Puppenspieler – Tatort Bremen – Folge 864

by on 24. Februar 2013

In Bremen herrscht Aufregung. Fünf Richter des Verwaltungsgerichts kommen in die Hansestadt, um eine umstrittene Weservertiefung zu begutachten. Bei vier der Richter ist bereits klar, wie sie sich entscheiden werden. Nun kommt es auf Richter Konrad Bauser an, doch dieser wird plötzlich mit einem Video erpresst, auf dem er mit der minderjährigen Mel bei einem erotischen Zusammensein zu sehen ist. Kurz darauf ist Ole, der mutmaßliche Erpresser und Freund von Mel, tot.

Puppenspieler - Tatort Bremen

Puppenspieler – Tatort Bremen / Bild: Radio Bremen/Jörg Landsberg

Die Bremer Hauptkommissare Inga Lürsen (Sabine Postel) und Nils Stedefreund (Oliver Mommsen) sind sich erst einmal sicher, dass Richter Bauser etwas mit dem Mord zu tun hat. Doch dieser kann ein Alibi für den Tatzeitpunkt vorweisen. Je tiefer die Ermittler in den Fall einsteigen, desto schneller wird klar, dass sich Ole und Mel unwissentlich in einen Konflikt zwischen Wirtschaft und Politik eingemischt haben. Hat Bauser doch nichts mit dem Fall zu tun? Und in welchem Zusammenhang steht der Mord an Ole zu einer Serie von Morden, die bisher nicht aufgeklärt werden konnte?

Sebastians Bewertung: ★★★★★★★☆☆☆
Im neuen Bremer Tatort „Puppenspieler“ versuchen Inga Lürsen (Sabine Postel) und Nils Stedefreund (Oliver Mommsen) hinter die ganz große Verschwörung zu kommen. Unterstützt werden sie dabei von Leo Ulfanoff (Antoine Monot jr.), der als designierter und äußerst charismatischer Nachfolger Stedefreunds agiert und Inga Lürsen direkt in die Kiste lockt. Leider halten sich die munteren Momente in diesem Tatort zurück und es diktiert ein dunkles, angespanntes und gehetztes Klima die Folge. Zwar spannend aufbereitet, aber der Plot kommt nicht gerade ohne Schwachstellen aus. Schauspielerisch gibt es nichts auszusetzen, vor allem Antoine Monot jr. Rolle ist gut angelegt und bringt ein wenig Spaß in die Bude. Technisch wird auf schnelle Schnitte und Splitscreens gesetzt. Auch Musik kommt passend zum Einsatz.

Insgesamt ist dem Bremer Team mit „Puppenspieler“ ein guter und unterhaltsamer, aber leider nicht schlüssiger Tatort gelungen. Zu viele unübersehbare Ungereimtheiten begleiten Zuschauer und Ermittler in diesem Spiel. Ein Profilkiller der daneben schießt und sich von einem kleinen Mädchen veralbern lässt, eine Organisation von Mördern, geschützt und gestützt von ganz oben und Dilettantismus auf allen Seiten. Nur durch diese Mangel im Plot, konnte Bremen zum Spielort einer großen Weltverschwörung werden. Immerhin hat es uns auch ein wenig Spaß gemacht, außerdem könnte das Bremer Kammerspiel mit Antoine Monot jr. zu einer neuen Form auflaufen. Das macht Lust auf mehr, nicht nur bei Inga Lürsen.

Majas Bewertung: ★★★★☆☆☆☆☆☆
Der Tatort “Puppenspieler” aus Bremen beginnt wie eine CSI-Folge und auch im weiteren Verlauf kommt immer wieder das Gefühl hoch, dass sich die deutschen Tatort-Macher bei ihren amerikanischen Kollegen etwas abschauen wollten. Unterschiedliche Einblendungen und dreigeteilte Bilder während einer Nachrichtensendung, viele Perspektivwechsel der Kamera und ein ständiger Wechsel zwischen lauten schnellen und ruhigen Szenen machen das Zuschauen teilweise wirklich anstrengend.

