufnahmeleitung – Sören von der Heyde
Oberbeleuchter – Kai Giegerich
Produktionsassistenz – Inge Hiller
Produktionsleitung – George Hiller
Produzent – Michael Smeaton
Regieassistenz – Gero von Wedel
Requisitenfahrer – Maik Geißler
Set-Aufnahmeleitung – Karsten Christoph
Set-Aufnahmeleitung – Thomas Forat
Standfotografie – Marcus Goldhahn
Stunt Koordination – Wolfgang Lindner
Szenenbild – Joachim Schäfer
Szenenbildassistenz – Benjamin Zeising
Ton/Filmtonassistenz – André Petkus
Ton/Filmtonmeister – Erich Lutz

Weitere Meinungen und Rezensionen

T-Online.de: So ist der frische Wind, der hin und wieder durch “Kalter Engel” weht, auch eher ein laues Lüftchen. Wenn mal eine Bö draus wird, ist das den drei Hauptdarstellern zu verdanken. Denn mit Friedrich Mücke (32), Benjamin Kramme (31) und Alina Levshin (29) stehen drei unverbrauchte Gesichter vor den Kameras, denen man die Spielfreude ansieht.

FAZ.net: Solange man nicht weiß, wie der Fall enden wird, folgt man den Verwicklungen, die sich Thomas Bohn ausdenkt und in Szene setzt, durchaus mit gespanntem Interesse – auf eine grundsolide Weise ist dieser Fall in sich logisch und konsistent, einschließlich der Volte, die den Medizinprofessor Petkus (abgründig unauffällig: Karl Kranzkowski) ins Liebes- und Einsamkeitsspiel bringt. Achtzig Minuten lang, eine sehr respektable Leistung, hält uns Bohn im Ungewissen.

BZ-berlin.de: Sie können einem leid tun. Gegen das bescheuerte Drehbuch (Thomas Bohn) und die einfallslose Regie (noch einmal Thomas Bohn) haben sie keine Chance. Besonders schlimm erwischt es die Berlinerin Alina Levshin, die in ihrer Rolle als Praktikantin permanent altkluge und nervtötende Kommentare abgeben muss. Mücke soll mal den Frauenaufreißer, mal den in die Nachbarin verknallten, allein erziehenden Vater geben – dieser Rollenspagat kann nur mit einer bösen Zerrung enden.

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