Trautes Heim – Tatort Köln – Folge 871

by on 21. April 2013

Auf offener Straße und unter den Augen eines Passanten wird der achtjährige Lukas Schäfer gekidnappt. Als die Täter fliehen, töten sie auch noch den einzigen Zeugen der Handlung. Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) haben große Mühe, sich einen Reim auf den Fall zu machen. Lukas kommt aus einem einfachen und intakten Elternhaus, das keine großen Lösegeldforderungen erfüllen könnte. Warum wurde Lukas dann verschleppt? Die Ermittler sind komplett ratlos!

Trautes Heim - Tatort Köln

Trautes Heim – Tatort Köln / Bild: WDR/Martin Menke

Auf die Nachricht von der Entführung ihres Sohnes reagiert Mutter Simone Schäfer (Alma Leiberg) erwartungsgemäß schockiert. Auch sie kann sich keinen Reim darauf machen. Auch Schwester und Schwager werden involviert und stehen der Mutter zur Seite. Auch Vater Roman Sasse (Barnaby Metschurat) setzt alle Hebel in Bewegung, um bei seiner Frau zu sein. Er arbeitet als Software-Berater und ist demnach viel unterwegs. Durch Lukas Handy, was im ausgebrannten Tatfahrzeug aufgefunden wurde, werden die Kommissare auf ihre erste Spur geführt und entdecken bald, dass Roman Sasse ein kompliziertes Doppelleben führt. Und dann melden sich die Entführer.

Sebastians Bewertung: ★★★★☆☆☆☆☆☆
Im neuen Kölner Tatort „Trautes Heim” bekommen es Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) mit einem IT-Berater zu tun, der beruflich und privat ein Doppelleben mit zwei Familien führt. Als Sohn 2 (Lukas) entführt wird, fliegt der Spuk auf. Was wie ein spannender Handlungsrahmen klingt, vorkommt in der Lethargie er Kölner Ermittler zu einem müden Spiel, dass das angedeutete dramaturgische Potenzial nie abrufen kann.

Die schauspielerische Leistung ist ansprechend, vor allem Barnaby Metschurat gibt als IT-Profi eine gute Figur ab. Die Ermittler bleiben dagegen weitestgehend blass. Tessa Mittelstaedt ringt sich in ihrem vorletzten Auftritt kaum zu mehr als zum Fluchen durch. Auch technisch lässt der Fall wenig Ambitionen erkennen. Die Einstellungen sind bieder gewählt, musikalisch wird auf wiederkehrende Jazz-Themes gesetzt.

Insgesamt ist dem WDR mit “Trautes Heim” ein Krimi gelungen, der das Potenzial und die Brisanz der Geschichte nie wirklich ausschöpfen kann. Zu getrennt sind die Handlungsstränge, zu langweilig und oberflächlich die Dialoge, zu folternd die monotone Arbeit der Kölner Ermittler. Außerdem zeigt das echte Leben heute einmal mehr, dass für den Diebstahl von Kreditkartendaten kein Kind mehr entführt werden muss. So bleibt es sehr sehr schade, dass es das Buch eben doch nur so halb geschafft hat, aus dem optimierten Doppelleben eines IT-Menschen einen spannenden Krimi zu machen.

Majas Bewertung: ★★★★★★★★☆☆
In den ersten Minuten des Tatort “Trautes Heim” passiert relativ viel, ein Junge wird gekidnappt und die Entführer überfahren einen Zeugen, der sie mit dem Motorrad verfolgt hat. Doch Spannung? Fehlanzeige, denn die Szenen haben sich trotz der Handlung gezogen. Danach wird die Geschichte undurchsichtig und die Kölner Hauptkommissare Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) ermitteln wegen Falschaussagen in die verkehrte Richtung. Doch dann, als man schon fast aufgegeben hat, kommt jede Menge Aufregung in den Fall, denn das Doppelleben von Roman Sasse (Barnaby Metschurat) wird enthüllt und damit platzt für zwei Frauen jeweils eine große Blase Familienglück.

In vielen vorherigen Folgen ziehen die Kölner Ermittler ihr Privatleben mit in den Fall, doch sie scheinen gelernt zu haben. Inzwischen schafft es nur noch Kollegin und Assistentin Franziska Lüttgenjohann (Tessa Mittelstaedt) ihre Beziehungsprobleme mit ins Präsidium zu nehmen. Auch wenn sie immer eine helfende Hand hat und bei den Ermittlungen maßgeblich unterstützen kann, spielt sie hier leider nur eine Nebenrolle. Ballauf und Schenk verkörpern ihre Rollen solide und wesentlich besser, als in so manch früherer Folge. Die Spannung steigert sich bis zum großen Finale, was den Zuschauerbis zur letzten Minute fesselt.

