Todesschütze – Tatort Leipzig – Folge 852

by on 2. Dezember 2012

Das Lehrerehepaar Winkler wird nachts von drei Jugendlichen angegriffen und grausam zusammengeschlagen. Zufällig sind die beiden Streifenpolizisten Philip Rahn (Wotan Wilke Möhring) und Peter Maurer (Rainer Piwek) nicht weit entfernt und kümmern sich um Opfer. Die jungen Männer können jedoch unerkannt fliehen, als sich die Polizisten der Gruppe nähern.

Todesschütze Tatort Leipzig

Todesschütze – Tatort Leipzig / Bild: MDR/Junghans

Nach dem brutalen Überfall liegt Anne Winkler (Natascha Paulick) im Koma und hat in Folge des Angriffs ihr ungeborenes Baby verloren. Ihr Mann René (Stefan Kurt) versucht mit der nächtlichen Attake fertig zu werden und muss dabei auch etliche Unstimmigkeiten der Polizei hinnehmen. Die Leipziger Hauptkommissare Eva Saalfeld (Simone Thomalla) und Andreas Keppler (Martin Wuttke) beginnen ihre Kollegen zu befragen, doch deren Aussagen widersprechen sich. René Winkler konnte die Täter beschreiben und diese Beschreibung passt sehr gut auf Rahns Sohn Tobias. Die Ermittler glauben, dass Rahn seinen Sohn schützen will. Doch ob auch Maurer die jungen Täter nicht erkannt hat bleibt ungewiss. Warum sollte er sie schützen wollen? Zudem kommt, dass der Dienststellenleiter in Leipzig seine Polizisten in Schutz nimmt und Marcel (Antonio Wannek), Tobias (Jonas Nay) und Robin (Vincent Krüger) kein Wort sagen. Sie haben ihre Alibis abgesprochen und ohne Zeugen kann ihnen der nächtliche Überfall nicht nachgewiesen werden. Schließlich stirbt Anne Winkler und ihr Mann beginnt verzweifelt, selbst zu handeln…

Im Tatort “Todesschütze” spielt übrigens Wotan Wilke Möhring den Streifenpolizisten Philip Rahn und verspricht somit einen sehenswerten Krimi. Möhring wird ab 2013 Tatort-Kommissar in Hamburg und mit einem zweiten Ermittler-Team neben Til Schweiger als Kommissar Nick Tschiller Paroli bieten. “Feuer über Flottbeck” ist bereits abgedreht und wird Anfang nächsten Jahres in der ARD zu sehen sein.

Sebastians Bewertung: ★★★★★☆☆☆☆☆
Der neue Leipziger Tatort „Todesschütze“ nimmt das brandaktuelle Thema der Jugendgewalt auf. Andreas Keppler (Martin Wuttke) und Eva Saalfeld (Simone Thomalla) versuchen eine Gruppe bekannter Schläger dingfest zu machen, die ein Pärchen brutal zusammengeschlagen haben. Leider verliert sich die Handlung aber zu sehr in eine Reihe von Nebenkriegsschauplätzen. Selbstjustiz, Polizeigewalt und -bestechung, Vergewaltigung, Eheprobleme und Privatsphäre in Social Networks: Für alles findet sich ein Platz in diesem Plot.

Die schauspielerische Leistung haut nicht gerade vom Hocker. Tragende Nebenrollen fallen leider deutlich ab. Besonders dilettantisch die „Streitszene“ im Polizeirevier, bei der vor allem Wotan Wilke Möhring (übrigens bald Kommissar in Hamburg) in seiner Rolle als Streifenpolizist Rahn keine gute Figur macht. Kamera und Bild setzen – passend zur durchaus brutalen Handlung – vor allem auf dunkle Einstellungen. Musik findet kaum Verwendung, etwaige Soundeffekte werden angenehm dosiert eingesetzt.

Insgesamt ist dem MDR mit „Todesschütze“ nur ein sehr durchschnittlicher Tatort gelungen. Zu durchsetzt war die Handlung und die Themen, zu mittelmäßig die Leistung der Darsteller. Highlight der Folge war, als „Horatio Keppler“ seine Sonnenbrille aus dem Gesicht nimmt und feststellt, dass es doch gar nicht so dunkel am Tatort gewesen sein kann. Leider eine Fehleinschätzung, denn dieser Tatort ist laut, blutig, schwarz, und übertrieben.

Majas Bewertung: ★★★★★★★★☆☆
Schon die ersten Szenen in “Todesschütze” sind extrem brutal. Ungewöhnlich für einen Tatort beginnt diese Folge nicht mit einer Leiche, sondern mit einem Überfall auf ein Ehepaar. Anne Winkler stirbt erst später. Und die Täter sind direkt im Visier der Polizei, was ebenfalls eher ungewöhnlich ist.

