Nachtkrapp – Tatort Konstanz – Folge 845

by on 7. Oktober 2012

Klara Blum (Eva Mattes) und Kai Perlmann (Sebastian Bezzel) haben im Polizeidezernat Konstanz gerade ihren letzten Fall mit einem ausdauernden Verhör beendet, als schon der nächste Mord auf die Ermittler wartet. Im Bodensee wurde die Leiche eines Kindes gefunden. Der Schweizer Kollege Matteo Lüthi (Roland Koch) erwartet die Kommissare bereits am Hafen. Doch die Zusammenarbeit mit ihm gestaltet sich schwierig, hält er doch große Stücke auf sich, da er früher beim Nachrichtendienst aktiv war. Immerhin können die länderübergreifend ermittelnden Kommissare die Identität des toten Jungen schnell klären: Es handelt sich um den Schweizer Schüler Beat Noll, der an einer katholischen Kinderfreizeit auf der deutschen Bodenseeseite teilgenommen hat und dort vermisst wird.

Nachtkrapp - Tatort Konstanz

Nachtkrapp – Tatort Konstanz – Bild: SWR/Peter Hollenbach

Im Lager angekommen vernimmt das ungleiche Duo das Ehepaar Bogener. Sie betreiben das Schullandheim, aus dem der Junge verschwand. Ebenfalls vernommen wird der Sohn Andreas Bogener und seine chinesische Frau Lan Hua. Zudem wird Diakon Hohmann verdächtigt, der die Jugendreise betreute. Während sich Lüthi um die Kinder und deren Aussagen kümmert, recherchieren die deutschen Ermittler weitere Fälle von Kindstötungen in der Region. Blum kann sich an einen Fall vor 15 Jahren erinnern, bei dem ebenfalls ein Junge aus einem anderen Schullandheim am Bodensee verschwand. Damals wurde Holger Nussbaum (Hansa Czypoinka) als Täter überführt und in einem Indizienprozess schuldig gesprochen. Aufgrund der schwachen Beweislage ein Fall, der Klara Blum noch gut in Erinnerung ist, da letzte Zweifel an der Schuld bleiben und Nussbaum nie ein Geständnis ablegte.

Nussbaum wurde vor kurzem aus dem Gefängnis entlassen und ist in die Bodenseeregion zurückgekehrt. Die Ermittler machen sich umgehend auf den Weg und können die Mütze des Jungen in seinem Müll finden. Doch der Beschuldigte streitet alles ab und behauptet, dass ihm die Mütze untergeschoben worden sei. So klar gestaltet sich der Fall dann allerdings doch nicht: Während Nussbaum im Gefängnis saß, wurde in der Region ein weiterer Mord verübt, der bisher nicht aufgeklärt werden konnte. Des Weiteren stammt das Seil, mit dem Beat Noll gefesselt wurde vom Boot der Bogeners. Doch noch bevor die Ermittlungen weiter gehen können, gerät Klara Blum in die Fänge Nussbaums, der sie als Geisel nimmt und Lösegeld fordert. Es beginnt ein psychologisches Duell zwischen den beiden, dessen Ausgang völlig unklar ist…

Sebastians Bewertung: ★★★☆☆☆☆☆☆☆
Klara Blum (Eva Mattes), Kai Perlmann (Sebastian Bezzel) und der Schweizer Kollege Matteo Lüthi (Roland Koch) ermitteln in „Nachtkrapp“ auf den Spuren eines Pädophilen, der einen Jungen erst vergewaltigt und im Anschluss brutal ermordet hat. Schauspielerisch bleiben die Darsteller der deutschen Ermittler eher blass, was nicht auf den angedichteten Schlafmangel zurückzuführen ist. Immerhin kann Roland Koch als Schweizer Kollege Matteo Lüthi etwas Drive in die Folge bringen.

Inhaltlich ist der Tatort leider sehr mau, durchschaubar und eigentlich nach 30 Minuten durch. Die krankhafte Pädophilie des Täters wird nur am Rande als Thema behandelt, ein katholischer Pfarrer muss als erster Verdächtiger herhalten und die Kommissare verzetteln sich in Scharmützeln mit den Schweizer Kollegen. Immerhin ist die Bildsprache passend gewählt, die Kameraeinstellungen kommen gut herüber und vermitteln das richtige Flair dieser Folge. Musik wird sehr dosiert und passend eingesetzt.

Insgesamt ist die Koproduktion zwischen SWR und Schweizer Fernsehen einmal mehr daneben gegangen. Ein absurd konstruiertes Buch, inhaltliche und thematische Oberflächlichkeit und Pseudospannung durch Nebel, Dunkelheit und einen „Nachtkrapp“, von dem wir bereits seit Minute 10 wissen, dass es diesen nicht gibt, runden die Handlung ab. Drei Sterne gibt es für den Versuch, denn an den Darstellern, Kamera und Post-Produktion hat es jedenfalls nicht gelegen.

