Der Tote im Nachtzug – Tatort Frankfurt – Folge 817

by on 20. November 2011

Die Frankfurter Hauptkommissarin Conny Mey (Nina Kunzendorf) wird früh morgens zum Bahnhof gerufen, denn im Nachtzug aus Warschau wurde eine Leiche mit Schusswunde gefunden. Ein Verdächtiger konnte fliehen. Hauptkommissar Frank Steier (Joachim Król) wurde nach einer Verletzung gerade erst aus der Reha entlassen und ist bereits ebenfalls am Bahnhof angekommen. Die ersten Ermittlungen ergeben, dass es sich wahrscheinlich um einen Raubmord handelt.

Der Tote im Nachtzug - Tatort Frankfurt

Der Tote im Nachtzug - Tatort Frankfurt / Bild: HR/Johannes Krieg

Die beiden Ermittler müssen der Frau des Toten, Elsa Lange (Inka Friedrich), die schreckliche Nachricht überbringen. Sie verrät den Kommissaren, dass ihr Mann als Sanitäter bei der Bundeswehr in Afghanistan gewesen ist. Allerdings wurde er vor drei Jahren wegen Medikamentenmissbrauch entlassen. In den weiteren Ermittlungen finden Conny Mey und Frank Steier heraus, dass sich der Hauptverdächtige Stanislav Kilic (Jevgenij Sitochin) und der Tote aus Afghanistan kannten und beide an krummen Geschäften beteiligt waren. Wollte sich Stanislav etwa rächen und hat deshalb Rüdiger Lange (Stephan Grossmann) ermordet? Plötzlich wendet sich der Fall, als die Feldjäger mit ins Spiel kommen und Interesse an Stanislav Kilic zeigen…

Sebastians Bewertung: ★★★★★★★☆☆☆

Der neue Frankfurter Tatort „Der Tote im Nachtzug“ beginnt vielversprechend und temporeich, kann dies – bis auf wenige dramaturgisch sinnvolle Unterbrechungen – auch bis zum Schluss halten. Die schauspielerische Leistung der beiden Kommissare ist ansprechend, wobei sich das Publikum immer noch an der teils freizügigen Darstellung von Nina Kunzendorf in ihrer Rolle als Conny Mey stößt. Joachim Król überzeigt als leidender Kommissar Frank Steier mit kleinem Alkoholproblem. Die Charaktere agieren jedenfalls sehr gut miteinander und bieten auch ausreichend Reibungsfläche.

Auch die vielen Nebendarsteller fallen nicht ab. Die Handlung – angeblich beruhend auf einer wahren Begebenheit – überzeugt ebenfalls. Kamera und der Schnitt machen einen sehr guten Job. Die Folge erinnert an die CSI Serien aus den USA, nur eben ohne die obligatorischen Weichzeichner und Farbfilter. Hochgeschwindigkeitsaufnahmen werden auch selten in einem Tatort verwendet.

Insgesamt ist dem HR mit “Der Tote im Nachtzug” ein guter, da überwiegend spannender, witziger und einfach unterhaltsamer Tatort gelungen. Besonders hervorzuheben ist die – für einen Tatort ungewöhnlich ansprechende – Kameraführung, die großartige Musikauswahl und Komposition. Auch der Plot selbst trägt seinen großen Teil zu einem tollen Fernseherlebnis bei. So kann es mit dem Tatort aus Frankfurt gerne weitergehen.

Majas Bewertung: ★★★★★★★★☆☆
Die ersten Szenen von “Der Tote im Nachtzug” sind fast spektakulär schnell für einen Tatort. Die Flucht aus dem noch fahrenden Zug ist allerdings doch nicht so ganz realitätsnah und typisch Krimi. Dann springt der Tatverdächtige auch noch von der Brücke – ohne Kratzer versteht sich. Die Ermittlungen selbst gehen jedoch nur mäßig voran und ein Großteil der Handlung dreht sich um Elsa, die zurückgebliebene Witwe des Toten. Und besonders schnell sind auch die beiden Ermittler nicht, sie haben die Ruhe weg.

