Der Weg ins Paradies – Tatort Hamburg – Folge 821

von Redaktion am 18. Dezember 2011

Für seinen neusten Undercover-Auftrag zieht es LKA Sonderermittler Cenk Batu (Mehmet Kurtulus) in das Umfeld von militanten Islamisten. In Hamburg soll er eine islamistische Zelle infiltrieren und ein bevorstehendes Attentat verhindern. BKA und die deutschen Geheimdienste sind bereits alarmiert, kennen aber werden Ort, noch Ziel und Zeitpunkt und setzen nun alles daran, mehr Details zum bevorstehenden Anschlag zu erfahren. Batus Auftrag ist es in die Al-Kaida Gruppe einzudringen und das Attentat mit allen Mitteln zu verhindern.

Der Weg ins Paradies - Tatort Hamburg

Der Weg ins Paradies - Tatort Hamburg / Bild: NDR/Hannes Hubach

Unter seinem Decknamen „Taylan“ gelingt es Batu, Kontakt mit dem intelligenten Chef der Zelle aufzunehmen. Dabei handelt es sich um Christian Marschall (Ken Duken), einen deutschen Konvertiten, der Cenk sehr misstrauisch und vorsichtig begegnet. Dennoch gelingt es dem Undercover-Ermittler, in den Kreis der Terroristen aufgenommen zu werden und langsam Zugang zu den anderen Mitgliedern der Gruppe zu finden. Doch auch mit äußeren Widrigkeiten hat Batu zu kämpfen. So wird die Operation von BKA Chef Hans-Peter Oswald (Martin Brambach) geleitet und selbst Cenks Chef Uwe Kohnau (Peter Jordan) ist nicht in alle Details und Hintergründe der Mission eingeweiht.

Sebastians Bewertung: ★★★★★★★★☆☆
Im Tatort „Der Weg ins Paradies“ macht sich Undercover-Ermittler Cenk Batu (Mehmet Kurtulus) auf, um eine islamistische Terrorzelle zu infiltrieren. Die schauspielerische Leistung Kurtulus’ ist wieder einmal hervorragend: Eine jederzeit perfekt sitzende Attitüde, ein bewusst dossiertes Mimenspiel und ein überragenden Habitus runden die Doppelrolle aus Agent und militantem Moslem ab. Der Plot schafft den Spagat zwischen einem schnellen Erzähltempo und ruhigen – ja schon fast gelassenen – Dialogen. Die Dramaturgie leidet zwischenzeitlich ein wenig unter dem langen Handlungsstrang, findet aber noch schnell genug die Kurve. Kamera und Bild wurde dagegen nicht solch ein hohes Maß an Aufmerksamkeit gewidmet. Die Musik ist passend und unterstützt die Szenerie jederzeit.

Mit „Der Weg ins Paradies“ ist dem NDR wieder einmal ein sehr guter Tatort gelungen. Der aufmerksame Zuschauer wird voll von dem Plot in den Bann gezogen. Es ihm wird allerdings auch viel abverlangt, eine Unkonzentriertheit genügt und schon ist der Faden verloren. Es ist für mich unverständlich, dass Kurtlus’ Engagement mit der nächsten Folge im Frühjahr 2012 zu Ende geht. Selten wurde die Rolle eines Tatort-Kommissars so spannend, so vielschichtig und so überzeugend vorgetragen. Es ist ein Jammer, dass Til Schweiger bald in Hamburg ermitteln wird!

Majas Bewertung: ★★★★★★★★☆☆
“Der Weg ins Paradies” war bereits im Voraus erfolgsversprechend und hat gehalten, was er versprochen hat. Ein durch und durch spannender Tatort aus Hamburg und leider auch der zweitletzte mit Mehmet Kurtulus als Hauptkommissar Cenk Batu. Die NDR-Krimis mit dem verdeckten Ermittler haben ein besonderes Potenzial. So auch diese Folge. Cenk Batu hat für diesen Einsatz in einer islamistischen Terrorzelle sein komplettes Leben umgekrempelt und musste alles hinter sich lassen. Seine Rolle spielt er von Anfang an ausgezeichnet. Einzige Schwachstelle ist zuerst eine Frau, die er kennenlernte. Außerdem war es doch sehr unprofessionell ihre Nummer im Handy zu haben. Batu wird auch in dieser Folge wieder von seinem Vorgesetzen Uwe Kohnau (Peter Jordan) tatkräftig unterstützt, denn er ist seine einzige Verbindung zum BKA. Allerdings bringt er ihn auch immer wieder in Gefahr.

