Wer das Schweigen bricht – Tatort Frankfurt – Folge 870

by on 14. April 2013

Im Tatort “Wer das Schweigen bricht” müssen sich die beiden Frankfurter Hauptkommissare Frank Steier (Joachim Król) und Conny Mey (Nina Kunzendorf) in ein Jugendgefängnis begeben, denn dort wurde morgens der Häftling Mustafa Zeydan (Atheer Adel) tot aufgefunden. Sofort ist klar, dass der 19-jährige brutal gefoltert wurde. Ihm wurden dabei auch fast alle Zehennägel gezogen. Für Steier und Mey ist es zwar nicht allzu schwer den eigentlich Tatorthergang nachzuvollziehen, doch wie der Täter nach dem Schließen der Zellen durch den Wachdienst herein und heraus gekommen ist, bleibt zunächst ein Rätsel.

Tatort Wer das Schweigen bricht

Wer das Schweigen bricht – Tatort Frankfurt / Bild: HR/Bettina Müller

Auch einem anderen Mithälftling von Mustafa, Erhan Karabay (Tamer Arslan), ist ähnliches passiert. Doch Erhan hat überlebt und liegt liegt auf der Krankenstation. Die Sozialarbeiterin Katharian Enders (Nele Mueller-Stöfen) unterstützt die Kommissare maßgeblich und berichtet, dass es am Abend zuvor einen heftigen Streit zwischen Jürgen Schuch (Andreas Helgi Schmid) und dem Gefängnispersonal gegeben hat. Jürgen muss seither auch in einer besonders gesicherten Zelle verbringen. Doch gibt es überhaupt einen Zusammenhang zwischen der Auseinandersetzung mit Jürgen und den beiden gefolterten Opfern? Außerdem muss herausgefunden werden, ob und was das Wachpersonal mit dem ganzen Vorfall zu tun hat. Der verletzte Erhan wird von den Hauptkommissaren auf der Krankenstation befragt, doch der junge Mann will keine Details zum Tatorthergang preisgeben. Schließlich flüsstert er jedoch Conny Mey zu, dass seine kleine Tochter und Frau in Gefahr seien. Als Mey und Steier dieser Aussage hinterhergehen, müssen sie feststellen, dass die beiden tatsächlich verschwunden sind. Dann beginnen sich die Ereignisse zu überschlagen und die Ermittler haben wenig Zeit zum Ermitteln…

Dieser fünfte Tatort “Wer das Schweigen bricht” von Hauptkommissar Frank Steier und Conny Mey ist übrigens der letzte gemeinsame Fall des ungleichen Ermittler-Duos. Wie schon im Oktober letzen Jahres bekannt wurde, verlässt Schauspielerin Nina Kunzendorf den Tatort. Über ihre Nachfolgerin haben wir dann erst diese Woche Neuigkeiten erfahren. Zudem basiert dieser Fall auf einer wahren Begebenheit und erzählt die Geschichte des Polizisten Axel Petermann, der in einer JVA zum Tode gefoltert wurde. Auch wenn wir und viele Fans weiterhin Conny Mey alias Nina Kunzendorf sehr gerne im Tatort gesehen hätten, wünschen wir ihr alles Gute.

Sebastians Bewertung: ★★★★★★★★☆☆
Im neuen Frankfurter Tatort „Wer das Schweigen bricht“ ermitteln Frank Steier (Joachim Król) und Conny Mey (Nina Kunzendorf) den Mord in einem Jugendgefängnis. Die schauspielerische Leistung der Beteiligten ist gut. Der Plot ist wie immer interessant gestaltet, durchdacht und sehr gut umgesetzt worden. Hier ist einfach immer zu merken, dass die Geschichten auf wahren Begebenheiten beruhen und nie unrealistisch werden. Der emotionale Abschied von Nina Kunzendorf fiel ganz vorehrsehbar dann doch eher unpathetisch aus. In der Bildsprache dominieren hohe Kontraste, sowie blau- und grün-stichige Einstellungen. Soundeffekte werden reichlich eingesetzt und unterstützen stimmungsvoll das Ambiente.