Frank Steier (Joachim Król) ist nach einer Stichverletzung noch gesundheitlich angeschlagen. Seine Kollegin Conny Mey (Nina Kunzendorf) dagegen ist genau das Gegenteil und sprüht vor Energie. Über ihren Stil lässt sich mit Sicherheit streiten, allerdings zieht sie die Blicke an und ist auch beim TV-Publikum beliebt. Auch ihre schauspielerischen Leistungen müssen die beiden nicht verstecken. Die Frankfurter Hauptkommissare sind so unterschiedlich, aber sehr erfrischend anzusehen. Auffällig und besonders ist die ungewöhnliche Musik, die eigens für den Tatort komponiert wurde. Ohne viel Melodie erzeugt sie in den richtigen Szenen Spannung.

Insgesamt ein sehr kurzweiliger Tatort, der punkten konnte und Lust auf weitere Tatortfolgen aus Frankfurt macht.

Sendeinformationen
Sendelänge – ca. 90 Minuten
Drehbuch – Lars Kraume
Drehbuchvorlage – Axel Petermann
Regie – Lars Kraume
Erstsendung – 20.11.2011
Produktionssender – HR
Drehort – Frankfurt am Main
Bildformat – 16:9
Redaktion – Liane Jessen, Lili Kobbe

Besetzung
Hauptkommissar Frank Steier – Joachim Król
Hauptkommissarin Conny Mey – Nina Kunzendorf
Daniel Behnken (Polizeipsychologe) – Arnd Klawitter
Chef der Mordkommission – Gerd Wameling
Thomsen – Benno Fürmann
Elsa Lange – Inka Friedrich
Stanislav Kilic – Jevgenij Sitochin
Rüdiger Lange – Stephan Grossmann
Hartmann – Rüdiger Kling
Peter Fuchs – Gerrit Jansen
polnischer Dolmetscher – Damir Cosic
Tanja Rose – Dijana Grilc
Kripobeamter – Nils Kahnwald
Zugführer – Bohdan Artur Swiderski
Polizistin – Cornelia-Claudia Goossens

Stab
Assistent der Set-AL – Daniel Pfeifer
Continuity – Béatrice M. Hoffmann
Erster Aufnahmeleiter – Daniela Krause
Kamera – Armin Alker
Kameraassistenz – Nadine Lang
Kameraassistenz – Pan Springer
Kostüme/Kostümbild – Katharina Schnelting
Musik/Filmkompositionen – Christoph M. Kaiser
Musik/Filmkompositionen – Julian Maas
Produktionsleitung – Gabriele Leiner
Produzent – hr-fernsehfilm
Regieassistenz – Ronny Bregulla
Requisitenfahrer – Daniel Bengner
Standfotografie – Johannes Krieg
Stunt Koordination – Rainer Werner
Szenenbild – Olaf Schiefner
Ton/Filmtonassistenz – Jan Harmsen
Videooperator – Franziska Pinsel
Videooperator – Enrico Leube

Weitere Meinungen und Rezensionen

FAZ.net: “Es ist vieles sehr gut in diesem „Tatort“. Zu gut vielleicht. Mit jedem neuen und präzise ermittelten Detail vergrößert sich das moralische Dilemma der Kommissare Steier und Mey.”

Spiegel.de: “Pumpende Bläsersätze, Rotwein-Suff und massive Östrogen-Ausschüttungen treiben die Handlung im schnell Tempo voran, erklärt wird nur das Nötigste, plausibel ist jede einzelne Szene. Die große Ausnahme im routinierten “Tatort”-Gelaber.”

Tittelbach.tv: “Manchmal ist es die Musik, das Sounddesign, das sich über den Rhythmus der Bildmontage legt. Dann ist es ein launiger Moment, der für Entlastung sorgt im Fluss der (An-)Spannung. Eine Merkliste über starke Szenen zu führen, muss man bei diesem Film schnell aufgeben!”

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Helfe Kletti November 20, 2011 um 20:55

Spannend, schöne Bilder, mutige Musik, mutige Aussagen…mehr kann man nicht erwarten von einem Tatort. Setzten 1

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gregor November 23, 2011 um 10:42

Dass sich die Verantwortlichen schon in der zweiten Frankfurter Folge für eine solche Entkomplizierung und für eine Beschränkung aufs Essenzielle entschieden haben, anstatt irgendwelchen Trends hinterher zu hecheln, setzt die Messlatte hoch und macht Lust auf mehr von Mey und Steier.

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