Wunschdenken – Tatort Luzern – Folge 806

by on 14. August 2011

Während Reto Flückiger (Stefan Gubser) gerade dabei ist, sein Segelboot auf dem Vierwaldstättersee einzuwassern und sich auf einige entspannte Tage auf dem Wasser zu freuen, ruft sein alter Freund und neuer Chef Ernst Schmidinger (Andrea Zogg) von der Kripo Luzern bei ihm an. Er teilt Reto mit, dass ein Politiker entführt worden ist und sie nun seine Hilfe benötigen, da die Polizei von Luzern bereits mit dem Fall einer Wasserleiche genug beschäftigt ist. Flückiger muss darauf hin seine geplanten Ferien ausfallen lassen und sich sofort in Luzern einfinden.

Wunschdenken Tatort Luzern

Wunschdenken - Tatort Luzern / Bild: SWR/SF/Thomi Studhalter

Es stellt sich heraus, der der Ehefrau des Entführten, Natalie Kreuzer (Stephanie Japp), schon ein Erpresservideo vorliegt, welches sie umgehend der Polizei zur Verfügung stellt. Schon am gleichen Tag soll im Bahnhof das Lösegeld übergeben werden. Die verbleibende Zeit nutzt Flückiger, um sich intensiv am Bahnhof umzuesehen. Die amerikanische Austauschpolizistin Abby Lanning (Sofia Milos) setzt er als Schattenfrau für Natalie Kreuzer ein und übernimmt die Leitung des Einsatzkommandos. Als pünktlich um 18 Uhr ist alles parat steht, geschieht nichts. Nach eineinhalb Stunden Wartens bricht Flückiger die Aktion ab. Die beiden Ermittler sind ratlos und stehen vor dem Nichts. Auch die folgenden Tage vergehen ohne einen Fortschritt.

Während Reto der Möglichkeit nachgeht, dass Kreuzer möglicherweise aus politischen Gründen entführt wurde, kümmert sich Abby wieder um die Wasserleiche. Dabei war der Tote aus der Reuss, Anton Widmer (Andreas Matti), ein alter Bekannter der Polizei. Immer wieder saß er im Gefängnis Wauwilmermoos. Erst als Abby und Reto durch Zufall darauf stoßen, dass Kreuzer genau dieses Gefängnis über Jahre geleitet hat, wird klar: Die beiden Fälle hängen irgendwie zusammen. Aber: Wenn Widmer Kreuzer entführt hat, dann wartet der Politiker jetzt vergeblich auf die Freilassung. Plötzlich zählt jede Minute.

Sebastians Bewertung: ★★★☆☆☆☆☆☆☆
Im Schweizer Tatort Wunschdenken darf der bereits aus dem Tatort Konstanz bekannte Kommissar Reto Flückiger (Stefan Gubser) das erste Mal allein die Ermittlungen leiten. Dabei bleibt er jedoch recht blass und kann noch nicht so viel Charakter zeigen, wie ich es mir erwünscht und erwartet hätte. Abi (Sofia Milos, bekannt aus CSI Miami) verbirgt jede Miene hinter einer Fassade aus aufgespritzten Lippen und einer großen Sonnenbrille. Bezeichnend ist auch, dass sie als amerikanische Austauschpolizistin als einzige akzentfreies Deutsch spricht. Ja, die Sprache, das ist so eine Sache. Der Tatort wurde für die ARD nachsynchronisiert. Das endet damit, dass wir Schweizer Schauspieler sehen, die versuchen Hochdeutsch zu sprechen und auch der letzte Fernsehzuschauer merkt, dass dies mehr als unnatürlich ist. So bekommt der Tatort ganz unfreiwillig eine Komik, die an Episodenslapstick und Werbung für Schweizer Kräuterzucker erinnert. Die Kamera ist farblos und langweilig, auch auf Musik scheint nicht all zu große Wert gelegt worden sein. Oder was sollten die Westernklänge in Luzern? Immerhin wird die Geschichte recht flott erzählt, so dass es nicht ganz so langatmig wird.