Insgesamt ist dem Hessischen Rundfunk mit „Wer das Schweigen bricht“ einmal mehr ein starker Tatort gelungen, der es über 90 Minuten schafft die Spannung aufrecht zu erhalten. Auch wenn das Ende des Plots für einige enttäuschte Gesichter sorgt, ist die Story durchdacht und unterhaltsam. Die Darsteller sind eine Bank, sodass der Abschied von Nina Kunzendorf gleich noch mehr ins Gewicht fällt. Es bleibt zu hoffen, dass Margarita Broich diese Lücke schießen kann und der Frankfurter Tatort weiter mit tollen, interessanten und spannenden Folgen aufwarten kann.

Majas Bewertung: ★★★★★★★★☆☆
Frank Steier (Joachim Król) ist in der Morgendämmerung auf dem Weg zum Jugendgefängnis. Das Wetter ist genauso grau und trist wie seine Stimmung. Er tritt ganz schön ins Pedal und die lauten Motorengeräusche des Wagens scheinen die Frische des neuen Tages zu stören. In dieser Folge fährt Hauptkommissar Steier einige Male richtig aus der Haut und schreit herum, doch er hat den Fall in der Hand und gibt alles. Conny Mey (Nina Kunzendorf) hält sich hingegen eher zurück und lässt ihrem Kollegen die Vorfahrt. Beiden Schauspielern muss ein großes Lob ausgesprochen werden, denn sie gehören zu den wenigen authentischen Ermittlern der aktuellen Tatort-Kommissaren. Sie können mit spannenden Fällen und einem großen Stück schauspielerischem Geschick den Zuschauer einfangen. Wirklich schade, dass Nina Kunzendorf den Tatort verlässt, denn sie hat so viel neuen Schwung in den hessischen Krimi gebracht. Sie hinterlässt einen verstörten Steier. In “Wer das Schweigen bricht” kann Mey auch mit Türkischkennntnissen punkten und so zur Aufklärung des Falls beitragen. Sie schafft es immer wieder durch ihre menschliche und ausdauernde Art Gehör bei Tätern und Opfern Gehör zu finden.

Für einen Tatort ist der Fall “Wer das Schweigen bricht” sehr realistisch und kommt fast ohne Klisches aus. Passende Musikeinlagen können Szene für Szene die Spannung unterstreichen. Interessante Kameraeinstellungen sowie unterschiedliche Perspektiven fangen vielfältige Motive ein. Insgesamt ist die Folge plausibel, fesselnd und unterhält. Was will man mehr?

Sendeinformationen
Sendelänge – 88:30
Drehbuch – Lars Kraume
Regie – Axel Petermann
Erstsendung – 14.4.2013
Produktionssender – HR
Arbeitstitel – Grüße aus der Mandschurei, Diebe im Gesetz
Drehort – Frankfurt/Main
Bildformat – 16:9
Redaktion – Lili Kobbe, Liane Jessen

Besetzung
Hauptkommissar Frank Steier – Joachim Król
Hauptkommissarin Conny Mey – Nina Kunzendorf
Chef der Mordkommission – Gerd Warmeling
Katharina Enders – Nele Mueller-Stöfen
Rainer Vaske (Gefängnisdirektor) – Sylvester Groth
Kurt Krämer – Martin Reinke
Günter Föller – Jürgen Rißmann
Jürgen Schuch – Andreas Helgi Schmid
Erhan Karabey – Tamer Arslan
Herr Karabey – Mohammad-Ali Behboudi
Frau Dr. Lehmann – Beate Lehmann
Mustafa Zeydan – Atheer Adel
Murat – Hassan Akkouch
Frau Borsig – Heidemarie Brüny
Volker Gauss – Niels Bormann
Edgar – Vilmar Bieri
Krankenschwester – Dina-Maureen Hellwig
Gülbahar – Almila Bagriacik
N.N – Nils Kahnwald
N.N – Gerrit Jansen
N.N – Adrian Saidi
N.N – Damir Cosic
N.N – Lilay Huser
N.N – Özgür Karadeniz

