Wegwerfmädchen – Tatort Hannover – Folge 853

by on 9. Dezember 2012

Die Hannoveraner Hauptkommissarin Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) wird in eine Müllverbrennungsanlage gerufen. Dort wurde die Leiche einer erst 16-jährigen gefunden, die anscheinend als Prostituierte arbeitete. Charlotte Lindholm berührt das Schicksal des jungen Mädchens sehr und fragt sich, wer die Kleine einfach so in den Müll geworfen hat. Doch die Kommissarin hat keine Zeit zum Verschnaufen. Bereits kurze Zeit später wird mit Larissa ein weiteres Mädchen gefunden, das ebenfalls auf den Müll geworfen wurde, sich aber noch rechtzeitig befreien und so überleben konnte. So kann sie Charlotte berichten, dass es sich bei der Leiche um ihre Cousine handelt. Mit ihr und acht weiten Mädchen kam Larissa aus Weißrussland nach Hannover, nachdem sie einen angeblichen Model-Contest gewonnen hatte.

Wegwerfmaedchen - Tatort Hannover

Wegwerfmaedchen – Tatort Hannover / Bild: NDR/Gordon Muehle

Leider endete die Traumkarriere in einem Desaster, denn die Mädchen wurden für eine Orgie als Spielzeug in einer wohlhabenden Runde missbraucht. Aufgrund der Brisanz der Aussage wird Larissa ins Zeugenschutzprogramm aufgenommen und Charlotte Lindholm hat endlich eine heiße Spur. Die Verantwortlichen will sie nur all zu gerne hinter Gittern sehen. Doch noch hat sie andere Sorgen, denn es sind noch die sechs Mädchen aus Weißrussland in der Region. Was ist mit ihnen passiert? Sind sie noch am Leben? Es beginnt ein persönlicher Kampf Lindholms in den besseren Schichten Hannovers, zwischen Rocker-Banden, Staatsanwälten und Wirtschaftsbossen.

Sebastians Bewertung: ★★★★★★★★☆☆
Der neue Hannoveraner Tatort „Wegwerfmädchen“ thematisiert Zwangsprostitution von Minderjährigen und die – für Hannover tatsächlich so typische – Verbandelung von einigen wenigen mächtigen Männern aus Wirtschaft und Politik. Der Handlungsstrang ist, wenn auch sehr überspitzt dargestellt, sehr realistisch angelegt. Das Erzähltempo ist zwar nicht das allerschnellste, hält den Zuschauer aber noch gut bei der Stange.

Schauspielerisch zeigen sich vor allem die Nebenrollen ist Bestform. Emilia Schürle nutzt die wenigen Szenen voll aus, um in ihrer Rolle der Zwangsprostituierten Larissa Pantschuk voll aufzugehen und ihr Schauspieltalent zu zeigen. Maria Furtwängler bleibt in ihrer Rolle als Charlotte Lindholm ausnahmsweise einmal angenehm blass und überlässt die vielen anderen Charakteren die Bühne. Zu Beginn wird mit krassen, verstörenden Bildern und dem Einsatz Farbfiltern gearbeitet. Auf Musik und Soundeffekte wird weitestgehend verzichtet oder nur sehr dosiert eingesetzt.

Insgesamt ist dem NDR mit „Wegwerfmädchen“ ein ordentlicher, fast schon verstörender Tatort gelungen. Wieder einmal nervt lediglich die schon fast apathische Privatisierung der Ermittler. Warum jeder Fall auch immer einen privaten Bezug haben muss, werden wir nie verstehen. Die Handlung wirft eindeutige Parallelen zur Realität (Hells Angels, AWD Maschmeyer, usw.) auf und nimmt den Zuschauer vielleicht deshalb so mit. Ich für meinen Teil bin sehr gespannt, wie sich der Fall weiter entwickelt und ob „Das goldene Band“ den Fall wirklich lösen wird.

Majas Bewertung: ★★★★☆☆☆☆☆☆
Der Tatort “Wegwerfmädchen” aus Hannover beginnt düster und dramatisch und handelt von der Zwangsprostitution russischer Mädchen. Weiterhin ist von Korruption im Rockermilieu die Rede. Hauptkommissarin Charlotte Lindholm alias Maria Furtwängler wirkt in diesem Tatort relativ professionell. Doch wieder spielen auch ihre privaten Probleme als berufstätige Mutter, die alles unter einen Hut bekommen will, eine Rolle. Wie auch in vorherigen Folgen nehmen diese privaten Handlungsstränge teilweise überhand. Ok, auch Hauptkommissare haben ein Privatleben, doch bei Charlotte Lindholm scheint dieses so gekünstelt und hier eindeutig fehl am Platz – insbesondere bei diesem Thema.

Die Kurve zu einem soliden Krimi bekommt der NDR mit diesem Tatort leider nicht hin. Zu überspitzt wirken viele Szenen in “Wegwerfmädchen”, zu zwielichtig die Gestalten. Nächsten Sonntag gibt es dann die zweite Folge “Das goldene Band” und es bleibt abzuwarten, wie sich beide Folgen aneinanderreihen und ob ein thematischer Tiefgang erreicht werden kann.

