Schwindelfrei – Tatort Wiesbaden – Folge 889

by on 8. Dezember 2013

Der letzte Tatort mit Ulrich Tukur als LKA-Ermittler Felix Murot wurde vor ziemlich genau zwei Jahren ausgestrahlt und viele Fans erwarten den neuen Fall “Schwindelfrei” mit großer Vorfreude. Und es gibt tatsächlich Grund zum Feiern, denn Murot hat seine Krankheit überstanden und kann aus der Reha entlassen werden. Er ruft sogleich seine Sekretärin, die er sichtlich vermisst hat an und lädt sie nach Fulda ein. Die beiden besuchen gemeinsam eine dortige Vorstellung des Zirkus “Raxon”.

Tatort Schwindelfrei

Schwindelfrei – Tatort Wiesbaden / Bild: HR/Katrin Denkewitz

Felix Murot hat seine Lebensfreude wieder und genießt den Abend mit Magda Wächter (Barbara Philipp). Schließlich wird er sogar in die Manege gerufen und muss eine Nummer mit dem Bauchredner des Zirkus über sich ergehen lassen. Doch plötzlich fängt eine Frau im Publikum an zu schreien und zeigt auf einen Mann in der Mange “Das ist er – lasst ihn nicht entkommen!” Die hysterische Frau lässt sich kaum beruhigen und schreit weiter. Dann geht unvermutet das Licht aus und es wird für kurze Zeit stockdunkel. Als das Licht wieder angeht und sich der Zirkusdirektor beim Publikum für den Stromausfall entschuldigt ist die Frau weg. Außerdem hat sich er Pianist der Zirkuskapelle die Hand verletzt.

Am nächsten Morgen müssen Felix Murot und seine Sekretärin Magda Wächter aus den Nachrichten im Fernsehen erfahren, dass die Frau, die am Abend zuvor so hysterisch geschriehen hat, vermisst wird. Der LKA-Ermittler will der Sache direkt auf den Grund gehen und sucht erneut den Zirkus auf. Da der Pianist verletzt ist, heuert er kurzerhand selbst als dessen Vertretung an um die Zirkus-Crew genauer unter die Lupe nehmen zu können. Schnell stößt er dabei auf die dunkle Vergangenheit eines Artisten, doch die Auswirkungen werden erst nach und nach in vollem Ausmaß sichtbar…

Sebastians Bewertung: ★★★★★★★★☆☆
In “Schwindelfrei” ermittelt Felix Murot (Ulrich Tukur) in eigener Regie im Umfeld eines Zirkus. Er hat sich dort als Pianist eingebracht, nachdem sich der eigentliche Pianist die Hand gebrochen hat. Der Plot wirkt nicht nur so, nein, er wurde Tukur auf den Leib geschneidert. Denn dieser kann hier sein ganzes Repertoire zeigen. Er singt, tanzt und spielt Klavier. Der Fall, das Setting und die Rollen sind durch und durch skurril angelegt und werden von exzellenten Darstellern in ein großes, geheimnisvolles und zum Teil urkomisches Ganzes gehüllt.

Auf der Strecke bleibt lediglich der Krimi selbst und die Spannung, die hin und wieder doch etwas zu kurz kommen. Die Kamera fängt ganz im Murot-Stil vor allem dunkle Bilder auf und agiert mit vielen Farbfiltern. Auch der Vorspann wurde kreativ in Szene gesetzt und ist so sicher einmalig. An der Filmmusik wurde nicht gespart, eingängige Klavierstücke und viele bekannte Songs, sowie Eigenkompositionen runden den Zirkusstil ab.

Insgesamt ist dem Hessischen Rundfunk mal wieder ein recht außergewöhnlicher Tatort gelungen, der sicher nicht dem Standard eines spannenden Krimis mit hohem Erzähltempo verfolgt und ebenso sicher auch nicht den Nerv aller Zuschauer trifft. Mir hat “Schwindelfrei” trotzdem außergewöhnlich gut gefallen, da es einfach ein außergewöhnlicher Fall mit außergewöhnlichen Darstellern ist. Ich mag den Murot, seine eigenwillige Art und die seiner Fälle. Danke HR!

Majas Bewertung: ★★★★☆☆☆☆☆☆
Zugegebenermaßen hatte ich große Erwartungen an Ulrich Tukur in seiner Rolle als Felix Murot. Doch der Tatort “Schwindelfrei” aus Wiesbaden konnte mich nicht ganz überzeugen. Die Geschichte rund um den Zirkus “Raxon” war sehr langatmig. Insbesondere in der ersten Hälfte ging es mehr um die zurückerlangte Lebensfreude von Murot und um den Zirkus selbst. Kriminalistische Züge und die typischen Elemente des Tatort haben gänzlich gefehlt. Und auch in der zweiten Hälfte ließen diese eher zu wünschen übrig.