Insgesamt ist Wunschdenken eine mehr als enttäuschende Folge. Nach über 10 Jahren Wartezeit hätte das Schweizer Fernsehen schon etwas mehr aus dem Hut zaubern können. Es ist nach dieser Episode fast zu erwarten, dass die neuerliche Liaison mit dem Tatort nicht lange anhält. Reto Flückiger erinnert in Wunschdenken mehr an ein Alien in New York, als ein Kommissar in Luzern. Was immer er anpackt, durch die weiteren Darsteller, die Umgebung und die miserable Synchronisation wirkt einfach alles etwas lächerlich. Was Sofia Milos in ihrer Rolle als Abigail Lanning in dieser Folge zu suchen hatte, wird auch nicht wirklich klar. Selbst die Bettgeschichte mit Reto hätte jede andere Darstellerin ebenso nüchtern spielen können. Von einem ernsthaft erzählten Krimi kann leider keine Rede sein. Somit bekommt Wunschdenken von mir 3 Gnadensterne, für die unfreiwillige Komik und die schnelle Erzählfolge. Und jetzt halten wir es besser so, wie Reto es in der Bahnhofsszene gesagt hat: „Wir brechen jetzt hier ab.“

Majas Bewertung: ★★★★★☆☆☆☆☆
“Wunschdenken” beginnt für einen Tatort relativ ungewöhnlich, denn die Folge fängt nicht mit einem bereits geschehenen Mord und dem Fund der Leiche an. Die Mordszene selbst wurde abgedreht, nachdem die Beteiligten in einer vorangestellten Szene vorgestellt wurden. Doch wie sich schnell herausstellt, gibt es eigentlich zwei Fälle, die aufgeklärt werden müssen.

Reto Flückiger (Stefan Gubser) schlittert geradezu in seine neue Stelle bei der Kripo Luzern, die er erst vier Wochen später beginnen soll. Doch die Umstände und das Betteln seines neuen Chefs Ernst Schmidinger (Andrea Zogg) veranlassen ihn zu ermitteln. Er hat immer den passenden Spruch parat und kaum ist er im Dienst, beginnt er eine Affäre mit einer Austauschpolizistin aus den USA. Flückiger nimmt sich, noch nicht einmal richtig im neuen Job angekommen, so einiges heraus, u.a. begibt er sich ohne Duchsuchungsbeschluss in ein Haus. Schmidinger, den er noch von der Polizeischule kennt, steht voll hinter ihm und lässt ihm alle Freiheiten. Reto ist eher unauffällig angezogen und fährt einen alten blau-grauen VW Passat. Abby Lanning (Sofia Milos) wirkt von Beginn an professionell. Sie kann hervorragend kombinieren und spielt, trotz ihrer Position als Austauschpolizistin, die lediglich für einige Wochen in der Schweiz ist, an Flückigers Seite eine wirklich gute Rolle. Ein Team mit Potenzial.

“Wunschdenken” beginnt zwar spannend, doch diese Spannung lässt leider zum – für mich überraschenden – Ende hin, immer mehr nach. Zudem gibt es einige Klischees, die nicht hätten sein müssen. Die Außenaufnahmen in diesem Tatort zeigen den Vierwaldstättersee, der fast leblos wirkt und in einer von den Schweizer Bergen umhüllten Bilderbuch-Landschaft liegt. Der Horizont wirkt eher wie eine aufgeklebte Tapete als ein lebendiger Krimi-Schauplatz. Von der Stadt Luzern sieht man auch nur wenige Ansichten, die sich kaum voneinander unterscheiden und ausdruckslos und unbelebt wirken. Nicht so ganz nachvollziehbar ist die eine oder andere Szene, doch das sind wir vom Tatort nun schon gewohnt. Schmidinger berichtet Flückiger zu Beginn, dass ihm viele Leute fehlen und Angestellte krank sind und die Kapazitäten ausgeschöpft sind. Doch als Reto wenige Stunden später den Fall übernimmt kann er einen Plan mit 50 Polizisten erstellen, die spontan einsatzbereit sind.

