Verschleppt – Tatort Saarbrücken – Folge 825

by on 22. Januar 2012

Eine junge Frau flieht an einem frühen Morgen in Panik und überquert dabei eine stark befahrene Autobahn. Wenig später ist sie tot und wird erschlagen in der Nähe einer Hochhaussiedlung aufgefunden. Die ersten Untersuchungen zeigen schnell: Die junge Frau ist abgemagert, dehydriert und hat wohl lange kein Sonnenlicht mehr gesehen. Es wird der letzte Fall für die beiden Hauptkommissare Franz Kappl (Maximilian Brückner) und Stefan Deininger (Gregor Weber).

Verschleppt Tatort Saarbrücken

Verschleppt - Tatort Saarbrücken / Bild: SR/Manuela Meyer

Die Ermittler finden schnell heraus, dass das Opfer vor Jahren als kleines Mädchen entführt wurde und bis heute als vermisst galt. Doch plötzlich taucht eine weitere junge Frau auf, die ebenfalls lange vermisst war. Sie lebt, ist jedoch völlig verstört und kann keine Aussage machen. Offenbar wurden beide Mädchen vom selben Täter entführt und unter unmenschlichen Umständen irgendwo festgehalten. Für die Ermittler beginnt damit ein Wettlauf gegen die Zeit, den sie ahnen: Der Entführer könnte noch weitere Mädchen in seiner Gewalt haben.

Sebastians Bewertung: ★★★★★★★☆☆☆
In „Verschleppt“ begeben sich die beiden Saarbrücker Hauptkommissare Franz Kappl (Maximilian Brückner) und Stefan Deininger (Gregor Weber) auf die Verfolgung eines Serienentführers und müssen dabei wohl ihren schwersten Fall lösen. Die schauspielerische Leistung der Ermittler ist durchaus ansprechend, auch die Nebendarsteller überzeugen in ihren zum Teil extremen Rollen. Der Plot ist gut durchdacht, hat aber an einigen Stellen entscheidende Schwächen, die nur mit den dilettantischen Ermittlungsmethoden der Polizisten erklärbar sind. Das Erzähltempo passt perfekt zum Plot. Die Bildsprache ist außergewöhnlich ausdrucksstark und anspruchsvoll. Auch in Nachbearbeitung und Schnitt wurde ganze Arbeit geleistet. Die musikalische Untermalung trägt zum Gesamtkonzept bei.

Insgesamt ist dem SR mit diesem letzten Auftritt von Kappl und Deininger ein richtig guter, spannender und anspruchsvoller Tatort gelungen. Mit erschreckender Emotionalität gehen die Ermittler ans Werk. Die Regie verwendet eine interessante und stilistisch anspruchsvolle Bildsprache, untermalt mit passender Musik. Es ist gerade jetzt sehr schade, dass Kappl und Deininger vom SR einfach abgesetzt wurden, ist ihnen doch mit „Verschleppt“ ihr bisher bester Auftritt gelungen.

Majas Bewertung: ★★★★★★★★☆☆
“Schon wieder ein Entführungsdrama” war mein erster Gedanke, doch bereits die erste Szene des Tatort “Verschleppt” beginnt rasant und fesselt sogleich. Vorbeifahrende Autos beschleunigen die beginnende Handlung zusätzlich. Das verletzte und verwirrt wirkende Mädchen wird kurz darauf tot aufgefunden. Kaum beginnen die Ermittlungen, wird ein weiteres Mädchen gefunden, welches verstört ins Krankenhaus eingeliefert wird. Und ein drittes Mädchen scheint sich noch in Gefangenschaft zu befinden. Die beiden Hauptkommissare Franz Kappl (Maximilian Brückner) und Stefan Deininger (Gregor Weber) sind sichtlich mitgenommen, denn der brutale Fall führt sie an ihre Grenzen. Insbesondere Deiniger kann sich teilweise kaum zusammenreißen und hat sich kaum noch unter Kontrolle. Beide haben alle Hände voll zu tun und schlagen sich schauspielerisch wirklich stark. Schade, dass es ihr letzter Fall in Saarbrücken gewesen ist, denn die Kommissare konnten in dieser Folge durch und durch überzeugen und haben durchaus Potenzial über ihren ländlichen Tellerrand hinauszuschauen.

Die dunklen Szenen im Kellerverlies wirken durch die besonderen blaue-weißen Lichteinstrahlungen noch kälter und beklommener. Allerdings erzeugen sie auch unaufhaltsame Spannung – und Grausamkeit. Die oft unruhig schwenkende Kamera zeigt erstaunlich viele Details und macht aus dem Tatort fast schon einen Thriller. So ein bißchen Psycho schadet also nicht. 8 Punkte für eine wirklich gelungene Tatort-Unterhaltung!