Hauptkommissar Nils Stedefreund (Oliver Mommsen) steckt in einer Lebenskrise und will seinen Job bei der Mordkommission an den Nagel hängen. Deshalb steht auch schon der neue Kollege Leo Ulfanoff (Antoine Monot jr.) in den Startlöchern und sorgt bei Hauptkommissarin Inga Lürsen (Sabine Postel) für Irritationen. Monot spielte übrigens auch schon im Wiesbadener Tatort Das Dorf mit. Insgesamt brauchen sich die Schauspieler mit ihrer Leistung nicht verstecken.

Die Handlung folgt nicht unbedingt einem roten Faden, ist teilweise an den Haaren herbeigezogen, sodass das Folgen schwerfällt. Allerdings gibt es durch die vielen schnellen Frequenzen auch immer wieder Lichtblicke und der Zuschauer wacht auf. Alles in allem kann man von einem sehr mittelmäßigen Tatort sprechen.

Mehrmals ertönt der Song “The Wild Boys” von Duran Duran, außerdem von The xx “Angels”.
Regisseur Florian Baxmeyer konnte neben einigen anderen Tatort-Produktionen auch mehrere Filmprojekte mit “Die drei Fragezeichen” verwirklichen. Es bleibt auf jeden Fall spannend, wie es mit den drei Kommissaren in Bremen weitergeht.

Sendeinformationen
Sendelänge – 88:30
Drehbuch – Christian Jeltsch
Regie – Florian Baxmeyer
Erstsendung – 24.2.2013
Produktionssender – RB / WDR
Produktionsfirma – Bremedia
Drehort – Bremen und Umgebung
Bildformat – 16:9
Redaktion – Annette Strelow (RB), Götz Schmedes (WDR)

Besetzung
Hauptkommissarin Inga Lürsen – Sabine Postel
Hauptkommissar Nils Stedefreund – Oliver Mommsen
Helen Reinders – Camilla Renschke
Kriminalassistent Karlsen – Winfried Hammelmann
Dr. Katzmann (Pathologe) – Matthias Brenner
Leo Uljanoff – Antoine Monot jr.
Mel – Jella Haase
Ole – Sven Gielnik
Konrad Bauser – Christoph M. Ohrt
Sigrid Strange – Katja Danowski
Uwe Thurn – Samuel Weiss
Max Born – Tilo Werner
Pamela Willmor – Oda Thormeyer
Alex Walther – Janning Kahnert
Oles Vater – Frank Auerbach
Oles Mutter – Dagmar Leesch
Malte Evers – Christian Aumer
Reporter – Wilfried Huismann
Detektiv – Caspar Kaeser
Hafenfahrer – Andreas Pape
Kapuzenmann – Frank Richartz
Svens Mutter – Margrit Sartorius
Bolle´s Frau – Christina Athenstädt
Concierge – Boris Albert Böhringer
Umweltsenator – Martin Horn
N.N – Sasha Riemer