Insgesamt ein mittelmäßiger Tatort. Der Schweizer Tatort sollte in Zukunft mehr zu bieten haben. Doch Stefan Gubser in der Rolle des Kommissars Reto Flückiger wirkt in der ersten Folge vielversprechend. Schließlich hat er schon in zwei deutschen Tatort-Folgen am Bodensee mitgespielt. Die Geschichte um die Entführung und die Wasserleiche war nicht schlecht, sondern nicht bis zum Ende mitreißend umgesetzt.

Sendeinformation
Sendelänge: ca. 90:00
Drehbuch – Nils-Morten Osburg
Regie – Marcus Imboden
Erstsendung – 14.8.2011
Produktionssender – SF
Produktionsfirma – Turnus Film AG, Tellfilm
Drehort – Luzern und Umgebung
Bildformat – 16:9
Redaktion – Peter Studhalter, Lilian Räber

Besetzung
Kommissar Reto Flückiger – Stefan Gubser
Abigail Lanning – Sofia Milos
Eugen Mattmann – Jean-Pierre Cornu
Ernst Schmidinger (Kripochef) – Andrea Zogg
Kriminaltechnikerin Yvonne Veitli – Sabina Schneebeli
Natalie Kreuzer – Stephanie Japp
Josef Ebnöter – Peter Wyssbrod
Elisabeth Widmer – Ursina Lardi
Beat Bernet – Martin Hug
Marcel Küng – Martin Klaus
Birgit Bürki – Anna Schinz
Mathias Wagner – Christof Gaugler
Jessica – Mona Petri
Margrit Scherrer – Rebecca Burkhardt
Anton Widmer – Andreas Matti
Radu Pankiewicz – Ronnie Paul
Pascal Kreuzer – Marcello Montecchi
Ueli – Ulrich Blum
N.N – Suly Röthlisberger

Stab
Aufnahmeleitung – Marc Daniel Gerber
Aufnahmeleitung – Lee Maurer
Außenrequisite – Cecile Grieder
Baubühne – Lars Wagener
Beleuchter/Beleuchtungstechnik – Peter Rudolf
Beleuchter/Beleuchtungstechnik – Raphael Toel
Besetzung/Casting – Ruth Hirschfeld
Continuity – Susanne Kaelin
Garderobe – Julia Ensner
Geräusche – Mel Kutbay
Herstellungsleitung – Esther Rutschmann
Innenrequisite – Peggy Dix
Kamera – Rainer Klausmann
Kamera – Marco Barberi
Kameraassistenz – Astrid Miegel
Kameraassistenz – Andreas Schneuwly
Kameraassistenz – Micky Schärer
Kamerabühne – Jörg Albrecht
Komparserie – Christian Casper
Kostümassistenz – Regula Marthaler
Kostüme/Kostümbild – Claudia Flütsch
Location Scout – Ines Zurbuchen
Location Scout – Samuel Meier
Maske/Maskenbildner – Marc Hollenstein
Maske/Maskenbildner – Marina Aebi
Maske/Maskenbildner – Barbara Grundmann
Mischtonmeister – Holger Lehmann
Montage – Ursula Höf
Musik/Filmkompositionen – Balz Bachmann
Oberbeleuchter – Peter Fritscher
Personal Driver – Helga Schwegler
Postproduktion – Bastian Hertel
Producer – Katrin Renz
Producer – Susann Henggeler
Produktionsassistenz – Bastian Hertel
Produktionsfahrer – Victor Flores
Produzent – Hans G. Syz
Produzent – Stefan Gubser
Regieassistenz – Florian Engelhardt
Regieassistenz – Katharina Kursawe
Schnitt – Olla Höf
Schnitt – Ursula Höf
Schnittassistenz – Rebecca Siegfried
Script – Fabienne Helfer
Sounddesign – Jörg von Allmen
Steadicam – Markus Eckert
Stunt Koordination – Marcel Stucki
Stunts – Ronnie Paul
Szenenbild – Gerald Damovsky
Ton/Filmtonassistenz – Thomas Gassmann
Ton/Filmtonmeister – Ingrid Städeli
Ton/Filmtonmeister – Reto Stamm
Ton/Filmtonmeister – Patrick Storck