Sendeinformationen
Sendelänge – 88:30
Drehbuch – Stefan Dähnert
Regie – Franziska Meletzky
Erstsendung – 9.12.2012
Produktionssender – NDR
Produktionsfirma – Nordfilm GmbH
Drehort – Hannover und Umgebung, Berlin, Polen
Bildformat – 16:9
Redaktion – Daniela Mussgiller, Christian Granderath

Besetzung
Hauptkommissarin Charlotte Lindholm – Maria Furtwängler
Stefan Bitomsky – Torsten Michaelis
Jan Liebermann – Benjamin Sadler
Gerichtsmediziner – Johannes Hitzblech
Larissa Pantschuk – Emilia Schüle
Hajo Kaiser – Bernhard Schir
Staatsanwalt von Braun – André M. Hennicke
Gregor Claussen – Michael Mendl
Uwe Koschnik – Robert Gallinowski
Joachim Bohrmeister – Dietrich Adam
Michael Belz – Christoph Jacobi
Hanna Kaiser – Tania Carlin
Banker Corneley – Christian Aumer
Bierhunne – Marko Dyrlich
Cibialla – Christoph Glaubacker
Ludmilla Metzler – Jana Lissovskaia
Rühmkopf – Peter Meinhardt
Henning Brückner – Heiko Pinkowski
Greta Kubina – Barbara Prakopenka
Wolfram Littchen – René Schwittay
Assistenzarzt – Peter Sikorski
Viktor Panschuk – Bohdan Artur Swiderski
Zollbeamter Flughafen – Thomas Henniger von Wallersbrunn

Stab
Assistent der Set-AL – Levy Spéder
Außenrequisite – Stefan Scheurich
Beleuchter/Beleuchtungstechnik – Dirk Henkel
Beleuchter/Beleuchtungstechnik – Renko Neubauer
Beleuchter/Beleuchtungstechnik – Hendrik Römer
Beleuchter/Beleuchtungstechnik – Niko Möller
Erster Aufnahmeleiter – Gernot Sprenger
Garderobe – Simone Kreska
Garderobe – Nana Seemann
Herstellungsleitung – Sibylle Maddauss
Innenrequisite – Andreas Huschke
Kamera – Eeva Fleig
Kameraassistenz – Florian Trautwein
Kamerabühne – Andreas Frey
Kostüme/Kostümbild – Ursula Gothe
Lichtassistenz – Henning Battenfeld
Location Scout – Marion Gerhardt
Location Scout – Nadine Freitag
Maske/Maskenbildner – Heiko Wengler-Rust
Maske/Maskenbildner – Fe Ferber
Maske/Maskenbildner – Meike Pitke
Motivaufnahmeleitung – Michael Otto
Musik/Filmkompositionen – Johannes Kobilke
Oberbeleuchter – Jürgen Tomadini
Produktionsfahrer – Danielo Gallone
Produktionsleitung – Dietmar Fischer
Produktionsleitung – Viola von Liebieg
Produzent – Heike Streich
Produzent – Kerstin Ramcke
Regieassistenz – Christine Rogoll
Requisitenfahrer – Björn Lupke
Schnitt – Jürgen Winkelblech
Set Runner – Niklas Dietz
Set-Aufnahmeleitung – Anika Dombrowsky
Steadicam – Holger Zechel
Stunt Koordination – Thomas Bloem
Stunts – Gertfried Reinitzhuber
Szenenbild – Wolfgang Baark
Szenenbildassistenz – Katharina Hafermaas
Ton/Filmtonassistenz – Max Schmeling
Ton/Filmtonmeister – Ben Krüger
Videooperator – Constantin Heller

Weitere Meinungen und Rezensionen

Sueddeutsche.de: “Houellebecq meets Hannover, sozusagen. Die Politik hängt drin, die Staatsanwaltschaft, jeder deckt jeden. Die Opfer tragen Kostüme aus dem Fundus der Staatsoper. Aber draußen auf der Straße sagen längst die Männer in den Lederklamotten, wo es langgeht.”

Spiegel.de: “Gleich der starke Einstieg zeigt die Schwäche dieses Ausnahme-”Tatorts”: Frauen, die nach Benutzung auf den Müll geworfen werden – das mag eine stimmige dramaturgische Überhöhung zum Thema Zwangsprostitution sein. Den mehr oder minder diskreten Charme der Hannoveraner Kumpelwirtschaft fängt man damit nicht ein. Ein subtilerer Einstieg wäre besser gewesen.”

Berliner-Kurier.de: “Auf dem stählernen Seziertisch der Gerichtsmedizin liegt der tote Körper von Gretchen Kubina. Die 16-Jährige aus Weißrussland wurde geschlagen, mit Drogen vollgepumpt und mehrfach mit einem stumpfen Gegenstand vergewaltigt. Sie war noch Jungfrau, wird der Gerichtsmediziner sagen. Und wir werden uns wünschen, dass dies nur ein Film ist. Die Realität – sie ist vielleicht noch grausamer.”

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