Ordnung im Lot – Tatort Bremen – Folge 828

by on 12. Februar 2012

In seinem Verkaufsraum wird der Besitzer einer Tankstelle erschossen aufgefunden. Die beiden Bremer Hauptkommissare Inga Lürsen (Sabine Postel) und Nils Stedefreund (Oliver Mommsen) nehmen direkt die Ermittlungen auf. Schnell zeigt sich, dass der Tankstellenbesitzer kein Opfer eines Raubmordes wurde, denn es fehlt nichts und in der Kasse befindet sich ein hoher Bargeldbetrag. Zudem wurde das Opfer nach der Tat noch berührt, anscheinend hat der Täter dem Mann noch die Augen geschlossen.

Ordnung im Lot Tatort Bremen

Ordnung im Lot - Tatort Bremen / Bild: Radio Bremen/Jörg Landsberg

Die Familie des Opfers reagiert zum Erstaunen der Kommissare sehr gefasst auf die Todesnachricht. Der Verdacht, sie könne etwas mit dem Mord zu tun haben erhärtet sich, da sich der 16-jährige Max, der auch das Opfer gefunden hat, sich zunehmend in Widersprüche verstrickt. Max’ Mutter dagegen wirkt panisch und psychisch nicht gefestigt. Welches Geheimnis hat sie zu verbergen? Bei ihren Ermittlungen tauchen die Hauptkommissare immer weiter in die Familiengeheimnisse ein. Und das tiefer, als ihnen lieb ist…

Sebastians Bewertung: ★★★★★★★☆☆☆
In „Ordnung im Lot“ müssen sich die beiden Bremer Hauptkommissare Inga Lürsen (Sabine Postel) und Nils Stedefreund (Oliver Mommsen) mit einem wahrlich irren Fall und einer noch viel irreren Zeugin auseinandersetzen. Die schauspielerische Leistung aller Darsteller ist ansprechend, doch Mira Partecke sticht in ihrer Rolle als schizophrene Sylvia Lange besonders positiv heraus. Schade, dass die geborene Hamburgerin mehr auf den Theaterbühnen, als im Fernsehen zu bewundern ist.

Das Drehbuch hat zwar einige Längen unter denen der Krimi merklich leidet, ist aber dennoch interessant und spannend gestaltet. Durch die besondere Konstellation um die Charaktere ist bis zum Ende nicht klar, was eigentlich vorgefallen ist und wer Täter und Opfer sind. Die Kamera wird bewusst und stilvoll eingesetzt, die Bildgestaltung unterstützt die Szenerie und narrt den Zuschauer ein ums andere Mal. Mit musikalischen wird dagegen sehr dosiert umgegangen.

Insgesamt ist Radio Bremen mit „Ordnung im Lot“ endlich einmal wieder ein guter – weil interessanter und bisweilen ziemlich verrückter – Tatort gelungen. Statt einmal mehr ein sozialkritisches Thema in einen Krimi zu pressen, wurde diesmal auf eine runde Kriminalhandlung mit einer Prise Wahnwitz wertgelegt. Leider nimmt bei der Auflösung des Falls die Kreativität der Drehbuchautoren stark ab, so dass Lürsen einmal mehr die Kritzeleien einer Verrückten entschlüsseln muss. Trotzdem ist dem Bremer Team mit diesem Tatort der langersehnte Befreiungsschlag gelungen. So kann es gerne weitergehen.

Majas Bewertung: ★★★☆☆☆☆☆☆☆
Der Tatort “Ordnung ohne Lot” beginnt mit einer äußerst spannenden Szene, die jedoch schnell abflacht. Die Handlung wirkt teilweise ermüdend lang und ist wenig überraschend, dafür unzusammenhängend.

