Kein Entkommen – Tatort Wien – Folge 827

by on 5. Februar 2012

Der österreichische Chefinspektor und Sonderermittler Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) liegt mit Grippe im Bett als ein neuer Mordfall in Wien zu lösen ist, der ihn schnell wieder gesund werden lässt. Ein Student, der einen Putztrupp abholen soll, wird auf dem Parkdeck des Einkaufszentrums erschossen. Eisner und seine Assistentin Bibi Fellner (Adele Neuhauser) beginnen mit den Ermittlungen und schnell stellt sich heraus, dass eigentlich ein anderer Fahrer, Josef Müller, getötete werden sollte.

Kein Entkommen - Tatort Wien

Kein Entkommen - Tatort Wien / Bild: rbb/ORF/Petro Domenigg

Müller heißt eigentlich Mirko Gradic (Christoph Bach). Die beiden Auftragkiller setzen alles daran, doch noch ihren Auftrag auszuführen und Müller erschießen. Doch dieser kann fliehen und geht samt seinen geheimen Aufzeichnungen zur Polizei. Er konnte während des Balkankrieges aus einer paramilitärischen, nationalistischen Gruppe fliehen, über deren Taten er allerdings detailliert Buch führte. Josef Müller, seine Frau Elisabeth (Monica Reyes) und Sohn Max (Samuel Jung) stehen direkt unter Polizeischutz, doch die Killer scheinen das Versteck gefunden zu haben und richten ein Blutbad an.

Erst am nächsten Morgen werden Moritz Eisner und Bibi Fellner alarmiert und treffen in der Villa ein, die eher einem Kriegsschauplatz gleicht. Eisners Chef, Ernst Rauter (Hubert Kramar) ist entgeistert, denn es gibt 13 Leichen, die innerhalb höchstens einer Stunde getöten wurden. Dann überschlagen sich die Ereignisse, der Chefinspektor trifft den Auftragskiller tödlich und will der kriminellen Organisation eine Falle stellen…

Sebastians Bewertung: ★★★★★★★★★☆
Was im neuen ORF Tatort „Kein Entkommen“ mit einem rätselhaften Mord an einem jungen Studenten beginnt, wird für den Wiener Sonderermittler Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Assistentin Bibi Fellner (Adele Neuhauser) schnell zu einem Fall von gigantischem Ausmaß. Die schauspielerische Leistung aller Beteiligten ist gehobenes Fernsehniveau, vor allem die zahlreichen Nebendarsteller sorgen für eine sehr gute Leistung des Gesamtensembles. Der Plot ist nicht nur auf Grund des Themas interessant und kurzweilig gestaltet, lässt an einigen Stellen aber die Plausibilität vermissen. Das starke Drehbuch von Fabian Eder wird in Eigenregie hervorragend in ein szenisches Werk umgesetzt und sorgt nicht nur bei den Ermittlern für Unverständnis und Ohnmacht, auch die Zuschauer werden in den Bann der Geschichte gezogen. Die Kamera agiert ruhig mit langen Schnitten und hat durchaus Kinoformat. Zur Farbgebung werden vor allem Blautöne eingesetzt, die das Gesamtklima dieses Tatorts deutlich transportieren. Unterstützt wird der Tatort von melodramatischen Klavierstücken von Schumann, mit sich ständig wiederholenden Themen für die auftretenden Rollen.

Insgesamt ist dem ORF mit „Kein Entkommen“ der mit Abstand beste Wiener Tatort unter der Besetzung von Harald Krassnitzer gelungen. Das Konzept aus Drehbuch, Regie, Kamera und Musik ging voll auf und überzeugte vor allem als stimmiges Gesamtwerk. Mit Spannung, Tempo und einer vielseitigen Geschichte konnten die Zuschauer fasziniert, geschockt und überrascht werden, so dass sich ein fast schon kinoreifes Fernseherlebnis bot. Auch ein offenes Ende ist für einen Tatort eher ungewöhnlich. So kann es mit dem Wiener Tatort gerne weitergehen!