Auch in diesem Tatort kann die Musik wieder punkten und unterstreicht durch geeignete Elemente die Szenen. Viele Außen- und Panoramaaufnahmen von Köln zeigen ein graues Bild der Stadt – angemessen dem Thema. Endlich mal wieder ein wirklich guter Fall aus Köln, der durch eine gute Geschichte und spannende Umsetzung punkten konnte. Weiter so.

Sendeinformationen
Sendelänge: 86:50
Drehbuch – Frank Koopmann, Roland Heep
Bearbeitung – Benjamin Hessler
Regie – Christoph Schnee
Erstsendung – 21.4.2013
Produktionssender – WDR
Produktionsfirma – Colonia Media
Drehort – Köln und Umgebung
Bildformat – 16:9
Redaktion – Frank Tönsmann

Besetzung
Hauptkommissar Max Ballauf – Klaus J. Behrendt
Hauptkommissar Freddy Schenk – Dietmar Bär
Franziska Lüttgenjohann – Tessa Mittelstaedt
Simone Schäfer – Alma Leiberg
Roman Sasse – Barnaby Metschurat
Lukas Schäfer – Nick Schuck
Heike Grabow – Meike Droste
Kai Grabow – Lasse Myhr
Hugo Junghanns – Sam Gerst
Ruth Junghanns – Sandra Borgmann
Nikolaus Pieler – Matthias Redlhammer
Aylin Balke – Elmira Bahrami
Donald Ritter – Jonas Gruber
Objektmanagerin – Maja Beckmann
Operator – Christian Stock
N.N – Ines Hoelter

Stab
Außenrequisite – Ingo Weerts
Beleuchter/Beleuchtungstechnik – Christian Scheppe
Beleuchter/Beleuchtungstechnik – Mithat Kaspbasi
Beleuchter/Beleuchtungstechnik – Konrad Zimmermann
Besetzung/Casting – Anja Dihrberg
Best Boy – Roland Thomalla
Continuity – Caroline Krebsfänger
Digital Colorist – Rainer Bültert
Erster Aufnahmeleiter – Sissy Thoms
Garderobe – Sandra Lee
Herstellungsleitung – Liane Retzlaff
Kamera – Diethard Prengel
Kamerabühne – Rossi Handsley
Kameraassistenz – Kai Stichel
Kameraassistenz – Kerstin Fischer
Kostüme/Kostümbild – Martina Jeddicke
Licht – Michael Becker
Lichtassistenz – Yanick Wohlgemuth
Lichtassistenz – Paul Haase
Location Scout – Frank Meter
Maske/Maskenbildner – Ulrike Bruns-Giffel
Maske/Maskenbildner – Dorle Neft
Mischung – Falk Möller
Motivaufnahmeleitung – Robert Puppel
Musik/Filmkompositionen – Günter Illi
Postproduktion – Carla Schild-Kreindl
Produktionsassistenz – Maike Pecksen
Produktionsleitung – Rolf B. Steinacker
Produzent – Sonja Goslicki
Regieassistenz – Claudia Horst
Requisite – Roman Halassy
Schnitt – Guido Krajewski
Set-Aufnahmeleitung – Jan Bierwirth
Sounddesign – Klaus Waßen-Floren
Standfotografie – Martin Valentin Menke
Stunts – Helga Wretmann
Stunts – Marcel Stefanski
Stunts – Jürgen Klein
Szenenbild – Frank Polosek
Szenenbildassistenz – Susann Hinz
Ton/Filmtonmeister – Michael Felber
Ton/Filmtonmeister – Bennet Switala

Weitere Meinungen und Rezensionen

TAZ.de: Auch wenn die Schauspieler eine gute Leistung bei der Darstellung von ganz klar überspannten Mittelschichtsangehörigen zeigen, am Ende ist diese Episode doch ein „Tatort“ nach bekanntem Schema: „Keine Angst, wir sind die Polizei.“ Currywurstbude, Ende.

Sueddeutsche.de: Es geht um das Modewort Zeitmanagement und darum, wie der gewiefteste aller Zeitmanager aus der Bahn gerät. Aktuelles Thema, aber leider durchaus langatmig erzählt. Man kann Freddy Schenk dabei zusehen, wie er gemütlich eine Straße entlanggeht. Man kann Max Ballauf dabei zuhören, wie er in aller Gründlichkeit den Ermittlungsstand zusammenfasst.

Spiegel.de: Für den Kölner “Tatort” ist das ein einigermaßen komplexes Charakterprofil. Schade, dass die Machart nicht mit diesem Anspruch mithalten kann. Für die Ermittlungen schaukeln sich Ballauf und Schenk mal wieder in rheinischer Beschaulichkeit im Wagen durch Köln oder durch die Gänge ihres Reviers, während sie das Beziehungsleben des Verdächtigen analysieren.

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