Mein Revier – Tatort Dortmund – Folge 849

by on 11. November 2012

Der Dealer und Zuhälter Serkan Bürec (Yusuf „Edy“ Erdugan) wird in direkter Nachbarschaft zu Nora Dalay (Aylin Tezel) erschossen aufgefunden. Bürec galt als Handlanger des Geschäftsmannes Tarim Abakay (Adrian Can), der unter den Menschen Dortmunds einen zweifelhaften Ruf genießt. Für Kriminalhauptkommissar Peter Faber (Jörg Hartmann) steht bereits nach den ersten Ermittlungen fest, dass sich am Tatort eine Zeugin aufgehalten haben muss. Leider bleibt diese jedoch spurlos verschwunden.

Mein Revier - Tatort Dortmund

Mein Revier – Tatort Dortmund / Bild: WDR/Willi Weber

Dass die Mordkommission nun im Revier der Streifenpolizisten Rainer Polland (Matthias Komm) und Paul Klose (Aleksandar Radenkovic) ermittelt, gefällt den Ordnungshütern gar nicht. Nora kennt Polland noch vom Streifendienst und hält nicht viel vom impulsiven Kollegen. Auch Pollands Frau Sonja ist im Revier keine Unbekannte: Die ehemalige Prostituierte hilft heute Straßenmädchen dabei die schiefe Bahn zu verlassen. Einen guten Draht zur Ehefrau hat Martina Bönisch (Anna Schudt), vielleicht kann sie ja dabei helfen, die verschwundene Zeugin aufzuspüren…

Sebastians Bewertung: ★★★★★★☆☆☆☆
Im neuen Dortmunder Tatort „Mein Revier“ begibt sich das Ermittlerteam um Hauptkommissar Faber (Jörg Hartmann) in das Drogen- und Prostitutionsmilieu der Dortmunder Nordstadt. Die Handlung ist leider sehr klischeedurchzogen: Türken sind grundsätzlich kriminelle, koksschnupfende Schläger und Bulgaren verkaufen ihre Arbeitskraft auf dem „Arbeiterstrich“. Zudem wirkt der Fall zwar real möglich, in der Komplexität und den handelnden Personen aber ebenso konstruiert. Die Szenen werden häufig flott geschnitten, lassen sich aber in den richtigen Momenten genug Zeit. In der Bildsprache wird zumeist auf warme Farben gesetzt.

Trotz der deutlich überzogenen Klischees und der mitunter nervigen Privathandlung ist dem WDR ein vernünftiger, raubeiniger und wutdurchtränkter Tatort gelungen. Sicher bietet das Buch Verbesserungsbedarf, aber Konzept und Charaktere birgen sehr viel Potenzial. Der Dauerwüterich und Psychopath Faber, die stressbelastete, alleinerziehende Mutter Bönisch, die zwischenmenschliche Probleme der Jungpolizisten: All das kann wie eine schlechte Daily-Soap wirken, wird aber bisher noch in einem erträglichen Maß umgesetzt. Wenn es dem Dortmunder Team gelingt auf „Spur“ zu bleiben, könnte sich vielleicht so gar der nächste „Schimanski“ entwickeln.

Majas Bewertung: ★★★☆☆☆☆☆☆☆
“Mein Revier” ist der zweite Tatort aus Dortmund und man muss sagen, er ist der ersten Folge doch schon relativ ähnlich, zumindest was die “Leistung” der Ermittler betrifft. Hauptkommissarin Martina Bönisch (Anna Schudt) telefoniert ständig mit ihrer Familie und schreit ansonsten fast nur. Hauptkommissar Peter Faber (Jörg Hartmann) ist immernoch extrem labil, schreit, pöpelt, säuft, wirkt unsympatisch und ermittelt mal so zwischendurch, wenn er nicht gerade handgreiflich wird oder mit einem Baseballschläger Büroeinrichtungen und Autos zerstört. Die beiden Oberkommissare Nora Dalay (Aylin Tezel) und Daniel Kossik (Stefan Konarske) widmen sich noch ihrer heimlichen Affäre, sind aber trotzdem einsatzbereit. Wenigstens bei den beiden jungen Ermittlern kommt so etwas wie Teamgeist. Mit ihrer schauspielerischen Leistung glänzen können sie jedoch alle vier nicht.

Das Thema rund um den Drogen, Zwangsprostitution und Menschenhandel ist nicht durchgängig nachvollziehbar und mit den Bulgaren wurde auch mal wieder tief in die Klischee-Kiste gegriffen. Ist das das Bild, was uns der WDR vom Ruhrgebiet vermitteln will? Hoffentlich nicht. Die Charaktere sollen sich mal in den Griff bekommen und die Themen passender umgesetzt werden. Dieser Tatort zumindest wirft weder auf Dortmund noch auf die Ermittler ein gutes Licht. Und was sollte eigentlich die Callboy-Szene von Martina Bönisch? Mit der Handlung hatte das ja wohl absolut nix zu tun.

Insgesamt war die erste Hälfte noch relativ spannend (mit einem zugekniffenen Auge), danach wird es langweiliger und langweiliger. Die Handlung kommt kaum voran und die Ermittlungen drehen sich im Kreis. Wobei die Ermittlungsmethoden wirklich fragwürdig sind. Fazit: Viel zu chaotisch und zu klischeehaft. Der Schluss ist offen. Was mit Farbers Frau und Tochter passiert ist, kann immernoch nicht komplett geklärt werden und von wem die Umschläge auf seinem Schreibtisch kommen bleibt ein Rätsel.

