Nie wieder frei sein – Tatort München – Folge 784

by on 19. Dezember 2010

Laute Motorengeräusche durchbrechen die Stille der sternenklaren Nacht. Niemand ist auf den Straßen zu sehen, nur der Mond erhellt das Dickicht zwischen den hohen Bäumen. Nur schemenhaft sind die Konturen einer Person zu sehen, die den leblosen Körper einer jungen Frau aus einem Lieferwagen zieht und in der Dunkelheit entsorgt. Wenige Monate später beginnt das Gerichtsverfahren. Der unscheinbare Markus Rapp muss sich wegen Vergewaltigung in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung verantworten. Das Opfer der nächtlichen Tat hat durch glückliche Umstände überlebt und tritt nun selbst als Nebenklägerin vor Gericht auf. Melanie Bauer will Rache für alles was ihr angetan wurde.

Erst jetzt greifen die Münchner Hauptkommissare Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) und Ivo Batic (Miroslav Nemec) mit ihren Aussagen ins Verfahren ein. Sie haben Beweise gesammelt, Indizien zusammengetragen und den Tatverdächtigen nach einer spektakulären Aktion in einem Bordell festgenommen. Doch der Angeklagte hat in Regina Zimmer eine gewiefte Verteidigerin gefunden und für Melanie Bauer wird der Prozess zu einer riesigen Belastung. Sie kommt mit dem Druck nicht klar und versagt, als Zimmer sie auffordert, die Stimmidentifizierung des Täters zu wiederholen.

Die Rechtsanwältin hat mit ihrer Taktik Erfolg, so stellt sie auch die erfahrenen Münchner Kommissare des Öfteren mit gezielten Nachfragen kalt. Der Prozess wird immer mehr zu einem Medienspektakel und endet in einer Sensation: Der Angeklagte Rapp wird trotz etlicher Indizien aus Mangel an Beweisen freigesprochen und auf freien Fuß gesetzt. Melanie Bauer kann die Entscheidung des Gerichts nicht verkraften und bricht während der Urteilsverkündung zusammen. Opfer und die gesamte Familie Bauer hat den Glauben an Recht und Gerechtigkeit verloren. Franz Leitmayr und Ivo Batic stehen wieder am Anfang ihrer Ermittlungen, die Markus Rapp endgültig hinter Schloss und Riegel bringen sollen. Es entwickelt sich eine akribische Spurensuche, denn schon bald könnte Rapp erneut…

Sebastians Bewertung: ★★★★★★★★★☆

Schon zu Beginn wird klar, dass es sich hierbei um einen ganz außergewöhnlichen Tatort handelt. Der Zuschauer steigt erst zum Prozess in die Handlung ein und muss miterleben, wie die Münchner Hauptkommissare Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) und Ivo Batic (Miroslav Nemec) durch mangelnde Beweise unter Druck geraten. Die Bilder wirken mal kühl und unruhig, mal warm und ruhig, und transportieren so eindrucksvoll die rastlose Handlung der Akteure, lassen damit auch den Zuschauer keinen Moment zur Ruhe kommen. In den wenigen bedächtigen Phasen erklingt merkwürdig eindringlich Klaviermusik, wie ich sie bei einem Tatort bisher nicht alltäglich ist.

„Nie wieder frei sein“ ist nicht nur ein starker Krimi, sondern auch das Paradebeispiel für einen guten Tatort: Eine stimmige, realistische Dramaturgie mit guten Schauspielern und einer Prise Gesellschaftskritik. Bedauerlich, dass wenige Tage vor Ausstrahlung Silvia Koller, die Hausautorin des Münchner Tatorts und Erfinderin von Batic und Leitmayr, verstarb. Hoffen wir, dass auch die Nachfolger diese Tradition fortsetzen und weiter die tolle Unterhaltung abliefern, an die wir uns so gewöhnt haben. Diese Folge ist jedenfalls ein grandioses Werk, welches bis in das letzte Detail stimmig erscheint und neun Sterne mehr als rechtfertigt.

Majas Bewertung: ★★★★★★★★☆☆

“Nie wieder frei sein” beginnt ungewöhnlich. Zwar fand ein Gewaltverbrechen statt, doch überlebt Melanie Bauer die Vergewaltigung und Folterung. Dann beginnt eine Gerichtsverhandlung, bei der der mutmaßliche Täter Markus Rapp freigesprochen wird. Vor dem Gerichtssaal macht sich Empörung breit, außerdem hagelt es Blitzlichter von Journalisten. Eine junge Anwälting wollte sich profilieren. Keine Leiche, kein Mord, sondern lediglich eine Gerichtsverhandlung – ein eindrucksvoller Tatort-Beginn. Die beiden Münchner Hauptkommissare Franz Leitmayr und Ivo Batic sind ein eingespieltes und erfahrenes Team, welchem man gerne beim Ermitteln zusieht.

Von vorne bis hinten spannend und einfach mal ein Ausbruch aus den bisherigen Folgen, die oft nach einem immer gleichen Schema aufgebaut sind. Ein Tatort mit Fahrt, der durch viele unterschiedliche Kameraeinstellungen, eine Verfolgungsjagd, laute Streitgespräche und Schreierein an Schnelligkeit gewinnt. Es geht um Recht, Unrecht und Rechtsprechung.

Sendeinformationen

Sendelänge: 88:32
Drehbuch: Dinah Marte Golch
Regie: Christian Zübert
Erstsendung: 19.12.2010
Produktionssender: BR
Drehort: München und Umgebung
Bildformat: 16:9
Redaktion: Sylvia Koller, Bettina Reitz

Besetzung

Hauptkommissar Ivo Batic – Miroslav Nemec
Hauptkommissar Franz Leitmayr – Udo Wachtveitl
Regina Zimmer – Lisa Wagner
Vater Rapp – Tilo Prückner
Vater Bauer – Rainer Bock
Mutter Bauer – Ulrike Arnold
Sandra Krüger – Antje Widdra
Markus Rapp – Shenja Lacher
Peter Sammauer – Stephan Zinner
Staatsanwältin Böhm – Katharina Müller-Elmau
Melanie Bauer – Anna Maria Sturm
Mandy Wachowiak – Susanne Bormann
Siggi Mertens – Peter Kurth

Stab

Besetzung/Casting – Franziska Aigner-Kuhn
Herstellungsleitung – Andrea Wetzel
Innenrequisite – Kersten Grossmann
Kamera – Philipp Kirsamer
Kameraassistenz – Niv Abootalebi
Kostüme/Kostümbild – Andrea Spanier
Musik/Filmkompositionen – Sebastian Pille
Oberbeleuchter – Uwe Greiner
Produktionsassistenz – Andrea Nickel
Produktionsleitung – René Löw
Produzent – Kathrin Breininger
Produzent – Michael Polle
Regieassistenz – Paul J. Milbers
Schnitt – Dirk Göhler
Set-Aufnahmeleitung – Abraham Przemek
Szenenbild – Maximilian Lange

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