Machtlos – Tatort Berlin – Folge 858

by on 6. Januar 2013

Im Berliner Tatort “Machtlos” geht es um Kindesentführung. Benjamin Steiner (Mika Seidel) wird von seiner Mutter Linda (Lena Stolze) zu seinem Schlagzeuglehrer gebracht und kurze Zeit später aus dessen Wohnung entführt. Anschließend dauert es, bis sich der Entführer meldet und die Eltern verbringen viele Stunden voller Angst. Sie erhalten eine DVD, welche den entführten Benjamin zeigt, der die Forderung an seine Eltern stellt.

Machtlos Tatort Berlin

Machtlos – Tatort Berlin / Bild: rbb/Hardy Spitz

Das Lösegeld soll dem Entführer in zwei Teilen übergeben werden, was sich bereits als sehr ungewöhnlich herausstellt. Linda Steiner erklärt sich bereit die erste Geldübergabe am Berliner Alexanderplatz auf sich zu nehmen. Unterstützt wird sie selbstverständlich vom Ermittlungsteam rund um die Kriminalkommissare Till Ritter (Dominic Raacke) und Felix Stark (Boris Aljinovic) sowie den Einsatzleiter Baumann (Rainer Sellien). Kaum hat der Entführer das Geld erhalten fängt er an es an Ort und Stelle an Passanten zu verschenken und lässt sich dann ohne Gegenwehr von den Kommissaren festnehmen. Auf dem Präsidium will er die zweite Lösegeldforderung stellen, jedoch nur den Eltern des Jungen persönlich. Außerdem verrät er nicht, wo sich der kleine Benjamin aufhält und es ist nicht geklärt, ob er wirklich noch am Leben ist.

Die Kommissare kommen einen Schritt weiter, indem sie die Identität des Entführers ermitteln können. Es handelt sich um Uwe Braun (Edgar Selge), der weder eine Wohnung, noch Bankkonto oder Telefon hat und der auch keine sozialen Kontakte zu Familie oder Freunden pflegt. Nach einigen Vernehmungsversuchen stellt sich heraus, dass er den Bankdirektor und Benjamins Vater Hermann Steiner (Horst Günter Marx) kennt. Dieser kann nach vielen Überlegungen und Recherchen auch ein en Zusammenhang herausfinden. Dann stellt Braun die zweite Lösegeldforderung an die Eltern und will 10 Millionen Euro haben, die er im Präsidium entgegennehmen will. Braun lässt sich nicht umstimmen, da er sich im Recht sieht. Till Ritter und Felix Stark können Brauns erwachsenen Sohn Michael (Jakob Walser) dazu bewegen nach Berlin zu reisen um sich mit seinem Vater zu unterhalten. Doch kann er ihn zum Aufgeben bewegen?

Im Tatort “Machtlos” stehen Edgar Selge und Jakob Walser das erste Mal gemeinsam vor der Kamera und Vater und Sohn spielen Vater und Sohn.

Sebastians Bewertung: ★☆☆☆☆☆☆☆☆☆
Im neuen Berliner Tatort „Machtlos“ verbringen die Kriminalkommissare Till Ritter (Dominic Raacke) und Felix Stark (Boris Aljinovic) viel Zeit mit einem Entführer, dem sie vis-à-vis gegenübersitzen. Die Zeit rennt weg und das entführte Kind droht zu verdursten. Was sich nach einem spannenden Fall – ganz ohne Mörder und Leiche – anhört, entpuppt sich schnell als nüchternes Kammerspiel mit Einschlafgarantie. Zu fad und vorhersehbar sind die Dialoge, zu eintönig das emotionslose Schauspiel der Ermittler und des Entführers (Edgar Selge). Auch der Plot hat unübersehbare Schwächen: Motiv und Tathandlung passen nicht zusammen, die Polizeiarbeit wirkt komplett unrealistisch und Spannung kann nicht entstehen, da das eintönige Gefasel der Darsteller schnell für ein inneres Abschalten sorgt. Die Kamera arbeitet mit weitläufigen, dunklen Einstellungen und langsamen Fade-Outs. In wenigen Zwischensequenzen wird sehr dosiert Musik eingesetzt.