Die Schauspieler haben im Grunde alle eine wirklich gute Leistung abgegeben und ihre Rollen sehr überzeugend gespielt. Gerade Ulrich Tukur konnte wieder glänzen und dieses Mal auch seine Freude am Leben zeigen. Die letzten beiden Folgen mit ihm waren extrem düster, heute konnte er mit einem ständigen Lächeln auf dem Gesicht und sichtlicher Freunde seines neugewonnen Lebens die Zuschauer begeistern. Auch Barbara Philipp machte als Magda Wächter eine gute Figur an seiner Seite und überzeugte auf ganzer Linie. Die Kostüme und der Zirkus und seine Crew selbst ist nicht jedermanns Sache, meine war es überhaupt nicht. Positiv zu erwähnen sind auch die vielseitigen Kameraeinstellungen und passenden musikalischen Untermalungen. Erwähnenswert ist auch die allererste Szene, in der Murot noch in der Reha ist und gerade selbst einen Tatort im Fernsehen schaut.

Insgesamt war mir aber zuviel Zirkus – im wahrsten Sinne des Wortes. Mir haben außerdem eine interessante Handlung, die einem Krimi mit Tukur angemessen gewesen wäre, völlig gefehlt. Schade. Die vergebenen Punkte gelten einzig und alleine den Schauspielern.

Sendeinformationen
Sendelänge – 88:30
Drehbuch – Justus von Dohnànyi
Regie – Justus von Dohnànyi
Erstsendung – 8.12.2013
Produktionssender – HR
Produktionsfirma – Maran Film
Drehort – Frankfurt/Main, Bad Homburg, Fulda und Umgebung
Bildformat – 16:9
Redaktion – Jörg Himstedt, Liane Jessen

Besetzung
LKA-Ermittler Felix Murot – Ulrich Tukur
Magda Wächter (Sekretärin) – Barbara Philipp
Frank – Uwe Bohm
Caja – Dorka Gryllus
Rosalie – Zazie de Paris
Pianist – Leonard Carow
Editha Rourka – Victoria Trautmannsdorff
Zoltan – Norbert Heisterkamp
Wasili – Albert Kitzl
Gino (Bassist) – Hans-Günther Martens
Toni (Gitarrist) – Ulrich Mayer
Schlagzeuger – Kalle Mews
Raxon (Zirkusdirektor) – Josef Ostendorf
Buca – Jevgenij Sitochin
Leja – Lijana Sperlich-Frank

Stab
Assistent der Set-AL – Steffen Gros
Assistent der Set-AL – Wolfram Eis
Baubühne – Michael Reich
Clapper-Loader – Tobias M. Bartl
Continuity – Béatrice M. Hoffmann
Innenrequisite – Corina Kraus
Kamera – Carl-Friedrich Koschnick
Kameraassistenz – Arnd Geißheimer
Komparserie – Maria Stähle
Komparserie – Erin Högerle
Kostümbildassistenz – Annette Finze
Kostüme/Kostümbild – Katharina Schnelting
Maske/Maskenbildner – Heidi Lauser
Produktionsleitung – Uli Dautel
Regieassistenz – Rick Ostermann
Requisite – Christian Mangwa
Requisitenfahrer – Daniel Chun
Stunt Koordination – Rainer Werner
Szenenbild – Börries Hahn-Hoffmann
Szenenbildassistenz – Fabienne Niedlich

Weitere Meinungen und Rezensionen

Abendblatt.de: Und so fasziniert dieser durchweg exzellent gespielte “Tatort” weniger mit dem Rätsel um das Ableben einiger Figuren, sondern vor allem mit einem philosophischen Blick auf das Leben, das mit seinen Volten immer neue Möglichkeiten schafft. Auch für einen LKA-Chef.

Tagesspiegel.de: Spurensicherung? Gerichtsmedizin? Verfolgungsjagd? Fehlanzeige. Es muss ja nicht der Streit um Kaffee im Kommissariat, Kompetenzen und kaputte Kollegen sein, der den „Tatort“ Sonntag für Sonntag immer öfter gleich aussehen lässt. Etwas mehr Exzentrik? Bitte sehr. Aber wenn, dann bitte mit Spannung. Nicht wie in „Schwindelfrei“.

Tittelbach.tv: Dass der neue Fall in einem heruntergewirtschafteten Zirkus spielen würde, war Tukurs Idee. Der singt und spielt Klavier. Inszeniert mit großem Stilwillen. Ein lustvoller Spaß, der sich ein Stück weit in Richtung Mainstream bewegt. Im Kern wirkt die Sache wie immer: Eine Frau erstochen, ein Tatzeuge verschwunden…

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