Wotan Wilke Möhring spielt einen sehr überzeugenden Streifenpolizisten namens Philip Rahn. Wir dürfen uns also auf sein Debüt als Kommissar im Tatort Hamburg nächstes Jahr freuen. Doch auch Simone Thomalla als Eva Saalfeld und Martin Wuttke als Andreas Keppler giften sich in diesem Tatort nicht kaum an und lassen ihre Vergangenheit Vergangenheit sein. Sie ziehen an einem Strang und ermitteln gemeinsam. So soll das sein. Beide sind in Hochform und überzeugen auf ganzer Linie. An dieser Stelle muss auch Stefan Kurt erwähnt werden, der seine Rolle als verzweifeltes Opfer sehr ernst nimmt und dem man eben diese Rolle abnimmt. Passende Filmmusik unterstützt fast alle Szenen. Zudem gibt es etliche Außenaufnahmen – grau, kalt, nass – die die Stimmung in “Todesschütze” widergeben.

Auch wenn der Tatort nicht vor Spannung sprudelt, ist dem MDR ein guter Krimi gelungen, der den Zuschauer fesselt und durch Dramatik punktet. Vielleicht ist es auch nur die Aktualität eines brutalen Überfalls vor einige Wochen in Berlin, welcher uns so schaudern lässt.

Sendeinformationen
Sendelänge – 88:30
Drehbuch – Mario Giordano, Andreas Schlüter
Regie – Johannes Grieser
Erstsendung – 02.12.2012
Produktionssender – MDR
Produktionsfirma – Saxonia Media
Drehort – Leipzig und Umgebung
Bildformat – 16:9
Redaktion – Sven Döbler

Besetzung
Hauptkommissarin Eva Saalfeld – Simone Thomalla
Hauptkommissar Andreas Keppler – Martin Wuttke
Kriminaltechniker Wolfgang Menzel – Maxim Mehmet
René Winkler – Stefan Kurt
Anne Winkler – Natascha Paulick
Phillip Rahn – Wotan Wilke Möhring
Tobias Rahn – Jonas Nay
Ulrike Rahn – Carina Wiese
Marcel Degner – Antonio Wannek
Robin Franke – Vincent Krüger
Peter Maurer – Rainer Piwek
Frauke Maurer – Winnie Böwe
Werner Schubert – Hasko Weber
Robins Mutter – Anne-Kathrin Gummich
Frauenärztin – Corinna Waldbauer
Kellnerin – Beate Christiane Furcht

Stab
Assistent der Set-AL – Anne Schmidt
Beleuchter/Beleuchtungstechnik – Henryk Olk
Beleuchter/Beleuchtungstechnik – Martin Beck
Erster Aufnahmeleiter – Jörg Dowidat
Fachberatung – Lydia Rudolph
Garderobe – Gabriela Hans
Innenrequisite – Frank Jankowski
Kamera – Wolf Siegelmann
Kameraassistenz – Olaf Klein
Kameraassistenz – Jonas Schatz
Kamerabühne – Daniel Krause
Kostüme/Kostümbild – Aenne Plaumann
Oberbeleuchter – Maik Reimann
Produktionsassistenz – Jenny Helch
Produktionsfahrer – Sebastian von Merveldt
Regieassistenz – Beatrice Ullmann
Regiepraktikant – Steve Bache
Set-Aufnahmeleitung – Fritzie Schmidt
Ton/Filmtonassistenz – Gert Blumhagen
Ton/Filmtonassistenz – Frank Schubert
Ton/Filmtonmeister – Andreas Mücke Niesylka

Weitere Meinungen und Rezensionen

Abendblatt.de: “Todesschütze” ist ein Film wie der Trip in einen dunklen Schlund, in dem man nicht gern hineinsieht, es aber trotzdem fasziniert tut. Man schaut ihn mit der Wut von Eva Saalfeld und der müden Verzweiflung von Keppler, der immer leiser wird, je lauter dieser Fall sich entwickelt. Der Film macht alles richtig, und ist doch seltsam unbefriedigend.

Maerkischeallgemeine.de: Dass Thomalla und Wuttke heute über ihren Schatten springen, ist ein Glücksfall, doch vielleicht nur die Ausnahme von der Regel. Umso wichtiger, dass das gesamte Ensemble über sich hinaus wächst und uns mit seinem Spiel voll erwischt. Wie ein SOS aus schwerer See.

Welt.de: “Todesschütze” besticht durch ein starkes Ensemble, aus dem Martin Wuttke herausragt. Seinen Kommissar umgibt die gallige Schwere des Film Noir. Mit der Witterung und Geschmeidigkeit einer Echse bewegt sich die schmächtige Statur durch die Stadt, immer auf dem Quivive, den spitzen Blick von einer bogartschen Leere verhangen. Dialoge reduziert er auf das Nötigste. Leidenschaftlich ist nur sein Zynismus.

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