Tote Erde – Tatort Stuttgart – Folge 847

by on 21. Oktober 2012

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An einem grauen Herbstmorgen wird die Leiche des Studenten Lukas Baumann am Fuß des Cannstatter Pfeilers gefunden. Anscheinend hat der Freeclimber den Halt verloren und ist in die Tiefe gestürzt. Doch die Rechtsmedizin stellt alsbald fest, dass der junge Mann wohl mit einem Luftgewehr beschossen worden ist, so dass er den Halt verlor. Die Mordkommission um die Stuttgarter Kommissare Thorsten Lannert (Richy Müller) und Sebastian Bootz (Felix Klare) nehmen umgehend die Ermittlungen auf.

Tote Erde - Tatort Stuttgart

Tote Erde – Tatort Stuttgart / Bild: SWR/Alexander Kluge

Über die Freundin des Getöteten bringen die Kommissare einige interessante Hintergründe in Erfahrung. Lukas war Mitglied in einer Umweltschutzorganisation Namens „Ecopirates“, die sich das öffentliche Anprangern von Umweltsünden zur Aufgabe gemacht haben. Auch an diesem Morgen sollte eine weitere Aktion stattfinden, die durch den Tod von Lukas verhindert wurde. Melli selbst gibt allerdings an, nichts mir der Gruppe zu tun zu haben. Sie als Chemikerin hat nur ab und zu mal eine Probe der „Ecopirates“ untersucht.

Beunruhigend wird der ganze Fall, als die Ermittler den vollständigen Leichenbefund auf dem Tisch haben: Lukas war so sehr mit Schwermetallen verseucht, dass er ohnehin nicht mehr lang zu leben gehabt hätte. Die Vergiftung Lukas‘ muss bei der Aufdeckung eines gigantischen Skandals stattgefunden haben und Freund und Mitstreiter Timo – der vor der Vernehmung geflohen ist – ist in höchster Gefahr!

Sebastians Bewertung: ★★☆☆☆☆☆☆☆☆
Im Stuttgarter Tatort „Tote Erde“ beschäftigen sich die Ermittler Thorsten Lannert (Richy Müller) und Sebastian Bootz (Felix Klare) mit dem Mord an einem Umweltaktivisten und tauchen in eine Welt von militanten Umweltschützern, abgezockten Unternehmern und privaten Scharmützeln ein. Schauspielerisch bleiben die meisten Darsteller dabei leider blass, lediglich Natalia Wörner macht als Staatsanwältin Henrike Habermas bei einigen erotischen Szenen „Lust auf mehr“.

Das Drehbuch ist sehr schwach, bedient es sich doch haufenweise überzogenen Klischees und einer offensichtlich konstruierten Handlung. Dabei zieht sich der dünne Handlungsstrang wie Kaugummi. Auch das Soundsetting, Kamera und Bild passen sich dem langweiligen Fall an und können nicht hervorstechen. Anders gesagt: Es passt alles in das öde Gesamtbild.

Insgesamt muss man leider attestieren, dass es kein Fehler ist „Tote Erde“ nach gut 10 Minuten mit dem Wegschalten zu bestrafen. Immerhin hat man dann alles gesehen: Das trübe Herbstwetter, den Cannstatter Pfeiler und die nackt schwäbelnde Natalia Wörner. Was folgt sind knapp 80 richtig schwache Minuten, die mit einem der langweiligsten Kniffe in der Krimidramaturgie enden: Das „überraschende“ Motiv. Hoffen wir, dass der Stuttgarter Tatort irgendwann mal wieder einen guten Kriminalfall bereithält, gell?

Majas Bewertung: ★★★★★★☆☆☆☆
Zu Beginn sieht beim Tatort „Tote Erde“ alles nach einem Unfall aus. Doch da sich die Stuttgarter Tatort-Kommissare wohl kaum mit einem Unfall beschäftigen, wird schnell klar, dass es sich doch um einen Mord handelt und der Student Lukas bei seiner nächtlichen Kletteraktion nicht einfach so vom Cannstatter Pfeiler gestürzt ist. Hauptkommissar Thorsten Lannert (Richy Müller) und Sebastian Bootz (Felix Klare) haben ihre Hausaufgaben erledigt und ihre Rollen gut gespielt. Insbesondere ist auch Kriminaltechnikerin Nika Banovic (Miranda Leonhardt) zu erwähnen, denn auch sie ist im Team angekommen und unterstützt die beiden Kommissare wo sie nur kann. Die Handlung ist an einigen Stellen doch sehr undurchsichtig, doch schleicht sich von Anfang an immer wieder Spannung ein.