Insgesamt ist „Machtlos“ ein enttäuschender Fall, voller lahmer Dialoge und unausgegorener Handlung. 350 Polizisten am Alexanderplatz versuchen einen Entführer zu fassen? Zu einem fast verdursteten Kind eilen Mutter und Kommissare, aber kein Arzt mit Infusion? Ein Sohn, dem der Vater total egal ist appelliert nach wenigen Minuten mit den Worten „Mach mich doch nicht zu dem Sohn eines Mörders!“ an seinen alten Herren? Die Liste ließe sich leider noch sehr weit fortsetzen, aber besonders stört, dass das eigentliche Thema der Börsenspekulation auf Lebensmittel in einem Nebensatz erläutert wird, bei dem mindestens die Hälfte der Zuschauer längst weggenickt ist. Nach zehrenden 88 Minuten lässt sich festhalten, dass man diese als Tatort-Fan auch einmal „machtlos“ an sich vorbei gehen lassen muss, ohne gleich die Tochter der RBB-Intendantin zu entführen.

Majas Bewertung: ★★★★★★★☆☆☆
Machtlos fühlt sich zu Beginn dieses Tatort Benjamins Mutter, als sie ihren Sohn vom Musikunterricht abholen will und niemand die Tür öffnet. Machtlos fühlt sich auch der Zuschauer – und zwar die gesamten 90 Minuten dieser Folge. In der ersten Hälfte wirkt der Tatort “Machtlos” eher einschläfernd. Die Eltern wirken trotz der Entführung ihres Kindes relativ ruhig. Und auch die Berliner Hauptkommissare Till Ritter und Felix Stark bleiben gelassen. Keinerlei aufkommende Panik, keine Gefühlsausbrüche.

Realitätsfremd ist die Szene rund um die Weltzeituhr am Berliner Alexanderplatz. Sowohl als der Entführer das Lösegeld an Fremde verschenkt als auch bei seiner Festnahme – so ruhig ist dieser Platz mitten in der Hauptstadt einfach nicht. Diese Szene hätte mit Sicherheit für Aufsehen sorgen können. Tut sie aber nicht, denn wie auch die meisten anderen Szenen bleibt einfach alles unterm Radar. Die Kommissare Ritter und Stark stellen bei ihren Verhören immer und immer wieder die selben Fragen. Auffällig ist zudem, dass sich die meisten Szenen innerhalb des Polizeipräsidiums abspielen.

Dieser Tatort wirkt teilweise so langsam und bedächtig, dass man auf den großen Knall wartet. Doch dieser bleibt aus und trotzdem ist dem rbb ein spannender Krimi gelungen, denn man muss einfach dran bleiben und kann nicht ausschalten. Erst zum Schluss gibt es ein paar wenige Gefühlsregungen – sowohl von der Mutter des kleinen Jungen als auch vom Entführer selbst. Kein Funken Humor hat sich in den Tatort geschlichen, was auch nicht passend gewesen wäre bei dieser Handlung. Und wieder einmal ist klar, dass es auch nicht immer eine Leiche geben muss. Im Gegenteil.