Majas Bewertung: ★★★★★★★★☆☆
“Kein Entkommen” heißt der düstere Tatort aus Wien. Die ersten Szenen sind ein wenig lang und man fragt sich, wann es denn endlich losgeht. Und dann geht es los. Durch die Flucht von Josef Müller, der lediglich mit einem Schlafanzug bekleidet ist, gewinnt der Tatort an Fahrt und wird im weiteren Verlauf schneller und schneller. Der österreichische Chefinspektor Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) zeigt seine schauspielerischen Qualitäten und legt sich wirklich ins Zeug. Zwar ist er griesgrämig wie eh und je, doch kennen wir ihn nicht anders. Und mittlerweile klappt auch die Zusammenarbeit mit Assistentin Bibi Fellner (Adele Neuhauser) wesentlich besser. Die beiden scheinen sich an einander gewöhnt zu haben, was durchaus positiv zu vermerken ist.

Der Tatort nähert sich dem Thema Kriegsverbrechen im Balkankrieg und nimmt dabei kein Blatt vor die Kamera. Die 15 Leichen sind schon eine beachtliche Anzahl und in dieser Folge werden neben Verbrechern auch ein unschuldiger Student, Polizisten und Sicherheitsleute getötet.

Unterschiedlichste Perspektiven und Einstellungen der Kamera sorgen für abwechslungsreiche Bilder von Beginn an. In einigen Szenen in denen Josef Müller mit seinem kleinen Sohn Max zu sehen ist läuft im Hintergrund das Stück “Von fremden Ländern und Menschen” aus “Kinderszenen” von Robert Schumann. Großes Fernsehen für die sonst oft langsamen Folgen aus Wien. Der Tatort “Kein Entkommen” war alles andere als langweilig – unbedingt anschauen.

Sendeinformationen
Sendelänge: 88:30
Drehbuch – Fabian Eder, Lukas Sturm
Regie – Fabian Eder
Erstsendung – 05.02.2012
Produktionssender – ORF
Produktionsfirma – Cult Filmproduktion
Bildformat – 16:9
Redaktion – Alexander Vedernjak
Arbeitstitel – Shooting Book
Drehort – Wien

Besetzung
Sonderermittler Moritz Eisner – Harald Krassnitzer
Assistentin Bibi Fellner – Adele Neuhauser
Claudia Eisner – Tanja Raunig
Josef Müller (Mirco Gradic) – Rasha Bukvic
Elisabeth Müller – Monica Reyes
Zeljko Jovanovic – Marko Pustisek
Ernst Rauter – Hubert Kramar
Karl Bindmayer – Johannes Silberschneider
Tomalek – Stefan Puntigam
Franz Rinner – Alexander Strömer
Andrea Schiemer – Therese Affolter
Strasser – David Oberkogler
Conni Seidl – Julia Kronenberg
Mirko Gradic – Christoph Bach
Salic – Michael König
Radovan Jurkic – Gennadi Vengerov
Ante Stelic – Giorgi Gvinadze
Cornelius Langhammer – Serge Falck
N.N – Samuel Jung

Stab
Musik – Roman Karolou
Kamera – Fabian Eder

Weitere Meinungen und Rezensionen

Süddeutsche.de: “Dieser Tatort erzählt eine große Geschichte, wie alle großen Geschichten handelt sie vom Verlieren und Verlorengehen. Und wie alle großen Geschichten endet sie nicht mit dem Gewinnen oder Gefundenwerden.”

FAZ: “Und es ist ein wunderbar rühriger Fernsehfilm dann, wenn jede der Figuren ihr eigenes Mittel gegen die grassierende Grippeepidemie preist – aber alle krank sind außer der gar nicht mehr so neuen Assistentin Bibi Fellner (jedes Mal noch besser: Adele Neuhauser), die ihren Patienten reichlich Obstbrand in heißen Zitronensaft gießt.”

Berliner Kurier: “Der Satz von Bibi Fellner „des hört nia auf“ wird unglaublich gut durch das Ende unterstrichen. Auch wenn der Krimi dem Zuschauer übel im Magen liegt, gehört er doch zur Krimi-Feinkost. Unbedingt einschalten!”

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Massimo Februar 8, 2012 um 07:45

Grandios! Es kommt selten vor, dass mich der Inhalt von Fernsehfilmen, schon gar nicht der von Tatort-Folgen, über mehrere Tage beschäftigen. Ein Top-Tatort, bereits der dritte mit dem Duo Krassnitzer & Neuhauser! Insgesamt der beste Tatort, seit langem. Dichte szenische Atmosphäre, spannendes Buch, hervorragend umgesetzt von den beteiligten Schauspielern! Zwei bis drei Regie-Schnitzer sind verzeihlich, weil das der Authentizität keinen Abbruch tut – das offene Ende ein genialer Schluss: Es ist noch nicht vorbei.

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