Majas Bewertung: ★★☆☆☆☆☆☆☆☆
Seit 10 Jahren ermittelt Kriminalhauptkommissarin Klara Blum (Eva Mattes) nun schon in Konstanz am Bodensee. Doch beim aktuellen Tatort “Nachtkrapp” kommt wohl kaum Jubiläumsfeeling auf. Ganz im Gegenteil. Der Bodensee wirkt genauso grau und trostlos wie die Stimmung im Tatort. Erstens geht es um Kindesentführung und -missbrauch. Zweitens wirkt Kommissarin Blum von Beginn an müde und unprofessionell. Und auch Kai Perlmann (Sebastian Bezzel) ist nicht viel besser gelaunt. Der Umgang zwischen dem Thurgauer Kantonspolizisten Matteo Lüthi (Roland Koch) und seinen beiden deutschen Kollegen Klara Blum und Kai Perlmann ist alles andere als freundlich. Lüthi scheint aber auch nicht gerade die beste Besetzung für einen Kommissar zu sein, denn er wirkt zerstreut. Ganz astrein ist die Handlung nicht, hier und da brökelt es gewaltig. Doch das scheint die Macher von “Nachtkrapp” kaum zu stören. Stattdessen versucht man mit alten Fälle, die aus der Versenkung geholt neue Verdächtige zu suchen und den eigentlich Fall in die Länge zu ziehen. Wo ist eigentlich die Spannung geblieben?

Ein wirkliches Team werden Blum und Perlmann wohl nicht mehr. Schade. Aber vielleicht sollte man die beiden so nehmen wie sie sind, nämlich mürrische Kommissare, die nebeneinander her ermitteln statt Teamarbeit zu leisten. Lieber SWR, bitte überdenkt mal Eure Tatort-Konzepte. Nein, da kommt wirklich kein Jubiläumsfeeling auf!

Sendeinformationen
Sendelänge – 88:30
Drehbuch – Melody Kreiss
Regie – Patrick Winczewski
Erstsendung – 07.10.2012
Produktionssender – SWR / SF
Produktionsfirma – Maran Film
Drehort – Konstanz und Umgebung, Baden-Baden, Kreuzlingen, Säntisgebiet
Bildformat – 16:9
Redaktion – Ulrich Herrmann (SWR), Manfred Hattendorf (SWR), Stefan Hoffmann (SFR), Lilian Räber (SRF)

Besetzung
Hauptkommissarin Klara Blum – Eva Mattes
Hauptkommissar Kai Perlmann – Sebastian Bezzel
Matteo Lüthi (Thurgauer Kantonspolizei) – Roland Koch
Annika Beck (Beckchen) – Justine Hauer
Anneke Bogner – Cornelia Schmaus
Herbert Bogner – Hendrik Arnst
Holger Nussbaum – Hansa Czypionka
Andreas Bogener – Michael Krabbe
Lan Hua Bogener – Young-Shin Kim
Franz Hobmann (Diakon) – Yves Raeber
Moritz – Elia Sager
Beat Noll – Jérome Humm
Isabelle Barth – Eva Glogger
Oberstaatsanwalt Mauk – Holger Handtke
Kriminaltechniker Müller – Olivert Stein
KTD-Beamter – Daniel Frei

Stab
Besetzung/Casting – Birgit Geier
Continuity – Veronika Schmidt
Erster Aufnahmeleiter – Rudolf Kurz
Kamera – Ralf Nowak
Kostüme/Kostümbild – Charlotte Graf
Maske/Maskenbildner – Kurt Zahel
Musik/Filmkompositionen – Andreas Hoge
Produktionsassistenz – Claudia Schindler
Produktionsleitung – Dieter Streck
Produzent – Uwe Franke
Produzent – Sabine Tettenborn
Regieassistenz – Janis Rebecca Rattenni
Schnitt – Isabelle Allgeier
Set Runner – Vanouch Balian
Set-Aufnahmeleitung – Stefan Bock
Szenenbild – Klaus-Peter Platten
Ton/Filmtonassistenz – Till Ortner
Ton/Filmtonmeister – Lutz Pape

Weitere Meinungen und Rezensionen

Meedia.de: Wie so vielen anderen Bodensee-Krimis gelingt es auch diesem “Tatort” nicht, genügend Fahrt und Spannung aufzunehmen. Dabei bietet Eva Mattes mit ihrer Kommissarin Klara Blum den Autoren so viele Chancen. Denn tatsächlich gehört sie zu den interessantesten deutschen Krimi-Charakteren.

DerWesten.de: Fazit: In Hansa Czypionka, der den ehemaligen Häftling mimt, hat Mattes einen ebenbürtigen Gegenpart in diesem Gefühlsspiel, das in seiner Intensität keinen Augenblick lang nachlässt und die anderen Akteure in der Dramaturgie, auch Blums Assistenten (Sebastian Bezzel), beseite schiebt. Czypionka kostet die Doppelbödigkeit seiner Figur aus und lässt auch uns im Zweifel, ob er’s nun diesmal war oder überhaupt jemals.

Spiegel.de: Bei der “Tatort”-Episode “Nachtkrapp” (Buch: Melody Kreiss, Regie: Patrick Winzcewski) ist leider Letzteres der Fall. In einem ziemlich plump entwickelten Plot, der erst einen Pfaffen und dann einen Hausmeister in den Kreis der Verdächtigen rückt, spielt das Thema Pädophilie eigentlich nur eine Nebenrolle. Es dient als diffuser Angstmacher, über den man lieber gar nicht so viel wissen will. Was zählt, ist der wohlige Schauer.

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