Macht und Ohnmacht – Tatort München – Folge 868

by on 1. April 2013

Kioskbesitzer Latif Kara wurde von drei jungen Männern brutal zusammengeschlagen und liegt im Koma. Bislang ist es unklar, ob er überleben wird. Seine Frau und die drei Kinder machen sich große Sorgen um den Familienvater. Die vier Münchner Polizisten Matteo Lechner (Emilio De Marchi), Frank Bressinger (Lasse Myhr), Georg Zimmermann (Sascha Alexander Gersak) und Iris Bülow (Sonsee Neu) haben sich dem Fall angenommen und beginnen die Ermittlungen.

Tatort Macht und Ohnmacht

Macht und Ohnmacht – Tatort München / Bild: BR/Hagen Keller

Zur gleichen Zeit taucht plötzlich Carlo Menzinger (Michael Fitz) im Polizeipräsidium auf. Der ehemalige Oberkommissar der Münchchner Mordkommission will heiraten und möchte, dass sein früherer Freund Lechner Trauzeuge wird. Doch dieser ist von Menzingers Idee nicht überzeugt. Carlo hat den Verdacht, dass irgendetwas nicht in Ordnung ist, denn Matteo kommt ihm sehr verändert vor und er glaubt nicht, dass alleine seine überraschende Rückkehr der Grund ist. Doch was steckt dahinter?

Im Fall um den verprügelten Kioskbesitzer müssen die Verdächtigen freigelassen werden, denn es fehlt eine Aussage und sie können nicht weiter festgehalten werden. Auf einmal wird auch noch ein Polizist aus Lechners Team tot aufgefunden und im Präsidium ist die Hölle los. Dann trifft Menzinger auch noch auf seine beiden früheren Kollegen Ivo Batic (Miroslav Nemec) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl). Obwohl das Treffen nur kurz ist, freuen sich alle Beteiligten über das unverhoffte Wiedersehen. Die Kriminalhauptkommissaren Batic und Leitmayr entschließen kurzerhand Menzinger in die Ermittlungen einzubeziehen. Da er mittlerweile Hotelier in Thailand ist, kann er selbstverständlich nicht offiziell ermitteln, doch seine Spürnase hilft seinen ehemaligen Kollegen bei der Aufklärung…

Sebastians Bewertung: ★★★★★★★☆☆☆
Im neuen Münchner Tatort „Macht und Ohnmacht“ müssen sich Ivo Batic (Miroslav Nemec) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) mit einem komplizierten Fall auseinandersetzen, der sich bis in die eigenen Reihen der Polizei zieht und auch Ex-Kollege Carlo Menzinger (Michael Fitz) mit einbezieht, der kürzlich aus Thailand für eine Stippvisite nach München zurückgekehrt ist. Schauspielerisch gibt es kaum etwas zu bemängeln, auch wenn dieses Kammerspiel kaum echte Gelegenheiten bereithält, um aus der Masse der Darsteller herauszustechen. Auch die Nebenrollen sind solide besetzt und tragen zu einer guten Ensembleleistung bei.

Das Thema aus Polizeigewalt und dem ewigen Ungleichgewicht zwischen Recht und Gerechtigkeit ist durchaus komplex. Der Plot schafft es dennoch einen guten Eindruck von der Materie zu vermitteln. Die Spannung bleibt leider etwas auf der Strecke und auch das Erzähltempo ist eher langsam gewählt. Sound und Musik (siehe Trackliste unten) werden großzügig eingesetzt. Die Kamera setzt auf mittellange Sequenzen und in der Bildsprache dominieren kalte Farben.

Insgesamt ist dem Bayrischen Rundfunk ein guter Tatort gelungen, da eine komplizierte Thematik mit einer akzeptablen Handlung zu einem sehenswerten Krimi verwandelt wurde. Verbesserungswürdig sind neben dem langatmigen Erzähltempo vor allem die Dramaturgie, die keine echte Spannung aufkommen lässt. Es ist ein Tatort vom alten Schlag, mit erfahrenen Ermittlern die mit viel Ruhe und Gelassenheit einen sozialkritischen Fall lösen.

Majas Bewertung: ★★★★★★★★☆☆
Der Tatort “Macht und Ohnmacht” beginnt mit einer schnellen Verfolgungsjagd. Dann eine brutale Szene, in der ein Polizist auf einen jungen Mann einprügelt. In weiteren Szenen gibt es einige nackte Polizisten, die grölend unter der Dusche stehen. Ungewöhnlich ist nur, dass die beiden Kriminalhauptkommissare Ivo Batic und Franz Leitmayr erst nach ungefähr zwanzig Minuten auftauchen. Dann die nächste Verfolgungsjagd, ein Selbstmord, ein Mord… die Ereignisse überschlagen sich mit einer unglaublichen Schnelligkeit für den sonst oft eher ruhigen Tatort München. Doch der eigentliche Fall ist zunächst undurchsichtig und ohne einen wirklichen roten Faden. Es bleiben viele offene Fragen – sowohl auf Seiten der Münchner Beamten als auch auf Seiten der Zuschauer vor dem Fernseher.

Batic und Leitmayr können wie meistens mit ihrer Schauspielerei überzeugen. Positiv erwähnt werden muss auch Michael Fitz, der als ehemaliger Oberkommissar Menzinger für eine kurze Gastrolle zurückkehrt, sich wieder in die Ermittlungen einmischt und für Wirbel sorgt. Doch auch das Konzept mit den weiteren Polizisten, die alle irgendwie in den brutalen Fall verwickelt sind geht auf. Es geht um Recht und Unrecht, Macht und Ohnmacht – und die Frage nach einem guten Polizisten. Das Thema rund um polizeiliche Gewalt ist nicht zuletzt immer wieder aktuell.

