Skalpell – Tatort Luzern – Folge 839

by on 28. Mai 2012

Es ist ein schöner Sonntagnachmittag in Luzern. Dr. Lanther (Benedict Freitag), der ärztliche Leiter der Pilatusklinik und dessen stellvertretender Leiter Maro Salimbeni (Thomas Sarbacher), nehmen an einem Solidaritätsmarathon zu Gunsten eines Kinderhilfswerks teil. Mitten im Wettkampf wird Dr. Lanther ermordet und bleibt mit einem Skalpell in seinem Hals auf dem Waldweg liegen. Kommissar Reto Flückiger (Stefan Gubser) nimmt unterstützt von Kommissarin Liz Ritschard (Delia Mayer) umgehend die Ermittlungen auf.

Tatort Luzern Skalpell

Skalpell – Tatort Luzern / Bild: SWR/SRF/Daniel Winkler

Proben aus dem Waldboden geben Hinweise, dass sich Lanther und Salimbeni in nur geringer Entfernung von einander im Wald erleichtert haben müssen. Hat Salimbeni den prominenten Chirurgen zuletzt lebend gesehen? Die Kommissare konzentrieren sich bei ihren Ermittlungen erst einmal auf das persönliche Umfeld des Kinderchirurgen und stellen fest, dass Salimbeni mit Lanthers Frau Imelda (Regula Grauwiller) ein Verhältnis gehabt hat, von dessen Existenz der betrogene Ehemann erst vor kurzen erfahren hatte und das zum Ende der Freundschaft zwischen den beiden Ärzten führte. Doch dann stoßen die Ermittler auf eine interessante Spur, die an der Unfehlbarkeit des Promiarztes zweifeln lässt und die kleinen Patienten und deren Eltern eine entscheidende Rolle im Fall einnehmen…

Sebastians Bewertung: ★★★★★★☆☆☆☆
Kommissar Reto Flückiger (Stefan Gubser) muss sich mit seinem Team um einen Fall kümmern, der es wahrlich in sich hat. Die Problemstellung um zu früh operierte Intersexuelle treibt die Ermittler schon bald an ihre Belastungsgrenze. Je weiter sich der Fall spinnt, desto mehr kommen auch die schauspielerischen Qualitäten Gubsers und seiner Kollegen zum Tragen. Der Plot ist gut durchdacht und wird von der Regie sehr solide umgesetzt. Zwar lässt die Spannung bei der Suche nach dem Mörder über große Teile der Folge zu Wünschen übrig, das sensible Thema kann den Zuschauer dennoch bei der Stange halten. In Sachen Bildsprache wird häufig auf dunkle Einstellungen gesetzt, nur selten lockern Luzerner Landschaftspanoramen die Szenerie auf. Musik und Soundeffekte werden sehr dosiert eingesetzt.

Insgesamt ist dem neuen Schweizer Tatort eine deutliche Verbesserung zur ersten Folge „Wunschdenken“ gelungen. Zwar leidet die Produktion des Schweizer Fernsehens noch immer an der bisweilen lausigen Synchronisation, kann dies aber mit einem guten Fall und ordentlichen Schauspielern wettmachen. Auch wenn Witz und Humor in dieser dunklen Folge leider keinen Platz finden, wird ein komplexes Thema sehr sensibel in einen vernünftigen Fall verpackt. Ein Vorhaben, welches – wie die jüngere Tatort Geschichte zeigt – schon viel zu häufig schief gegangen ist. Insofern gebührt dem SF-Team Respekt für die Leistung und sechs sehr ordentliche Sterne.

Majas Bewertung: ★★★★★★☆☆☆☆
Die Schweizer nehmen sich in ihrem Tatort “Skalpell” mit schwierigen Thema der Intersexualität an und meistern es – kriminaltechnisch gesehen. Die Schauspieler sind authentisch, was mit das Wichtigste ist. Bereits letztes Jahr konnten sowohl der Kölner Tatort “Altes Eisen” und die Folge “Zwischen den Ohren” aus Münster mit einem sehr ähnlichen Thema punkten. Kommissar Reto Flückiger (Stefan Gubser) konnte nach seiner eher verpatzen ersten Folge Wunschdenken nun seine schauspielerischen Qualitäten unter Beweis stellen. Er ist sympathisch und bodenständig. Ähnlich auch seine neue Kollegin Liz Ritschard (Delia Mayer), die gerade aus Chicago zurückgekehrt ist. Und auch sie gibt eine gute Figur ab. Das neue Team konnte auf jeden Fall einen guten Start hinlegen.