Stab
2nd Unit Kamera – Dirk Morgenstern
Assistent der Set-AL – Emma Spelman
Assistent der Set-AL – Miriam Gehrt
Assistent der Set-AL – Axel Bierstedt
Aufnahmeleitung – Dirk Eickhoff
Außenrequisite – Dagmar Schugk
Baubühne – Marcus Grau
Baubühne – Harald Prien
Beleuchter/Beleuchtungstechnik – Adriano Grilli
Beleuchter/Beleuchtungstechnik – Ole von Öhsen
Beleuchter/Beleuchtungstechnik – Dirk Rullkötter
Besetzung/Casting – Gitta Uhlig
Best Boy – Claus Scheipers
Continuity – Anna Slaba
Digital Colorist – Jutta Boukamp
Filmgeschäftsführung – Nina Dieckmann
Garderobe – Erika Haertel
Garderobe – Annika Brose
Herstellungsleitung – Sascha Ommert
Innenrequisite – Janina Lauer
Kamera – Marcus Kanter
Kameraassistenz – Philipp Schöttner
Kameraassistenz – Axel Stock
Kameraassistenz – Hagen Schöne
Kamerabühne – Ralf Wahl
Kostüme/Kostümbild – Astrid Karras
Licht – Olli Schafhausen
Location Scout – Kay Schellack
Maske/Maskenbildner – Elisabeth Harlan
Maske/Maskenbildner – Samira Ghassabeh
Mischtonmeister – Frank Buermann
Motivaufnahmeleitung – Kay Schellack
Postproduktion – Doris Ohlsen-Schöne
Produktionsfahrer – Torsten Moeck
Produktionsfahrer – Erik Seerainer
Produktionsleitung – Frank Berszuck
Produzent – Stephan Bechtle
Regieassistenz – Thomas Brück
Requisitenfahrer – Michael Waschnig
Schnitt – Elke Schloo
Schnittassistenz – Oliver Bronner
Set-Aufnahmeleitung – Manuela Rusch
Standfotografie – Jörg Landsberg
Stunt Koordination – Ronnie Paul
Szenenbild – Detlef Prowedi
Ton/Filmtonassistenz – Tina Schulte
Ton/Filmtonassistenz – Bianca Ihnken
Ton/Filmtonmeister – Frank Buermann
Videooperator – Jennifer Jahnz

Weitere Meinungen und Rezensionen

Spiegel.de: “Alle paar Folgen liefert die klitzekleine Sendeanstalt Radio Bremen einen Bigger-than-Bremen-”Tatort”, dem man sich in seiner forschen Art einfach nur ergeben kann. Dies ist so einer. Nicht zuletzt deshalb, weil Kommissarin Lürsen in dem Grau-in-Grau-Verschwörungsthriller den schönsten und kürzesten One-Night-Stand in der Geschichte des “Tatort” hat.”

NOZ.de: “Aber er tappt auch in eine klassische „Tatort“-Falle. Denn nicht nur die Auflösung des Falls ist eine wahrlich steile These. Ähnlich wie schon letzte Woche in Wien erscheinen große Teile der Staatsgewalt – diesmal des Bundeskriminalamts – wie eine monströse kriminelle Vereinigung.”

RP-Online.de: “Schnelle Schnitte und ein geteilter Bildschirm, auf dem mehrere kurze Sequenzen gleichzeitig laufen, geben Tempo. Über die Ungereimtheiten in der Geschichte dieses Verschwörungs-Krimis kann das aber nicht hinwegtäuschen.”

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swanro Februar 24, 2013 um 22:31

Totschlagargument “Verschwörungstheorie”. Dagobert Lindlau erzählt in seinem Buch “Der Mob” eine Sequenz in der an Bernd Eichinger (Regiseur zB Der Name der Rose) ein Film über Organisiertes Verbrechen schmackhaft gemacht werden soll.Erschreibt:”Vielleicht kann man fiktiv eine Realität darstellen, die unter die Haut geht. Unbehelligt von Verleumdungsklagen, denen Journalisten ausgesetzt sind….” Und das hat der Film hervorragend gemacht. Und er mußte düster sein. “Vielleicht sieht man das ja nach NSU etwas anders…” Vielleicht. Ich gebe 9 und da ist auch der Dicke dran Schuld. Guter Mann.

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Tiwa Februar 26, 2013 um 22:35

Der Bremer Tatort nervt einfach unwahrscheinlich. Eine hanebüchene Geschichte für Verschwörungstheoretiker soll dieses Mal durch viele schnelle Schnitte, Splitscreen und coole Musik schmackhaft gemacht werden. Die Darstellung des “Ortstermins” der Richter des BVerwG ist für jeden mit ein wenig juristischer Bildung einfach nur lächerlich – wie viele andere Details (das munter drauf los mordende BKA-Team ist ein weiterer “Hit”) und die völlig unprofessionelle Arbeit des auch so netten “unkonventionell arbeitenden” Ermittlungsteams. Schade um das viele Geld, das in diesen Mist geflossen ist – einfach den Bremern den Tatort und einiges andere streichen, das Bundesland ist eh pleite und wenn man sich diesen Schrott ansieht, dann nur zu Recht…

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