Sendeinformationen
Sendelänge: 88:30
Drehbuch – Khyana el Bitar, Dörte Franke
Regie – Hannu Salonen
Erstsendung – 22.1.2012
Produktionssender – SR / ARD-DEGETO
Produktionsfirma – ProSaar Medienproduktion
Drehort – Saarbrücken, Saarbrücken-Winterberg, Völklingen-Wehrden, Neunkirchen
Bildformat – 16:9
Redaktion – Christian Bauer

Besetzung
Hauptkommissar Franz Kappl – Maximilian Brückner
Hauptkommissar Stefan Deininger – Gregor Weber
Gerda Braun (Sekretärin) – Alice Hoffmann
Horst Jordan (Kriminaltechniker) – Hartmut Volle
Dr. Rhea Singh (Gerichtsmedizinerin) – Lale Yavas
Manuel (Kneipenwirt) – Manuel Andrack
Barbara Romers – Mathilde Bundschuh
Barbaras Vater – Jörg Bundschu
Karoler Mahler – Saskia Petzold
Werner Mahler – Patrick Hastert
Sonja Lehmann – Michelle Boullay
Andi Mollet – Thomas Bastkowski
Elisabeth Werth – Alisa Hanke
N.N – Andreas Anke
N.N – Christiane Motter

Stab
Best Boy – Peter Jagemann
Bühnenmaler – Felix Maurice Manchon
Erster Aufnahmeleiter – Maximilian Renneisen
Kamera – Wolf Siegelmann
Kameraassistenz – Olaf Klein
Kamerabühne – Michel Weber
Kostüme/Kostümbild – Daniela Thomas
Maske/Maskenbildner – Nicole Stoewesand
Musik – Michael Klaukien und Andreas Lonardoni
Oberbeleuchter – Dirk Steiner-Sennheiser
Produzent – Martin Hoffmann
Regieassistenz – Robert Obermair
Szenenbild – Andreas C. Schmid

Weitere Meinungen und Rezensionen

Spiegel: “Doch lassen wir uns von seinen Beschwerden nicht in die Irre führen: Dieser “Tatort” ist – Logik hin, Logik her – wirklich eine Wucht. Weber spielt seinen Kommissar Kamikaze so seelenvoll wie nie zuvor. Schauen Sie sich ihn unbedingt an! Allzu oft werden sie ihn im deutschen Fernsehen wohl nicht mehr sehen.”

TAZ: “Weber spielt seinen Deininger hart an der Grenze des Nervenzusammenbruchs. Zeugen wie Kollegen werden angeschnauzt, Verdächtige über alle Maßen unter Druck gesetzt – da ist nichts mehr von überheblicher Ermittler-Coolness oder gewollte Kaltschnäuzigkeit, sondern nur noch pure Verzweiflung.
Allein das macht “Verschleppt” absolut sehenswert. “

DerWesten: “Die Drehbuchautoren Khyana el Bitar und Dörte Franke haben den beiden ungleichen Kommissaren zum Abschied ein filmisches Geschenk gemacht. Die Geschichte hat alle unerwarteten Wendungen, die ein guter Krimi braucht.”

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Verschleppt - Tatort Saarbrücken - Folge 825, 6.3 out of 10 based on 19 ratings

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gregor Januar 23, 2012 um 09:12

Getreu dem Motto, aufzuhören, so lange es am schönsten ist, wird hier noch einmal deutlich, was das Tatort-Land mit Kappl und Deininger verliert: Zwar wurde das Thema Kindsentführungen im Lindholm-Tatort „Schwarze Tiger, weisse Löwen“ neulich eindringlicher, da sachlicher angegangen. Die Hilflosigkeit der Ermittler angesichts des Falles wurde jedoch schon lange nicht mehr so drastisch gezeigt. Diese zwei Kommissare sollen ersetzt werden? „Die Zeit der Märchen läuft ab“, sagt Deininger zu Kappl – der Saarbrückner Tatort ist nach nur sieben Folgen aus. http://kommentatort.ch/2012/01/23/kommentatort-25/

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Ullrich Neumann Januar 24, 2012 um 15:41

Die Begeisterung für diese Tatort-Folge kann ich überhaupt nicht teilen:

Das Drehbuch wirkte wie die Zwangskonfiguration verschiedener Einzelstränge, die noch woanders übrig waren… Und dann diese ideenreiche Auflösung: Der Täter verschollen bzw. von Erde überschüttet, er hätte alternativ auch vom Blitz getroffen sein können. Ein psychisch stark geschädigtes Opfer wechselt anschließend zur Täterfraktion. Oh man. In der Umsetzung das Ganze garniert mit billigen Propellereinstellungen und akustischer Effekthascherei.
Zur Schauspielerei
- Sicher das beste an diesem Streifen, auf Basis der Story und des Drehbuchs war es nicht besser zu machen.
- Die Kameraführung war katastrophal und lässt vermuten, der Kameramann hat u.a . den Wandel vom 4:3 auf das 16:9 Format inklusive HD nicht begriffen. Wackelkamera, Megazooms und superschnelle Panoramaschwenks nach Art eines Hobbyfilmers in der Anfangsphase: der reinste Augenpfeffer. Es gibt schon lange Stative und Schienen für Kamerafahrten…Auf dem großformatigen Flachbildschirm schlimm, an ein großes Beamerbild will ich nicht denken. Ja, das war ein toller Kniff, um die Zuschauer in Unruhe und Anspannung zu versetzen..
Zur Location:
Schön , wie “offensichtlich” sich der SR mit seiner eigenen TV-Infrastruktur als Lokalkolorit eingebracht / in den Vordergrund gedrängt hat. Neben der Existenzfinanzierung des SR durch die ARD wird sich wohl der Fremdenverkehrsverband Saarland maßgeblich auch an den Produktionskosten beteiligt haben…
Ja, das Saarland wird gern als Vergleich herangezogen: Waldbrand oder Ölteppich auf einem Gebiet so groß wie das Saaland.. kommt neu für mich dazu : ein Tatort so schlecht wie die saarländische Referenz “Verschleppt”.
Zweimal Ärger darüber,
dass mir so eine unterirdische Zeitverschwendung angeboten wurde
und dass ich nicht rechtzeitig und konsequent abgeschaltet habe.

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