Vincent Göhre spielt den 16-jährigen Max Lange wirklich gut und ist von Beginn an verdächtig. Sein Verhalten bringt zudem ein wenig Spannung in den Tatort. Und auch seine Mutter Sylvia Lange gibt sich nicht weniger verdächtig. Mira Partecke spielt die psychisch Kranke hervorragend. Da Max und seine Mutter in dieser Folge sehr vereinnahmend sind rücken die beiden Hauptkommissare Inga Lürsen (Sabine Postel) und Nils Stedefreund (Oliver Mommsen) eher in den Hintergrund. Ihre Ermittlungen scheinen zudem zeitweise stillzustehen. Auffällig gut sind die Bildeinstellungen mit unterschiedlichsten Schattenspielen und einfallenden Sonnenstrahlen, die sich durch den gesamten Tatort ziehen. Kein roter Faden dagegen, aber dennoch passend sind die vielfältigen Musikstücke – so vielfältig auch die Menschen und Szenen.

Insgesamt ist die Handlung sehr verwirrend und fad. Haltlose Szenen und Gespräche ohne Inhalt lenken vom eigentlich Fall ab und irgendwie fühlt man sich inmitten einer wirren Gesellschaft. Drei Sterne für den Tatort “Ordnung ohne Lot”.

Sendeinformationen
Sendelänge – 88:30
Drehbuch – Peter Henning, Claudia Prietzel
Regie – Peter Henning, Claudia Prietzel
Erstsendung – 12.2.2012
Produktionssender – RB / ARD-DEGETO
Arbeitstitel – Alles im Lot
Produktionsfirma – Bremedia
Drehort – Bremen und Umgebung
Bildformat – 16:9
Redaktion – Annette Strelow

Besetzung
Hauptkommissarin Inga Lürsen – Sabine Postel
Hauptkommissar Nils Stedefreund – Oliver Mommsen
Kriminalassistent Karlsen – Winfried Hammelmann
Max Lange – Vincent Göhre
Sylvia Lange – Mira Partecke
Ole Lange – Wolfgang Koch
Ruben Tomic – Fabian Busch
Elke Tomic – Irene Rindje
Ermittler Gerd – Christian Beermann
Psychologe – Robert Schupp
Rade Loncar – Luca Maric
Frau Haberland – Heidi Ecks
Nachrichtensprecher – Michail Paweletz
Polizist Walter – Jörg Witte
Lieferwagenfahrer – Christian Bergmann

Stab
Aufnahmeleitung – Niels Hein
Außenrequisite – Sabine Peters
Beleuchter/Beleuchtungstechnik – Florian Birch
Besetzung/Casting – Gitta Uhlig
Filmgeschäftsführung – Hanne Krenz
Garderobe – Erika Haertel
Garderobe – Kristina Russbach
Herstellungsleitung – Manfred Lenert
Innenrequisite – Britta Debring
Kamera – Bella Halben
Kameraassistenz – Moritz Tessendorf
Kostüme/Kostümbild – Astrid Karras
Lichttechnik – Klaus Kennemann
Maske/Maskenbildner – Elisabeth Harlan
Maske/Maskenbildner – Samira Ghassabeh
Motivaufnahmeleitung – Kay Schellack
Musik/Filmkompositionen – Andreas Weiser
Producer – Seth Hollinderbäumer
Produktionsleitung – Olaf Kavlelage
Produzent – Claudia Schröder
Regieassistenz – Lena Bodil Ernst
Schnitt – Elke Schloo
Set-Aufnahmeleitung – Michael von Wolfframsdorff
Stunt Koordination – Ronnie Paul
Szenenbild – Florian Langmaack
Ton/Filmtonmeister – Frank Buermann

Weitere Meinungen und Rezensionen

Evangelisch.de: Ganz besonders Schlaue fangen beim Labyrinth nicht am Eingang, sondern am Ausgang an; dann ist der Weg oftmals viel einfacher. Genauso müsste man diesen “Tatort” eigentlich mit dem Schluss beginnen.

Faz.de: Der „Tatort“ kommt uns oft mit Sozialkritik. Dass er auch als Psychodrama funktioniert, zeigt die Bremer Folge „Ordnung im Lot“ – ein beklemmender Film.

Süddeutsche.de: Die Dialoge sind präzise, aber die Handlung zieht und dehnt sich, am Ende entschlüsselt die Hauptkommissarin die Kritzeleien der Verwirrten, weil aus Kritzeleien immer alles herauszulesen ist, wenn der Plot im Ganzen hinkt.

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