Im Zuge der Umweltaktivisten hat der SWR mal wieder tief in die Klischekiste gegriffen und so etliche Dinge ans Licht geholt, die auch hätten verborgen bleiben können. Das Thema rund um die verstrahlte Erde und einen Unternehmen, der versucht seine Fehler zu vertuschen ist durchaus zeitgemäß. Und auch in Sachen Privatleben scheint der Tatort vor nichts zurückzuschrecken. Bootz Frau Julia (Maja Schöne) bekommt eine schwere Krankheit diagnostiziert, woraufhin er sich beim Innendienst bewirbt. Lannert trauert seiner Nachbarin Lona Wegener (Birthe Wolter) nach, nachdem er sie am Flughafen verabschiedet und sie Stuttgart gegen Brasilien eintauscht. Und dann ist da ja noch Staatsanwältin Habermas, die doch sehr freizügig beim Sex mit ihrem neuen Freund Johannes Riether (Mark Waschke) erwischt wird. Weitere sehr private Szenen gibt es u.a. beim Karaoke in einer Bar und bei einem Heiratsantrag. Staatsanwältin Henrike Habermas (Natalia Wörner) ist übrigens nur kurzfristig eingesprungen, da ihre Kollegin kurz vor den Dreharbeiten krank geworden ist. Allerdings hat sich sich im Team mit Lannert und Bootz doch wirklich gut geschlagen und es stellt sich die Frage ob sie nicht eine gute Besetzung wäre. Die Schwaben freuts wahrscheinlich, denn endlich durfte in einem Stuttgarter Tatort mal wieder so richtig geschwäbelt werden. Ob nun die Staatsanwältin oder der Hausmeister des Studentenwohnheims, der Dialekt im Schwabenländle macht ja bekanntlich vor keiner Berufsgruppe halt.

Trotz zahlreicher Klisches konnte der Tatort „Tote Erde“ mit einer plausiblen spannenden Handlung sowie einem eingespielten Ermittlerteam punkten.

Sendeinformationen
Sendelänge – 88:30
Drehbuch – Wolf Jakoby, Thomas Freundner
Regie – Thomas Freundner
Erstsendung – 21.10.2012
Produktionssender – SWR
Produktionsfirma – Maran Film
Drehorte – Stuttgart, Baden-Baden, Karlsruhe, Fellbach, am Kappelberg
Bildformat – 16:9
Redaktion – Brigitte Dithard, Manfred Hattendorf

Besetzung
Hauptkommissar Thorsten Lannert – Richy Müller
Hauptkommissar Sebastian Bootz – Felix Klare
Staatsanwältin Henrike Habermas – Natalia Wörner
Nika Banovic (Kriminaltechnikerin) – Miranda Leonhardt
Daniel Vogt (Gerichtsmediziner) – Jürgen Hartmann
Julia Bootz – Maja Schöne
Lona Wegener – Birthe Wolter
Melli Brandt – Paula Kalenberg
Timo Heller – Philipp Quest
Johannes Riether – Mark Waschke
Wahrsagerin Saraswati – Katharina Heyer
Lukas Baumann – Robin Utz
Bakic – Ljubisa Grujcic
Staatsanwalt Blesinger – Holger Kunkel
Dr. Schroth – Johannes Suhm

Stab
Assistent der Set-AL – Silke Cleve
Außenrequisite – Panja Gawlitzek
Beleuchter/Beleuchtungstechnik – Sven Willwersch
Besetzung/Casting – Birgit Geier
Continuity – Felix Triebel
Dialog Coach – Monika Schubert
Erster Aufnahmeleiter – Rudolf Kurz
Innenrequisite – Helmut Lippmann
Kamera – Andreas Schäfauer
Kameraassistenz – Christina Fauth
Kamerabühne – Stefan Hübscher
Kamerabühne – Philipp Knopf
Komparserie – Anita Lenz
Kostüme/Kostümbild – Claudia Unger
Location Scout – Pamela Schmidt
Location Scout – Marei Wenzel
Motivaufnahmeleitung – Ellen Sammet
Musik/Filmkompositionen – J. J. Gerndt
Producer – Nils Reinhardt
Produktionsassistenz – Claudia Schindler
Produktionsleitung – Dieter Streck
Produzent – Sabine Tettenborn
Regieassistenz – Sabine Vollmer
Schnitt – Barbara Brückner
Set-Aufnahmeleitung – Simone Dach
SFX – Sven Kühn
Steadicam – Rafael Maria Müller
Szenenbild – Bärbel Menzel
Ton/Filmtonassistenz – Simjon Spengler
Ton/Filmtonmeister – Oliver Jergis

Weitere Meinungen und Rezensionen

Serienjunkies.de: „Doch statt den Kommissaren zu mehr Tiefe zu verhelfen, wirkt dieser Stuttgarter „Tatort“ wie eine Hommage an alles, was dem Traditionskrimi immer wieder zur Last gelegt wird: 1.) die verkrampften Versuche, aus Ermittlern Menschen zu machen, 2.) die tollpatschigen Bemühungen, echte Gesellschaftskritik zu üben und 3.) den tiefen Fall von „einem von ganz oben“ (…) irgendwie in das Geschehen einzuflechten.“

Spiegel.de: „Eine schöne Frau, die noch zu Schwäbeln versteht, ein Studenten-Milieu, das noch nach Volxküche riecht: Da werden Erinnerungen wach. Doch so gerne wir diesem anfänglich patent ironisierten, durchgehend langsam getakteten Old-School-„Tatort“ (Buch: Wolf Jakoby, Regie: Thomas Freundner) folgen würden – der Plot ist eine Katastrophe, fast alle Figuren bleiben blass.“

Sueddeutsche.de: „Zeit ist also wertvoll. Man sollte sie nicht mit diesem Tatort verplempern.“

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