Stab
Aufnahmeleitung – Ralf Eckstein
Aufnahmeleitung – Oliver Große Kreul
Außenrequisite – Bettina Schepp
Beleuchter/Beleuchtungstechnik – Walter Hopf
Beleuchter/Beleuchtungstechnik – Thomas Vogt
Beleuchter/Beleuchtungstechnik – Markus Schäfer
Beleuchter/Beleuchtungstechnik – Jens Lupek
Besetzung/Casting – Ingrid Böhm
Bildtechnik – Erhard Bredowski
Bühnentechnik – Gernot Heppner
Bühnentechnik – Joachim Betz
Bühnentechnik – Helmut Lipservers
Bühnentechnik – Thomas Würzberg
Continuity – Béatrice M. Hoffmann
Garderobe – Sandra Bonrad
Garderobe – Christina Hachmer
Grafik – Andreas Bekier
Grip – René Biernat
Kamera – Armin Alker
Kameraassistenz – Nadine Lang
Kameraassistenz – Dietmar Heck
Kameraassistenz – Nikolai Herrmann
Komparserie – Maria Stähle
Komparserie – Astrid Sic
Kostümbildassistenz – Tina Schellmann
Kostüme/Kostümbild – Katharina Schnelting
Location Scout – Fabienne Niedlich
Maske/Maskenbildner – Gabi Große Kreul
Maske/Maskenbildner – Katharina Swonke
Mischtonmeister – Michael Alles
Musik/Filmkompositionen – Christoph M. Kaiser
Musik/Filmkompositionen – Julian Maas
Produktionsassistenz – Sebastian Woerner
Produktionsbüro – Christine Köppel
Produktionsleitung – Dominik Diers
Produzent – hr Fernsehfilm
Regieassistenz – Matthias Junge
Requisite – Christopher Dey
Schnitt – Silke Franken
Schnittassistenz – Wiebke Henrich
Sounddesign – Silke Franken
Sounddesign – Christiane Petri
Stunts – Armin Sauer
Szenenbild – Olaf Schiefner
Ton/Filmtonassistenz – Bernd Funtsch
Ton/Filmtonassistenz – Ralph Ganswindt
Ton/Filmtonmeister – Katja Schenk

Weitere Meinungen und Rezensionen

Fr-online.de: Es war ein perfektes Paar, er so klein und depressiv, sie so groß und antidepressiv. Sie so beliebt und er so außerhalb. Er so um Unauffälligkeit bemüht (und doch schief geknöpft) und sie immer so schrill und knapp (und doch schick am Ende). Sie im Wiegeschritt, von dem Regie und Kamera – stets die Kamera von Armin Alker – nicht genug bekamen, und wir ehrlich gesagt auch nicht. Er teils latschend, teils stapfend.

Spiegel.de: Hier lässt Berger die Ermittler Mey und Steier in die Gefängniswelt und deren eigenes Regelwerk hinabsteigen. Er zeichnet die unerwarteten Allianzen hinter Gittern nach, etwa zwischen Neonazis und Migranten, und taucht in die Stille nach dem Schließen ein. Die Wortlosigkeit, die den Ermittlern hier von den Insassen entgegenschlägt, breitet sich bald auch zwischen ihnen aus.

Derwesten.de: Edward Berger inszeniert die Ermittlungen als kühles Kammerspiel hinter den Mauern. Eine Welt mit klaren Hierarchien, mit Gewalt und Drogen, mit überforderten Wachleuten. Das wirkt in Bild und Text stimmig und riecht nicht ständig nach Fernsehen, selbst wenn der stammelnde Anstaltsleiter (Sylvester Groth) zu überdreht erscheint und das Drehbuch nicht jedes Knastklischee vermeidet.

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