Weitere Meinungen und Rezensionen

MeediaDer Fall selbst ist zwar an den Haaren herbeigezogen – es geht um eine Wasserleiche und eine inszenierte Entführung eines Lokal-Politikers, die kein gutes Ende nimmt – aber damit bewegt man sich in bester “Tatort”-Drehbuch-Tradition. Wenigstens wird die Handlung flott vorangetrieben. Langeweile kommt keine auf.

DerWesten: Wer sich aufregen möchte am Sonntagabend, sitzt bei diesem Tatort in der ersten Reihe. Allerdings wird der Adrenalinspiegel nicht hochgepeitscht, weil der Fall so spannend, spektakulär oder außergewöhnlich ist. Die Dialoge schmerzen zum Teil, und die schauspielerische Leistung von Sofia Milos tendiert gegen null. 

20min.ch: Nicht von der Hand zu weisen ist eine gewisse Ironie, die den Schweizer «Tatort» umgibt. Während sich im Film die Ermittler im Politiker-Umfeld bewegen und zwischen die Fronten des Wahlkampfs geraten, werfen im realen Leben hiesige Politiker dem SRF Lügen und Zensur vor.

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Wunschdenken - Tatort Luzern - Folge 806, 4.5 out of 10 based on 24 ratings

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Oberli Marcel August 14, 2011 um 20:44

Hallo

Extra heute abend habe ich keine termine gemacht, somit ich dieser
Tatort aus Luzern geniesen konnte. Es war ein geniale Film aus der
der schöne Stadt Luzern, den ich wohne sogar hier. Gibt es auch später
einen DVD ? Gibt es auch von Sophia Milo Autogramm Karten , wenn Ja
wo? Also ein herzliche gratulation.
Mit Freundliche Grüsse Marcel Oberli

Antworten

Redaktion August 14, 2011 um 20:50

Hallo Marcel,

ob es eine DVD geben wird, ist noch nicht klar. Für Autogrammkarten von Sofia Milos bitte an die folgende Adresse wenden.

Sofia Milos
8033 Sunset Blvd.
PMB 552
Hollywood, CA 90046
USA

Viele Grüße
Tatort News Redaktion

Antworten

Tobi August 16, 2011 um 09:07

Unfassbar! Dass es für diesen Film auch noch ansatzweise gute Kritiken gibt, ist mir absolut unverständlich.
Der Fall: Lächerlich! Die Synchronisation: Schlechter, als in so manchen C-Movies. Die Darsteller: Bis auf mit Abstrichen Stefan Gubser albern und untalentiert. Besonders Sofia Milos war nur schwer zu ertragen. Mimik, die einen Schauspieler auszeichnen sollte, war bei derart aufgespritzten Lippen ohnehin nicht zu erwarten, aber auch darüber hinaus wirkte ihr Schauspiel unmotiviert und uninspiriert. Alle weiteren Darsteller glänzten vor Allem durch unfreiwillige Komik und laienhaft anmutendes Spiel.
Insgesamt einer der schlechtesten Tatorte der letzten zehn Jahre. Zumindest die massenhaft enthaltene unfreiwillige Komik vermochte zu unterhalten. Insgesamt aber nach dem Ludwigshafener tatort zur Frauen-Fußball-WM ein weiterer Tiefpunkt der Tatort-Reihe.

Antworten

uli August 23, 2011 um 19:51

Dem kann ich zu 100% zustimmen. Und ich schaue Tatort seit 1978 !
Auch was den WM-Tatort anbelangt !!!

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Katharina Sander August 22, 2011 um 20:58

Hallo,
In der ersten Szene trägt Sofia Milos eine braune Sonnenbrille mit seitlicher goldener halbmondartiger Fassung. Verrät jemand, welche Marke das ist?;)
Gruß
Katharina

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