Sendeinformationen
Drehbuch – Klaus Krämer
Regie – Klaus Krämer
Erstsendung – 6.1.2013
Produktionssender – RBB
Produktionsfirma – Askania Media
Drehort – Berlin
Bildformat – 16:9
Redaktion – Josephine Schröder-Zebralla

Besetzung
Hauptkommissar Till Ritter – Dominic Raacke
Hauptkommissar Felix Stark – Boris Aljinovic
Lutz Weber – Ernst-Georg Schwill
Uwe Braun – Edgar Selge
Einsatzleiter Baumann – Rainer Sellien
Linda Steiner – Lena Stolze
Hermann Steiner – Horst Günter Marx
Benjamin Steiner – Mika Seidel
Michael Braun – Jakob Walser
Herr Belling – Ulrich Voß
junge Polizistin – Antje Widdra
Jo Schelling – Sabin Tambrea
Frau Mayer – Siir Eloglu
Frau Weinert – Katerina Poladjan
Herr Schneider – Peter Atanassov
Frau Schmidt – Katrin Hansmeier

Stab
2nd Unit Kamera – Thomas Frischhut
2nd Unit Kamera – Matthias Ganghofer
Assistent der Set-AL – Tobias Retzlaff
Außenrequisite – Simon Blum
Beleuchter/Beleuchtungstechnik – Christopher Rüttger
Beleuchter/Beleuchtungstechnik – Armin Stenzinger
Erster Aufnahmeleiter – Margot Hahn
Garderobe – Stefanie Schmauke
Garderobe – Ines Krüger
Geräusche – Peter Deininger
Innenrequisite – Stefan Pepe Baumgärtner
Kamera – Ralph Netzer
Kameraassistenz – Annika Eysel
Kameraassistenz – Matthias Ganghofer
Kamerabühne – Thorsten Querner
Kamerabühne – Denny Jost
Komparserie – Sarah Wangler
Kostüme/Kostümbild – Eveline Stoesser
Lichtassistenz – Klaus Wiluda
Location Scout – Marion Gerhardt
Maske/Maskenbildner – Antje Langner
Maske/Maskenbildner – Daniela Schmiemann
Mischtonmeister – Clemens Grulich
Musik/Filmkompositionen – Christine Aufderhaar
Oberbeleuchter – Thomas Krückl
Produktionsfahrer – Jens Rufa
Produktionsleitung – Andreas Wolfgang Berndt
Produktionsleitung – Jörgen Radach
Produzent – Mirko Schulze
Produzent – Martin Hofmann
Regieassistenz – Meno Sellschopp
Schnitt – Monika Schindler
Set Runner – Anton Heidrich
Set-Aufnahmeleitung – Lena Helling
Sounddesign – Andreas Hintzsch
Standfotografie – Hardy Spitz
Synchronregie – Miles Kann
Szenenbild – Brigitte Schlögel
Szenenbild – Emanuel Schleiermacher
Ton/Filmtonassistenz – Karsten Paarmann
Ton/Filmtonmeister – Boris Wolfrum

Weitere Meinungen und Rezensionen

Sueddeutsche.de: Nichts fliegt in die Luft, niemand macht schlechte Witze, nicht mal ein halbnacktes Mädchen tritt auf – schon wieder wird ein “Tatort” Traditionalisten da draußen schwer im Bauch liegen.

Quotenmeter.de: Gerade als Gelegenheitsgucker macht es einem der neue Tatort nicht leicht. Das Tempo ist sehr langsam, im Vergleich zu anderen Filmen der Reihe nahezu entschleunigt. Man hat so ein bisschen den Eindruck, David Finchers «Zodiac» zu sehen. Hier wie dort wird eigentlich nur geredet und werden tiefe Blicke ausgetauscht.

Focus.de: Der Zweck ist etwas zu mau, um die Mittel zu heiligen. Aber das Ensemble dieses „Tatort“ rechtfertigt solche Kavaliersdelikte mit einem Wimpernschlag. Schalten Sie ein. Sie werden verstehen, warum!

VN:F [1.9.22_1171]
Jetzt diesen Tatort bewerten!
Bewertung: 5.7 von 10 (11 Bewertungen insgesamt.)
Machtlos - Tatort Berlin - Folge 858, 5.7 out of 10 based on 11 ratings

{ 0 comments… add one now }

Leave a Comment

{ 1 trackback }

Previous post:

Next post: