Nasse Sachen – Tatort Leipzig – Folge 804

by on 13. Juni 2011

Die aus einem fahrenden Auto geworfene Leiche des Gebrauchtwagenhändlers Jannis Kerides wird auf offener Straße nachts in einem Leipziger Industriegebiet gefunden. Zuerst deutet für die Hauptkommissare Eva Saalfeld (Simone Thomalla) und Andreas Keppler (Martin Wuttke) alles auf einen Mord unter kriminellen Autoschiebern hin. Während der Ermittlungen in Kerides’ Autowerkstatt kommt es zu einem folgenschweren Zwischenfall. Saalfeld fühlt sich von Kerides’ Geschäftspartner Georg Hantschel derart bedroht, dass sie die Nerven verliert und ihn mit einem Schuss schwer verletzt. Nachdem bei den anschließenden Ermittlungen keine Waffe bei Hantschel gefunden werden konnte, macht sich Saalfeld schwere Vorwürfe.

Nasse Sachen - Tatort Leipzig

Nasse Sachen - Tatort Leipzig

Doch für die Verdauung der Ereignisse vom Vortag bleibt keine Zeit. Bereits am nächsten Morgen wird Walter Rimbach, der 65-jährige Angestellte von Kerides, erschlagen in seiner Wohnung gefunden. Saalfeld und Keppler können danach eindeutig feststellen, dass Rimbach den Mord an Kerides begangen hat. Doch noch haben die Ermittler Zweifel am Motiv. Es stellt sich die Frage, ob es beim Mord tatsächlich um Gebrauchtwagengeschäfte ging oder doch etwas völlig anderes dahinter steckt. Ins Visier der Ermittler geriet zum einen die hoch verschuldete Tochter Karla Rimbach. Zum anderen Thomas Kramm, der Rimbach für das mysteriöse Verschwinden seines Vaters im Jahre 1983 verantwortlich macht.

Bei Kramm stellen die Hauptkommissare Kopien von Stasi-Unterlagen sicher, in denen Eva zu ihrer Überraschung auch den Namen ihres Vaters, Horst Saalfeld, findet. Die Kommissarin wird von der Vergangenheit eingeholt und erfährt zum ersten Mal Einzelheiten über den tragischen Tod ihres Vaters, der 1983 während seines Dienstes ums Leben kam. Die weiteren Ermittlungen lassen Eva noch weiter in die abgeschlossen geglaubte Vergangenheit eintauchen. Doch sind sie damit dem Täter auf der richtigen Spur?

Sebastians Bewertung: ★★★★★★★★☆☆

Der Tatort „Nasse Sachen“ startet etwas fahrig und braucht – trotz zweier Morde gleich zu Beginn – einige Zeit, bis die Handlung an Konturen gewinnt. Die Hauptkommissare Eva Saalfeld (Simone Thomalla) und Andreas Keppler (Martin Wuttke) bekommen einmal mehr die Chance, sich von ihrer charakterstarken Seite zu zeigen. Vor allem Simone Thomalla macht davon Gebrauch und spielt einmal mit mehr als nur zwei Gesten. Auch kleinere Ungereimtheiten in der Story lassen sich durch die gute Dramaturgie und das spannende, emotional inszenierte Finale, verzeihen. Die Kamera wird als stiller Begleiter ruhig und dezent eingesetzt, nie wirkt sie störend oder hektisch. Die Ausstattung spart leider nicht mit Klischees, die Leipziger Wohnungen sehen im Tatort immer noch so aus wie zu DDR-Zeiten. Auf Musik wird komplett verzichtet, einige Szenen bekommen lediglich einen musikalischen Effektanstrich.

Insgesamt ist dem MDR mit „Nasse Sachen“ ein guter Krimi gelungen. Auch wenn es sich dabei nicht um eine überdurchschnittlich temporeiche Folge handelt, wird mit soliden Darstellern und einfallsreicher Handlung für ein unterhaltsames Fernseherlebnis gesorgt. Bemerkenswert ist, dass die Autoren aus der Problematik der Stasi-Verfolgungen einen interessanten Krimi gemacht haben und vor allem die Kommissare persönlich involviert haben. Ein kleiner Trick, der sowohl den Ermittlern, für ihre weitere Charakterentwicklung, als auch der eigentlichen Folge mehr als gut tut.

Majas Bewertung: ★★★★★★★☆☆☆

“Nasse Sachen” ist ein fast persönlicher Fall, denn bei den Ermittlungen im Umfeld einer Autoschieberbande kommt die Stasi ins Spiel. Für Eva Saalfeld beginnt damit eine Auseinandersetzung mit ihrer eigenen Vergangenheit und dem Tod ihres Vaters. Schmerzhafte Erfahrungen. Politik und Gesellschaft statt sozialkritischem Thema.

Hauptkommissar Andreas Keppler ist griesgrämig wie eh und je, aber trotzdem liebenswertig und ein unauffälliger Typ. Er bleibt mit den Tatsachen auf dem Boden. Im Gegensatz zu ihm ist seine Kollegin Eva Saalfeld nicht so hart wie sie immer tut. Schauspielerisch machen beide einen guten Job, wobei Saalfeld immer leicht zum anstrengenden Part wird und sich leicht zurücknehmen sollte. Die Ermittler greifen zur Waffe und schießen – um die Folge mit ein wenig mehr Action zu füllen? Eher unpassend für einen Tatort. Kurze Rückblenden scheinen die neue Mode zu sein, doch helfen sie kaum beim Verständis der Handlung noch erzeugen sie Spannung. Die Bilder in “Nasse Sachen” sind außergewöhnlich und sind von der ersten bis zur letzten Szene meist kraftvoll und reich an leuchtenden satten Farben. Graue und neblige Panoramabilder der Stadt Leipzig zeigen einen interessanten Kontrast. Zudem werden reizvolle Lichteffekte gezeigt – insgesamt eine wirklich gute Zusammenstellung der Kamera.

Insgesamt ist dieser Tatort wechselhaft, teils spannend, teils zu langatmig und viele Leute, die in einigen Szenen leicht verwirrend. Alles in allem aber ein guter Tatort aus Leipzig und verdient, insbesondere durch die großartigen Bilder, sieben Punkte.

Sendeinformationen

Sendelänge – ca.90:00
Drehbuch – Andreas Knaup
Regie – Johannes Grieser
Erstsendung – 13.06.2011
Produktionssender – MDR
Produktionsfirma – Saxonia Media
Drehort – Leipzig, Flughafen Halle/Leipzig
Bildformat – 16:9
Redaktion – Sven Döbler

Besetzung

Hauptkommissarin Eva Saalfeld – Simone Thomalla
Hauptkommissar Andreas Keppler – Martin Wuttke
Kriminaltechniker Wolfgang Menzel – Maxim Mehmet
Dr. Zinner (Gerichtsmedizinerin) – Stephanie Schönfeld
Inge Saalfeld – Swetlana Schönfeld
Georg Hantschel – Uwe Preuss
Karla Rimbach – Claudia Michelsen
Thomas Kramm – Jörg Hartmann
Herbert Bahrig – Günter Junghans
Staatsanwalt Dieckmann – Peter Benedict
Hannelore Schürmann – Marie Anne Fliegel
Melanie Köhler – Henrike von Kuick
Müllwagenfahrer – Stefan Gräbner
Streifenpolizist – Johannes Arpe
Archivar – Norbert Stöß
Taxifahrer – Martin Ontrop
Rezeptionist – Benjamin Kiesewetter
Polizist – Karl-Fred Müller

Stab

Baubühne – Max Schindler
Beleuchter/Beleuchtungstechnik – Torben Schmidt
Garderobe – Maxi Munzert
Herstellungsleitung – Michael Schmidt
Herstellungsleitung – Sven Sund
Innenrequisite – Frank Jankowski
Kamera – Wolf Siegelmann
Kostüme/Kostümbild – Aenne Plaumann
Location Scout – Stefan Hübert
Maske/Maskenbildner – Anke Saboundjian
Maske/Maskenbildner – Wolfgang Lienig
Musik/Filmkompositionen – Robert Schulte Hemming
Musik/Filmkompositionen – Jens Langbein
Oberbeleuchter – Christian Thümmler
Produktionsleitung – Ulrike Zirzow
Produzent – Jan Kruse
Schnitt – Esther Weinert
Set-Aufnahmeleitung – Torsten Etling
Szenenbild – Matthias Baumgärtel
Ton/Filmtonmeister – Joachim Binsau

Weitere Meinungen und Rezensionen

DerWesten: Hier in Leipzig aber erhält die bisher – im Vergleich zu ihren Tatort-Kolleginnen – eher blass angelegte Figur der Eva Saalfeld eine spannende Familiengeschichte und somit schärfere Konturen, die Simone Thomalla sichtlich Spaß bereiten, obwohl sie alles andere als spaßig sind.

Märkische Allgemeine: Denn Autor Andreas Knaup hat bei seinem „Tatort“-Debüt ein kluges und gut recherchiertes Drehbuch vorgelegt. Ein echtes Drama, das Krimi-Profi Johannes Grieser (Regie) nur sensibel genug aufgreifen musste, um diesem Stasi-Fall ganz ohne Rotz und Wasser und ganz ohne Schaum vorm Mund beizukommen.

Autonews-123: Für mich deshalb ein sehr gelungener Tatort, der bis an die Grenze des innerlich Erträglichen geht – und zugleich zeigt, dass deutsche Geschichte niemals wirklich Vergangenheit sein kann.

VN:F [1.9.22_1171]
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