Insgesamt ist “Macht und Ohnmacht” sehr emotional und das können die Münchner durchaus gut rüberbringen. Ein echt starker Tatort aus München mit einem interessanten Drehbuch und guter Umsetzung. So muss es sein.

Musik im Tatort “Macht und Ohnmacht”

Während der ausgelassenen Party der Polizisten werden die folgenden drei Songs gespielt:

Extrabreit mit “Polizisten”. Die Band Extrabreit stammt aus Hagen und war besonders während der Neue Deutsche Welle in den 80ern erfolgreich, sind aber auch heute noch live unterwegs.
Foo Fighters mit “No Way Back” sowie
Nazareth mit “Love Hurts”

Sendeinformationen
Sendelänge – 88:30
Drehbuch – Dinah Marte Golch
Bearbeitung – Edward Berger
Regie – Thomas Stiller
Erstsendung – 01.4.2013
Produktionssender – BR
Produktionsfirma – X Filme Creative Pool GmbH
Drehort – München und Umgebung
Bildformat – 16:9
Redaktion – Claudia Simionescu, Birgit Metz

Besetzung
Hauptkommissar Ivo Batic – Miroslav Nemec
Hauptkommissar Franz Leitmayr – Udo Wachtveitl
Carlo Menzinger – Michael Fitz
Matteo Lechner – Emilio De Marchi
Georg Zimmermann – Sascha Alexander Gersak
Iris Bülow – Sonsee Neu
Frank Bressinger – Lasse Myhr
Allmuth Lechner – Maria Hartmann
Dienststellenleiter Berger – Uwe Preuss
Martina Bentele – Alma Leiberg
Joachim Bentele – Torben Liebrecht
Ralf Grabowski – Konstantin Frolov
Birol Yenal – Hassan Akkouch
Herr Yenal – Mohammad-Ali Behboudi
David Kleinert – Fabian Halbig
Berufsschullehrer – Dirk Greis
N.N – Sophie Melbinger

Stab
Assistent der Set-AL – Teresa Santamaria
Aufnahmeleitung – Erwin Netzer
Außenrequisite – Paul Spitzkopf
Beleuchter/Beleuchtungstechnik – Tobias Dawid
Beleuchter/Beleuchtungstechnik – Robert Czernich
Besetzung/Casting – Simone Bär
Clapper-Loader – Santiago Gerpe-Rosell
Continuity – Silvia Ladopoulos
Dramaturgie – Gisela Weilemann
Garderobe – Julia Hillerich
Garderobe – Shanti Spohn
Herstellungsleitung – Stefanie von Lerchenfeld
Herstellungsleitung – Heidi Wiedemann
Herstellungsleitung – Ulli Neumann
Innenrequisite – Jürgen Paptistella
Kamera – Philipp Sichler
Kamera – Markus Eckert
Kameraassistenz – Philipp Dönch
Kameraassistenz – Luise Schröder
Kamerabühne – Emil Marcus Kaczur
Kostümbildassistenz – Claudia Maria Braun
Kostüme/Kostümbild – Jürgen Knoll
Lichtassistenz – Kay Wagner
Maske/Maskenbildner – Dodo Goldfuß
Maske/Maskenbildner – Sascha Kolmikov
Mischung – Dieter Desinger
Musik/Filmkompositionen – Fabian Römer
Oberbeleuchter – Therese Andersson
Postproduktion – Petra Schabert
Produktionsfahrer – Christian Sonnberger
Produktionsfahrer – Alessandro Miraglia
Produktionskoordination – Beate Sperber
Produktionsleitung – René Löw
Produzent – Michael Polle
Regieassistenz – Basia Baumann
Requisitenfahrer – Christoph Gerzabek
Schnitt – Vera van Appeldorn
Schnittassistenz – Regina Fürst
Set-Aufnahmeleitung – Walter Erbe
Sounddesign – Rudi Preusser
Standfotografie – Hagen Keller
Stunt Koordination – Markus Pütterich
Szenenbild – Károly Pákozdy
Ton/Filmtonmeister – Peter Preuss
Videooperator – Adrian Huber

Weitere Meinungen und Rezensionen

WAZ.de: Keine Minute in diesem intensiv gespielten Krimi ist vergeudet, der sich auch dadurch auszeichnet, dass ihm das Thema viel zu wichtig ist, um es irgendwelchen Nebenschauplätzen oder Schrulligkeiten der Ermittler zu opfern. Es ist ein Tatort der alten Schule, mit modernen Mitteln erzählt. Einen besseren hat’s ewig nicht gegeben.

Augsburger-Allgemeine.de: Der Tatort greift das aktuelle Thema Polizeigewalt auf – präsent für all die, die das Gesicht einer jungen Münchnerin noch vor Augen haben, die von einem Polizisten bei ihrer Festnahme im Januar verprügelt worden sein soll. Der Krimi ist bis zum Schluss spannend, die Handlung durchdacht.

Focus.de: Die schauspielerischen Bemühungen von allen Seiten in Ehren – aber das Drehbuch ist eine Katastrophe. Es gelingt einfach nicht, das Spannungsverhältnis klar aufzuzeigen, das sicher in allen Polizisten herrscht, wenn sie einen offensichtlichen Täter nicht belangen können.

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