Spannend war der Tatort “Skalpell” nur bedingt, die Handlung aber durchdacht, sodass es insgesamt ein unterhaltsame Folge gewesen ist. Düster scheint es in Luzern zu sein, denn passend zum Thema gibt es weder besonders viel künstliches Licht noch Sonne. Die Szene am Imbiss hätte nicht sein müssen, denn die Wurstbude ist doch den Kölnern vorbehalten. Auch die Sache mit der Armbrust hätte nicht unbedingt sein müssen – wir sind doch nicht bei Wilhelm Tell! Und über die Synchronisierung müssten wir noch einmal sprechen liebe Schweizer… Alles in allem können wir uns auf weitere Folgen dieses Luzerner Tatort-Teams freuen! Macht weiter so!

Sendeinformationen
Sendelänge – 88:30
Drehbuch – Urs Bühler
Regie – Tobias Ineichen
Erstsendung – 28.5.2012
Produktionssender – SF
Drehort – Luzern und Umgebung
Bildformat – 16:9
Redaktion – Maya Fahrni

Besetzung
Kommissar Reto Flückiger – Stefan Gubser
Kommissarin Liz Ritschard – Delia Mayer
Eugen Mattmann – Jean-Pierre Cornu
Ernst Schmidinger – Andrea Zogg
Yvonne Veitli (Kriminaltechnikerin) – Sabina Schneebeli
Marcel Küng – Martin Klaus
Beat Odermatt – Matthias Fankhauser
Birgit Bürki – Anna Schinz
Elsa Giger – Suly Röthlisberger
Dr. Marco Salimbeni – Thomas Sarbacher
Imelda Lanther – Regula Grauwiller
Urs Bucher – Peter Jecklin
Verena Bucher – Rebecca Indermaur
Theres Ottiker – Nana Krüger
Claudia Caflisch – Steffi Friis
Alme Krasnici – Jessica Oswald
Dr. Peter Lanther – Benedict Freitag
Tariq Bajrami – Artan Morina
Jaques Bürki – Yves Raeber
Gertrud Bürki – Babett Arens

Stab
Besetzung/Casting – Corinna Glaus
Garderobe – Regula Marthaler
Kamera – Martin Fuhrer
Kameraassistenz – Rahel Koller
Musik/Filmkompositionen – Fabian Römer
Oberbeleuchter – Peter Demmer
Produktionsassistenz – Sevda Yilmaz
Produktionsleitung – Sina Schlatter
Produzent – Alfi Sinniger
Schnitt – Mike Schaerer
Schnitt – Michael Schaerer
Ton/Filmtonmeister – Hugo Poletti

Weitere Meinungen und Rezensionen

Faz.net: Die erste Folge des neuen Schweizer „Tatorts“ aus Luzern, gesendet im August vergangenen Jahres, kann vergessen werden. Denn die zweite, „Skalpell“, macht fast alles gut, was damals schiefging: schauspielerisch, erzählerisch, filmisch (Buch Urs Bühler, Regie Tobias Ineichen). Sie macht es mit einer Geschichte, in der es in fast jeder Szene um Taten geht, die nicht wieder gutzumachen sind.

Süddeutsche.de: Wenn nicht gesprochen wird, werden Köpfe zur Seite geneigt. Dauernd fasst jemand den Ermittlungsstand zusammen, und Flückiger (Stefan Gubser) lässt sich quälend lange beim Denken zusehen. Am Ende ist dann natürlich, Hopp Schwiiz, eine Armbrust der Schlüssel zur Klärung aller offenen Fragen, Wilhelm Tell lässt herzlich grüßen. So wird ein großes Thema auf dem Altar der Folklore geopfert.

Stuttgarter Zeitung: Fettnäpfchen, Stolperfallen und moralische Dilemmata: Filmemacher müssen ziemlich behutsam vorgehen, wenn sie so ein delikates Thema wie Sexualität angehen. „Skalpell“ merkt man diesen Drahtseilakt aber nicht an, im Gegenteil. Regisseur Tobias Ineichen schafft es, ein Tabuthema offen, mit Respekt für die Betroffenen und trotzdem spannend abzuhandeln – und zeigt dabei, dass Schweigen manchmal schlimmer ist als das vermeintliche Problem selbst.

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Skalpell - Tatort Luzern - Folge 839, 6.7 out of 10 based on 6 ratings

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swanro Mai 28, 2012 um 21:24

Ich finde die Kritik der Süddeutschen ja etwas merkwürdig.
Ich mag selber nicht jedes Detail kritisieren und heute nur aus dem Bauch argumentieren. Es war ein Tatort, der mich durchgehend mit genommen hat, mit einem sehr authentischen Team. “Lustige” Sprüche gibt es ja in Tatorten genug und dieser kam halt ohne aus. Für mich war es einer der Besseren.

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nadeshda Juni 2, 2012 um 22:00

ich hab ihn jetzt verspätet angesehen und bin positiv beeindruckt – ein komplexes thema komplex darzustellen find ich gut. ernst ist ja selten geworden im tatort – daher auch gut. aber am besten waren die bildsequenzen, also die einzelbilder bei der untersuchung der beweisstücke und auch zwischendurch, standbild schlägt hier für mich bewegtbild.

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