Die vielen Szenenwechsel zwischen den beiden Welten verleihen dem Tatort Spannung. Das übrige tut die eigens komponierte Musik, die immer perfekt auf die Handlung abgestimmt ist. Auch die farblichen Aspekte der Bilder sind mal wieder einzigartig und lassen den sonst so grauen Tatort fast farbenfroh wirken. Insgesamt ein großartiger Tatort, der ein sehr aktuelles und brisantes Thema spannend umsetzt. Realitätsnah oder nicht – darüber lässt sich mit Sicherheit streiten. Großes Fernsehen heute.

Sendeinformationen
Sendelänge: ca. 90:00
Drehbuch – Alexander Adolph
Regie – Lars Becker
Erstsendung – 18.12.2011
Produktionssender – NDR
Arbeitstitel – Bruder Tod
Produktionsfirma – Studio Hamburg
Drehort – Hamburg
Bildformat – 16:9
Redaktion – Dr. Ira Neukirchen

Besetzung
Hauptkommissar Cenk Batu – Mehmet Kurtulus
Uwe Kohnau – Peter Jordan
Christian Marschall – Ken Duken
Hans-Peter Oswald – Martin Brambach
Akbar – Murali Perumal
Rolf-Peter Sperling – Tristan Seith
Hieber – Aljoscha Stadelmann
Gloria – Anna Bederke
Christians Vater – Hartmut Becker
Imam – Verdat Erincin
Hamza – Sinan Al Kuri
Christians Schwester – Carolin Pohl
Elisabeth von Au – Theresa Berlage

Stab
Außenrequisite – Kim Porr
Baubühne – Harry Bollhöfener
Besetzung/Casting – Marion Haack
Erster Aufnahmeleiter – Jürgen Janoczek
Erster Aufnahmeleiter – Stefan Halbensleben
Filmgeschäftsführung – Iris El Guenaien
Kamera – Hannes Hubach
Kameraassistenz – Frederik Tegethoff
Kamerabühne – Sebastian Rösler
Kostüme/Kostümbild – Fana Becker
Location Scout – John Kustendy
Motivaufnahmeleitung – John Kustendy
Produktionsfahrer – Ann-Kristin Citzler
Produktionsfahrer – Uwe Helbich
Produktionsleitung – Christian Granderath
Produktionsleitung – Jörn Kassbohm
Produzent – Lisa Blumenberg
Regieassistenz – Benjamin Gutsche
Regieassistenz – Denis Girisken
Schnitt – Ingo Ehrlich
Set-Aufnahmeleitung – Florian Bothe
Ton/Filmtonmeister – Benjamin Schubert

Weitere Meinungen und Rezensionen

FAZ.net: Was Cenk Batu in diesem Milieu erlebt, geht auch gegen ihn selbst, gegen seine Herkunft und seine Überzeugung: „Das was ich hier lerne, hat nichts mit Spiritualität zu tun. Geschweige denn mit dem Islam“, sagt er. Der Fall führt ihn an seine Grenzen. Lange hat man keinen so guten „Tatort“ mehr gesehen.

Welt.de: Der Mienenkrieg zwischen ihm und Duken hat das Zeug zum Klassiker. Im März wird Cenk zum letzten Mal in die Einsamkeit des V-Manns geschickt. Dann ist Schluss, dann ist er – weiß die „Bild“-Zeitung, tot. Und wir werden ihn vermissen. Einen Kranz haben wir schon bestellt.

Stern.de: Bis der fulminante Endspurt dieses grandiosen “Tatorts” beginnt. Der einzige, der dabei cool bleibt, ist Cenk Batu. Manchmal kann fehlendes Mimikspiel auch ein Vorteil sein. Es ist ein Jammer, dass Mehmet Kurtulus nur noch einmal als Cenk Batu ermitteln wird. Denn die Variante eines verdeckten Ermittlers hebt sich wohltuend vom sonstigen “Tatort”- Einerlei ab.

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