Sendeinformationen
Sendelänge – 88:30
Drehbuch – Jürgen Werner
Regie – Thomas Jauch
Erstsendung – 11.11.2012
Produktionssender – WDR
Produktionsfirma – Colonia Media
Drehort – Dortmund, Köln
Bildformat – 16:9
Redaktion – Frank Tönsmann

Besetzung
Hauptkommissar Peter Faber – Jörg Hartmann
Hauptkommissarin Martina Bönisch – Anna Schudt
Oberkommissarin Nora Dalay – Aylin Tezel
Oberkommissar Daniel Kossik – Stefan Konarske
Gerichtsmediziner Jonas Zander – Thomas Arnold
Hauptkommissar Krüger – Robert Schupp
Tarim Abakay – Adrian Can
Rainer Polland – Matthias Komm
Sonja Polland – Tanja Schleiff
Paul Klose – Aleksandar Radenkovic
Marek Bojanov – Peter Georgiev
Serkan Bürec – Yusuf Erdugan
Jelena Zvetkova – Simona Theoharova
Carmen Bonkert – Anna Schäfer
Schrotthändler – Wolfgang Packhäuser
Stefan Moratschek – Tim Grobe
Tony – Jo Weil
N.N – Nikolai Grin
Titelsong “Mein Revier” – Yusuf “Edy” Erdugan

Stab
2nd Unit Kamera – Ansgar Krajewski
Assistent der Set-AL – Niklas Schulz
Außenrequisite – Daniel Kolarev
Außenrequisite – Dominik Schmitz
Beleuchter/Beleuchtungstechnik – Wanja Krieger
Besetzung/Casting – Gitta Uhlig
Best Boy – Thorben Olbertz
Continuity – Markus Berera
Continuity – Caroline Krebsfänger
Digital Colorist – Rainer Bültert
Erster Aufnahmeleiter – Markus Hesseling
Garderobe – Sandra Lee
Herstellungsleitung – Liane Retzlaff
Innenrequisite – Roman Halassy
Kamera – Clemens Messow
Kamerabühne – Andreas Hülzer
Kameraassistenz – Jörg Viertel
Kameraassistenz – Heike Groß
Kameraassistenz – Tobias Linsel
Kostüme/Kostümbild – Martina Jeddicke
Location Scout – Rolf Viehrig
Maske/Maskenbildner – Frauke Horn
Maske/Maskenbildner – Claudia Busch
Maske/Maskenbildner – Silvia Barthelmeß
Mischung – Abi Schneider
Motivaufnahmeleitung – Simon Raphael Louwen
Motivaufnahmeleitung – Ulrich Büchel
Musik/Filmkompositionen – Stephan Massimo
Oberbeleuchter – Andreas Theiner
Postproduktion – Carla Schild-Kreindl
Produktionsassistenz – Nicole Schaffrath
Produktionsleitung – Marion Sand
Produzent – Sonja Goslicki
Regieassistenz – Kirsten Laser
Schnitt – Dagmar Lichius
Set-Aufnahmeleitung – Alexander Viering
Set-Aufnahmeleitung – Jan Bierwirth
Sounddesign – Klaus Waßen-Floren
Standfotografie – Willi Weber
Szenenbild – Frank Polosek
Szenenbildassistenz – Daira Bumanis
Ton/Filmtonassistenz – Sebastian Leukert
Ton/Filmtonmeister – Wolfgang Wirtz
Videooperator – Tim Weskamp

Weitere Meinungen und Rezensionen

Abendblatt.de: “”Mein Revier” von Regisseur Thomas Jauch und Autor Jürgen Werner ist auch deshalb ein so gelungener “Tatort”, weil er vom Beschützen und Verlieren erzählt, vom Hinfallen und Aufstehen. Kühle Farben, kalte Herzen – das ist der Sound dieses Films.”

DerWesten.de: “Obwohl die Geschichte komplett fiktional ist, trägt der Film mitunter dokumentarische Züge. Er wirkt durch und durch glaubwürdig. Zugleich balancieren Jauch und Werner geschickt auf dem schmalen Grat zwischen berechtigter Anwohner-Wut und dumpfer Ausländer-Feindlichkeit.”

Sueddeutsche.de: “In Dortmund erzählen sie ihre Geschichte nach Cold Case-Art, schwebende Musik, Schlüsselsequenzen in gedrosseltem Tempo. Aber das Besondere ist der Hauptkommissar. Wenn Peter Faber ein Schrottauto zertrümmert, ist das ein Teil seiner speziellen Fallanalyse. Aber auch eine Begegnung mit dem eigenen Leben.”

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Petra November 12, 2012 um 07:47

Mir gefällt der Kommissar weil er so extrem ist. Seine Vergangenheit ist noch etwas unklar aber man weiß und ahnt etwas. Er hat nichts mehr zu verlieren und agiert deshalb so wie er es tut und das finde ich führt einerseits zu Mitgefühl bei mir als Zuschauer und andererseits fasziniert er. Seine Methoden sind teilweise vielleicht fragwürdig führen aber zur Wahrheit und somit zum Ziel. Vergesse man nicht, dass das immernoch Fernsehen ist und unterhalten soll (24 ist auch sehr erfolgreich und mehr als fragwürdig aber man muss eben zwischen Realität und Fiktion unterscheiden)
Seine Kollegin Bönisch ist direkt und echt und gibt Kontra, das ist einfach erfrischend. Sie eiert nicht rum sondern sagt und schreit auch mal was sie denkt, super!
Die Liebesgeschichte zwischen den anderen zwei – tja, es sind halt Menschen die da ermitteln und Menschen verlieben sich – auch auf der Arbeit. Menschen haben manchmal auch Probleme, die sich auf der Arbeit nicht komplett abschalten lassen. Warum sollte das alles nicht in einem Tatort Platz haben, es ist eben Teil der Geschichte dieser Ermittler.
Ich finde es interessant, auch über die Hintergründe der Personen etwas zu erfahren.

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